Samstag, 24. August 2013

Die zarten Wellen

Letztens einen Vergleich gelesen.
Sinngemäß: Manche Menschen treiben wie ein Dampfer über das Meer...ruhig und gelassen.
Und dann gibt es noch die Menschen, die es wie in einem Ruderboot auf hoher See nur so hin und her wirft.
Letztere sind die Hochsensiblen.

Gestern kam das HSP-Buch an. Es erzählen Hochsensible aus ihrem Alltag. Ein Buch in Interviewform.
Natürlich stecke ich in jeder freien Minute meine Nase da hinein.
Und in meinem Kopf rattert es.
Noch mehr verstehen.
Noch mehr erkennen!

So viele Situationen werde mir jetzt erklärbarer.
Ich könnte gerade selbst ein Buch über meine Hochsensibilität schreiben.
(In einer Lesepause ging ich hinter zu einem kleinen Waldabschnitt. Wollte Ruhe, Schatten, Alleinsein. Fand das alles auch. Spürte wie die Anspannung von mir fiel, holte tief Luft und....
genau vor meinen Augen segelte mal wieder eine Feder herab. Klein, weiß, flauschig. Weit und breit kein Vogel und schon gar kein Wind. Ich hab nur innerlich die Augen verdreht und mir ein ironisches *is ja klar* gedacht.)

Mir wird klar, wie oft ich Streß (Wellen) empfinde, wo andere noch nicht mal was davon spüren (Dampfer).
Ganz viele kleine Minischrecksekunden (Nachbar der mir entgegenkommt, zu lautes Auto das zu nah vorbei fährt, ungewolltes Plaudergespräch mit dem Verkäufer, Hitze) und der Pegel steigt und steigt. Manchmal eben bis zur Panikattacke.

Eine Situation ist mir besonders in Erinnerung:

So vor 12 Jahren (ich war Anf. 20) hatten wir oft am Wochenende großes Familienessen: Papa und Mama (schon lange geschieden), Schwester mit Mann und Kind und ich (eher selten mit Partner).

Da war ein Gewusel und erzählen-wollen und lautes Kinderspiel und essen und ich sah ja noch, dass Mama traurig ist, zu viel säuft, zu unsicher lacht, mein Vater sich unwohl fühlt, mein Schwager so grob mit den Kindern umgeht und mir das weh tut, ich mir aber nicht traue was zu sagen, meine Schwester zu grob mit mir, das alles in einer sehr kleinen 2-Zimmerwohnung...es wurde viel geraucht...1000 andere Gedanken die ich gar nicht aufschreiben kann, kamen noch dazu.
Und irgendwann wurde ich stiller und stiller, versuchte so viel als möglich auszublenden, war überfordert, nahm das aber nicht so wahr, sondern nur als ein Zuviel von allem...
dann kam mein Vater und fragte, ob alles ok mit mir ist.
Natürlich, was sollte schon los sein. Ja ich starre vor mich hin, weil ich all die Stimmungen, Gerüche, Bilder, Worte, Geschmack, Gesten, Mimik, Enge, Hitze, Gespräche so intensiv wahrnehme, dass ich jetzt Löcher in die Luft starre, weil ich so am besten ver-ar-bei-ten kann.

(Heute kann ich das so erkennen, wenn ich dran denke, dass ich da oft über 5-6 Stunden blieb und dann noch selber mit dem Auto 80km heimfuhr, wundert es mich nicht, dass ich danach immer so ko war.)

Wie mein PC, wenn ich da zu viele Fenster aufmache oder er etwas größeres laden muss, verdunkelt sich schon mal der Bildschirm, da kann ich dann nix mehr machen, solange bis er fertig verarbeitet hat.


Kommentare:

  1. Der Vergleich mit dem PC ist wirklich gut. So wird einem stückweise klar, was man sich eigentlich alles schon so zugemutet hat, gell? Und dann wundert es auch nicht, wenn die Erschöpfung so groß ist - wir müssen nunmal mehr verarbeiten als ein "nicht HSP". Das kostet Kraft und Energie auf allen Ebenen.

    Ich wünsche Dir ein erholsames Wochenende!

    Lg
    Maja

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  2. Danke Dir Maja,

    ja ich glaub langsam kann ich es stückweise immer mehr annehmen, wie ich so ticke und *drauf* bin :-)
    Liebe Grüße

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