Mittwoch, 19. Juni 2013

Nachts

Gestern war ich nach Monaten mal wieder abends unterwegs.
Um 19h fuhr ich los und um 22h machte ich mich wieder auf den Heimweg.
Früher war ich da sehr sorglos, gutgläubig vielleicht auch naiv in Sachen: "Frau allein im Dunkeln unterwegs."
Gut, da fuhr ich auch noch viel mit dem Auto und das ist einfach sicherer als mit Bus und Bahn.
Auch jetzt habe ich nicht direkt Angst, aber ich bin wachsamer, vorsichtiger geworden.
Noch nie hat mich ein Fremder so sehr traumatisiert, wie es Partner, Familienangehörige und Mitschüler (interessanterweise keine Arbeitskollegen) taten.
Das soll auch so bleiben. (Immer wieder denke ich daran, dass über 90% der Gewalttäter aus dem direkten oder näheren sozialen Umfeld stammen!).
Damit das so bleibt, beachte ich ein paar Sachen (bezogen auf "nachts unterwegs"):

- Nicht ängstlich, aber eben doch aufmerksam sein.
- Auf sein Bauchgefühl hören! Wenn mir ein Typ zu komisch erscheint, lieber einmal häufiger weggehen und ihm böses unterstellen (natürlich im stillen) als dann in eine schlimme Situation geraten.
- Sich die Leute anschauen, nicht in ein Buch vertieft lesen.
- In der Nähe von anderen Frauen bleiben (wenn ich nachts allein am Bahnhof stehe, merke ich, dass das andere Frauen auch tun).
- In öffentlichen Verkehrsmitteln hinterm Fahrer Platz nehmen oder zumindest so, dass man eine Wand im Rücken und eine gute Übersicht auf den restlichen Waggon hat.
Mit mir stieg gestern noch ein Typ aus. Mitten in der Pampa. Er ging hinter mir, was mich unwohl machte. Also verlangsamte ich meinen Schritt und schon bald überholte er mich, wippend und völlig in seine Musik vertieft...wie gesagt: Lieber 1x zu vorsichtig sein.
- auch lieber mal einen weiteren, dafür helleren/bevölkerten Weg nahmen oder auch die letzten Kröten für ein Taxi zusammen kratzen. Das muss einem die eigene Gesundheit (körperl./psy.) schon wert sein.
- Selber höre ich keine Musik, wenn wenige oder "komische" (z.B. angetrunkene) Menschen da sind.
- Körperlich präsent sein: Aufrecht stehen, beide Füße fest am Boden und doch locker bleiben, möglichst neutral schauen, langsam am Bahnsteig auf und ab patrouillieren, so hat man auch mehr im Blick.
- Manchmal nehm ich auch meinen Schlüsselbund in der Tasche in die Hand (Schlüsselring um Finger, dann ne Faust machen, nicht dass der Bund im dunkeln auch noch davon fliegt). Auch das gibt mir Sicherheit und zur Not kann ich mit dem auch zuhauen, um einfach für eine Sekunde ein wenig Luft zu bekommen und manchmal reicht auch das, um den Täter in die Flucht zu schlagen: *scheiße, die wehrt sich, da rette ich lieber meine Haut*...
- wenn mich einer anlabert, den ich nicht in meiner Nähe haben will: Klar, sachlich bleiben und "siezen", um die Distanz zu wahren.

Ich glaube, es geht auch viel um innere/mentale (?) Stärke.
Durchaus hatte ich schon brenzlige Situationen, sei es dass randalierende Gruppen auftauchten oder besoffene Männer Gesellschaft suchten.
Der Satz (den ich in dem Moment sehr ernst nehme, von dem ich dann auch überzeugt bin): Komm du mir zu nahe/faßt du mich an (beliebig änderbar) mach ich aus Dir Rührei/wirst du deines Lebens nicht mehr froh (beliebig änderbar) hilft mir dabei sehr.
Das strahlt man dann auch aus, diese Sicherheit, eine Festigkeit, eine *mit-mir-nicht*-Haltung.
Um diese Haltung zu erlangen, denke ich schon, dass Selbstverteidigungskurse gut sind. Zur wirklich körperlichen Abwehrstrategie müssen diese Techniken aber beständig geübt werden, die Hürde/den Mut/die Überwindung jemanden mit der flachen Handkante gegen die Nase zu hauen (schön schräg von unten nach oben) oder Finger in die Augen zu stechen oder ein kräftiger Tritt/Griff in die Weichteile muss da abgebaut werden.

Mit Pfefferspray und Co ist es ähnlich.
Ich war mal in einer misslichen Situation (jaaa ich kannte den Mann) hatte ein Spray in der Tasche, auch schon, für ihn unsichtbar, in der Hand, war aber vor Schreck/Panik völlig handlungsunfähig.
Es ging gut aus, weil sich eine Bekannte sehr resolut und laut vor ihn gestellt hatte. Dafür könnt ich sie heut noch knutschen.
Außerdem: Solche Hilfsmittel können auch gegen einen selbst verwendet werden. Der Täter freut sich.

Ich glaube, dass man eben sehr viel im Vorfeld für sich tun kann,
um einem möglichen Angriff abzuwehren, es erst gar nicht dazu kommen lässt (natürlich liegt es nicht nur an einem selbst!!!)

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