Samstag, 11. Mai 2013

Zukunft?

Seit einer Woche schaut er mich stumm, ja fast anklagend an:
Der Verlängerungsantrag für die EU-Rente (die richtigerweise EM, also Erwerbsminderungsrente heißt, ich bin aber erwerbsunfähig, daher finde ich den EU-Begriff für mich richtiger, andererseits erweckt es den Eindruck, dass die Rente was mit EU, also Europa zu tun habe).
Soviel zu dem Thema: Was ich schon immer mal über die Rente sagen wollte.
Seit 1.April 2012 beziehe ich diese Rente nun, und nein es war kein Aprilscherz, auch wenn ich das lange dachte ("die haben sich geirrt, die haben mich verwechselt, das ist ein Scherz!").

Bis September wurde mir die Rente gewährt.
Ich könnte verlängern (logisch, deswegen bekam ich ja den Antrag)
oder ich könnte...ja was?
Um das rauszufinden, habe ich einen Termin bei der Rentenversicherung ausgemacht. Einfach, um mal zu hören, was es so für Möglichkeiten gäbe.
Teilweise schiebe ich deswegen Panik und kann mich immer nur runterfahren, in dem ich sage, dass es ein völlig unverbindliches Infogespräch ist!
Trotzdem. Angst ist mein zweiter Vorname.

Meine Nachbarin erzählte mir, sie würde ja gern eine berufliche Reha machen und erklärte mir, wie das so ablaufen würde:
In einem Pseudobetrieb könne man ausprobieren was einem liegt und wie belastbar man ist. Man fängt mit 2 Std. für 2 Wochen an und steigert die Stundenzahl wiederum alle 2 Wochen.
Sozusagen wieder arbeiten erlernen.
Mir schossen Tränen in die Augen. Vor lauter Druck.
Die (also die Sozialarbeiter die einen dort unterstützen, anleiten, helfen usw.) würden meine Geschichte kennen/erfahren, also zumindest das ich sehr krank war/bin.
Besondere Umstände erst mal brauche.
Deswegen wird auch nicht gleich volle Leistungsfähigkeit erwartet.
Sozusagen ein Schonraum in Sachen Arbeit.
Ich spüre Fluchtimpulse.
Hilfe! Nachsicht? Verständnis? Achtsame Begleitung? Fürsorge?
Geht ja gar nicht.

Auch hier versuchte ich mich zu beruhien:
Selbst wenn du das anfängst, musst du das nicht knallhart durchziehen. Wenn es nicht geht, geht es nicht. Dir wird da nicht der Kopf abgerissen.
"Doch!" will ich schreien! Innerlich würde ich mir selbst den Kopf abreissen und mir tage-und nächtelang NIEDERLAGE! DU LOOSER! in mein eigenes Ohr brüllen.

Ich will mich verkriechen.
Ich bettel um irgendeine Gnadenbrotecke.
Ich schreie um eine helfende Hand und sobald eine sichtbar ist, muss ich sie auch wieder wegschlagen...
Ein Dilemma...

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,

    Du nennst es "Gnadenbrotecke" - für mich ist es der Hilferuf eines werhlosen Kindes nach einer Schutzecke. Und nu schau hin - Du bist die Erwachsene und kannst Dir diese Schutzecke selbst geben - die Rente würdest Du vermutlich weitergewährt bekommen, weil die Ärzte sehen können, dass Du nicht grundlos zuhause sitzt. Du musst also lernen, Dir diesen Schutzraum, der Dir im Aussen geboten wird, anzunehmen.

    Du hast in Deinem letzten Post das hier geschrieben: Ich sags euch, weil es ein täglicher Kraftakt ist, mich innerlich nicht wieder abzuschalten und das tun was andere von mir wollen, damit es IHNEN besser geht.

    Du liebe Regenfrau hast mehr als genug ARBEIT - Du arbeitest an Dir, an Deiner Heilung und daran, dass Du weiter wachsen kannst. Das ist mehr als "nur" Arbeit - das ist härter als irgendein 9-5-Job.

    Ich kann Dir gerade wirklich gut nachfühlen, wei ich das alles selbest durch hab und auch teilweise immer mal wieder ansatzweise da durch muss. Und ich merke, dass die Heilung und das Gefühl gesünder zu werden stabiler wird, je mehr ich bereit bin zu akzeptieren, dass das was ich hier tue (und Du auch) bereits harte Arbeit ist. Oder kennst Du jemanden, der täglich zwei Ganz-Tages-Jobs ausfüllt? Das kriegt niemand hin - und schon gar nicht, wenn der eine Job so intensiv und Kräftezehrend ist wie die Therapie von Traumata.

    Ich wünsche Dir, dass es sich bald wieder beruhigt und Du die für Dich beste Entscheidung triffst.

    Liebe Grüsse
    Maja

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    1. Danke liebe Maja für Deine sanften Worte.
      Arbeit ist ein riesen Fass bei mir, allein dafür bräucht ich nochmal 2 Jahre Thera...
      Es ist schwer einzuschätzen, ob ich nicht doch langsam mal...oder nicht...
      stimmiger fühlt sich für mich ein ganz normaler Minijob an, ohne diese Wiedereingliederungsmaßnahme, da wiederum taucht die Stimme auf, dass das ja nix für die Zukunft ist, weil ich ja nun fast nur so Helferjobs bekommen werde (wenn überhaupt), ach da komm ich vom Stöckchen in den Regenwald.
      Ich merke auch, um gesünder zu werden, "muss" etwas mehr im Außen her, sonst vergrabe ich mich zu sehr zuhause, was die Angst wiederum nährt...
      Und JA es sind natürlich viele jüngere Teile sofort zur Stelle, kindliche Angst und jugendliche Rebellion an erster Stelle.
      Ich fühle hin und schaue was so gehen könnte...
      Liebe Grüße! :-)

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  2. Liebe Regenfrau,

    zum Thema Entscheidungen: solange du zögerst und nicht mit vollem Herzen ja sagen kannst ist es noch nicht der richtige Zeitpunkt! Prokrastinieren hat einen Zweck, es ist ein Schutzmechanismus unserer Seele, höheres Selbst (die den Überblick haben), nenne es wie Du willst, der Dir zeigt, dass etwas noch nicht reift ist (in diesem Fall eine Entscheidung).

    Reife Früchte fallen von selbst vom Baum! du musst sie nicht abreissen mit aller Gewalt! überleg mal, nur son ein Gedanke, eine Metapher....

    alles Liebe!

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    1. Hallo liebe Sinisia, da weiß ich eben nicht: is es noch nicht reif oder habe ich zuviel Angst? Sollte ich nicht mal langsam an dieser Angst arbeiten...
      manchmal hab ich auch keinen Bock morgens zu radeln und dann überwind ich mich, spring ins kalte Wasser und nach den ersten 100m find ich das super.
      Könnte das so nicht auch bei der Arbeit sein, dass ich die erste Hürde nehmen muss...?!?
      Das ist meine Frage und die werd auch nur ich mir selbst beantworten können...blöd irgendwie ;-/

      Liebe Grüße

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    2. Liebe Regenfrau,

      vielleicht ist es irgendwann einmal dran, dich dem Thema zu stellen:
      'Arbeit', 'Angst', 'deine kindlichen Anteile', 'vielleicht die erste Hürde nehmen müssen?' - und du als Erwachsene mittendrin!

      Aber auch dieses sich dem Thema stellen braucht den richtigen Zeitpunkt, brauch die "reife Frucht", über welche Sinisia schrieb.

      L.G. Tao

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    3. Hallo Tao,
      danke auch für Deinen Kommentar...
      wir sind in der Therapie immer wieder dran an diesem Thema, aber es erscheint wie eine riesige Blockade.
      Mal sehen was das so wird ;-)
      LG

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  3. Grundsätzlich glaube ich, dass du das richtige machen wirst. Ich versteh deine Angst, Panik, den enormen Erwartungsdruck.
    Ich schliese mich Sinisia an.

    LG
    ganga

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    1. Danke liebe ganga für Deine Zuversicht! :-)
      Den Druck mach eigentlich ich mir selbst...
      Und die Option Rente UND Arbeit gibts ja auch, dann wär ich vom Sozialamt weg.
      der Weg entsteht, in dem man ihn geht?
      Ich schulter mal meinen Rucksack ;-)
      LG

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