Donnerstag, 18. April 2013

Soll nicht sein?

In der Esoterikszene bzw. auch in den 12-Schritte-Gruppen heißt es oft: "Dann soll es nicht so sein" oder: "dann hat die höhere Macht was anderes für dich vor."
Ich muss(te) oft bei diesen Aussagen meine Stirn in Falten werfen.
Das klang nach einer ach so perfekten Ausrede:
Aus dem Job geflogen? "Na, dann war's wohl nicht der richtige."
Ein Typ versetzt dich? Siehe oben.
Prüfung vergeigt? "Na, soll wohl nicht sein."
S-Bahn verpasst: "Na, wer weiß wozu das noch gut ist."
Ich merke, da kommt Wut in mir hoch. So klangen auch all die Vertröstungen von früher "is ja nicht so schlimm, biste Oma bist"...usw

So. Ich gestern: Räume das neue Regal ein. Dazu musste ich kurz mein Telefon umstecken, um dem Kabelsalat in den Griff zu bekommen. Als ich es wieder anschließe zeigt es: Ein neuer Anruf.
Ich klicke auf Datum/Uhrzeit: 7.April 10:30.
An diesem Tag wurde mir dieser Anruf NICHT gezeigt.
Und wer war das?
Das Frauchen vom Hund, sie wollte mir da sagen, dass sie in 2 Stunden zum Tierdoc fahren, um den Hund einschläfern zu lassen.
Ich hätte mich also noch verabschieden können.
Ich glaubte ihr ja nicht, als sie erwähnte, dass sie mich nicht erreicht habe.

Die letzten 10 Tage lamentierte ich innerlich:
Hatt wohl so sein sollen. Wer weiß wozu das gut war. Zum Schluß wär ich noch zum Tierdoc mitgefahren, was mich erst recht verstört hätte, hat schon alles so seine Richtigkeit. Jetzt ist eh vorbei, die Zeit kannste nicht zurück drehen, hast dich ja verabschiedet, wußtest nur nicht, dass es für immer ist, hast ihn so wenigstens gesund und munter in Erinnerung....
Wahnsinn, was sich der Verstand alles zusammenreimt!

Und da merkte ich: Solche Aussagen sind auch super, um die Wut und den Schmerz nicht fühlen zu müssen!
Ich bin, verdammt nochmal saugrantig auf dieses Scheißtelefon, das schon öfters Nachrichten verschluckt hat!!! Himmelarschundzwirn!!!

Ich mag jetzt diese oben genannten Sätze nicht grundsätzlich verteufeln. Es hilft manchmal auch wirklich, um sich wegen unnötigem Blödsinn nicht aufzuregen und seine Nerven zu schonen.
Ich mag nur genauer hinschauen, wann ich meine Gefühle damit unterdrücke und wann es auch mal gut ist, gelassener zu sein.

Und sonst so, zum 1.:
Wer sagt, dass Äußerlichkeiten nicht glücklich machen?
Mich macht mein neues Handy glücklich. Ich bin ja die Fraktion: Egal welches Modell, hauptsache ich kann man telefonieren/simsen.
Jetzt hab auch ich Musik und ne Kamera im Handy :-)
Wenn ich es nun noch öfter mitnehmen würde, hätte ich Euch den heutigen Sonnenaufgang bei der Hochzeit zeigen können.
Der war verschleiert, aber richtig schön.

Und sonst zum 2.:
Gestern mal wieder einen High-Energy-Tag gehabt.
Da geh ich ab wie Lucy: kein Mittagsschlaf, irgendwie gar keine Pause und mal wieder 6 Stunden am werkeln, fast schon zwanghaft.
Inklusive manischem abtanzen zu einem '98er Bailando-Summer-Mix.
Anscheinend kann ich es nicht anders.
Heute bin ich dafür wieder tot.

Wer auch abtanzen mag: war zwar ein anderer, aber hört sich ja eh alles ähnlich an.

http://youtu.be/0oi3BufF_Y4

Kommentare:

  1. hallo regenfrau!

    da bin ich manchmal unentschieden zwischen mich aufregen und etwas hineindeuten …

    wenn allerdings dinge in serie nicht klappen, man sich dauernd missversteht oder ähnliches – werde ich hellhörig und versuche, die ursache zu finden oder den sinn zu verstehen.

    es gibt auch so tage an denen die technik nicht funktioniert wie sonst.

    da ist manchmal wirklich was dahinter. manchmal ahne ich auch, dass etwas nicht klappen wird; was dann meistens auch so ist. was mich nicht immer davon abhält, es trotzdem zu tun ;)

    und: ich will nicht mehr so viel zeit mit interpretieren solcher fälle verbringen, das hab ich mir vorgenommen!

    lg anne

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    1. Huhu anne,
      da kann ich Dir nur gratulieren zu Deinem Beschluß. Kannst ja die Zeit auch viel spaßiger mit/ in Deiner Wasserwelt verbringen :-)
      Im Meditationsbuch *kraft zum Loslassen* gibt es dazu auch ein Kapitel und die Autorin schreibt da auch ganz locker: manchmal geht eben die Waschmaschine kaputt, der Partner ist zickig und das Geld geht aus. Es gibt solche Tage, ohne dass ein Sinn/zeichen dahinter stehen muss, manchmal hat all das noch nicht mal etwas mit uns zu tun! Machen Sie weiter, entspannen sie sich, es kommen wieder bessere Tage...
      Da muss ich immer schmunzeln, wenn ich das lese :-)

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  2. Liebe Regenfrau,

    Deine Wut kann ich verstehen und diese von Dir aufgezählten Sätze... Tja, da hab ich gelernt, dass die einerseits einen wahren Kern beinhalten, leider aber gerade Esoteriker (und viele andere auch) genau das damit tun, was Du hier beschreibst: Die Gefühle wegdrücken und dann so tun, als ob wenn eine höhere Macht es halt nicht will und man muss sich ja ergeben. Ist eine "prima" Abwehrtechnik um die eigenen Gefühle nicht ernstzunehmen bzw. wahrzunehmen. Leider schauen viele Menschen nicht hin, wo der Unterschied liegt und ich finde es von daher super, dass Du da genauer hinschauen willst - von mir mal wieder "alle Daumen hoch" :-)

    Liebe Grüsse
    Maja

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    1. Danke liebe Maja,
      ich bin froh, wenn ich mich selber in solchen Sachen erwische und mich traue genau hinzuschauen. Sind ja auch nicht so schöne Sachen/Seiten die da auch mal zum Vorschein kommen.
      Das regt mich in so Kreisen oder damals in der Klinik immer so auf: dieses weichgespülte Gelaber und wehe du haust mal auf den tisch..da kommt sofort die Interpretation und Beruhigung. Zum ko****.
      Bei einer Freundin muss ich mich da immer zusammenreißen, was die ihre höhere Macht für alles verantwortlich macht! Irre.
      Ein Kumpl meinte dazu mal: Wenn ich bei jedem Problem *soll wohl nicht sein* sagen würde, wäre ich arbeitslos.
      Es ist seine Aufgabe Fehler und Probleme zu finden und aufzuheben :-)
      Gute Zeit!

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    2. Regenfrau, ich kann Dir nur vollauf zustimmen. Du schreibst mir grad aus der Seele - so seh ich es auch. Dieses ständig "beruhigt werden", weil die anderen nämlich diejenigen sind, die dann mit den Gefühlen ihres Gegenübers nicht umgehen können - DAS hat mich auch immer aufgeregt! Ich war in Reha und da hat man die Leute alle mit zig Tabletten ruhiggestellt, wenn sie nur mal etwas tiefer in ihre Gefühle eingestiegen sind. Das Schlagwort war "Selbststeuerung" - das ist auch ok, aber nicht, wenn man sich so sehr steuert, dass man gar nicht mehr an die Gefühle rankommt und nur noch rein rational funktioniert. Und die Gefühle sollte man dann rauslassen, wenn man sie gar nicht fühlt - weil man dann nicht so tief einsteigt. Ich hab nur den Kopf geschüttelt - kein Wunder, dass die Leute dort jedes Jahr dorthin zurückkehrten, weil sie nicht gesund wurden. Ab einem bestimmten Punkt muss man einfach tiefer einsteigen, sonst krebst man ewig an der Oberfläche rum und lässt sich beruhigen bis zum Erbrechen.

      Liebe Grüsse
      Maja

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    3. Also Maja, natürlich muss man die Gefühle dann rauslassen, wenn man sie nicht mehr fühlt. Immerhin gibts in der Therapie einen Stundenplan und wenn da steht: Essen, dann kannst du nicht mit Gefühlen bearbeiten daher kommen....sorry ich muss da grad so ironisch werden, weil mich diese angebliche *Hilfestellungen* so sehr nerven und manchmal mehr kaputt machen
      Ich kenn ja auch die Drehtürpatienten.
      Auch nett:
      http://www.identitaetskritik.de/anekdoten-aus-der-psychiatrie-freundlichsein-und-baume-knutschen/#more-443
      ich verteufel das alles nicht, mir hat die Klinik und auch die Gruppen was gebracht, es gibt aber eben auch ein ABER. Wie überall. Nix is nur gut oder nur böse. Außer im Märchen :-)

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  3. Die 12-Schritte-Programme selbst beinhalten diese Sprüche nicht. Wohl aber eine Kapitulation vor einer "höheren Macht", was ja der Realität der meisten Süchtigen entspricht, wenn sie in den Gruppen ankommen. Im Fall Alkoholsucht ist es der Alkohol, gegenüber dem die Machtlosigkeit (=Unfähigkeit, damit schadensarm umzugehen) eingestanden werden muss, bevor eine Veränderung möglich ist: nämlich gar nicht mehr zu trinken.

    Im weiteren geht es dann darum, "die geistige Gesundheit wieder zu gewinnen". Das funktioniert für die meisten Süchtigen nicht, wenn sie an alten Denkweisen festhalten: etwas, dass alles nach Wunsch zu funktionieren hat und wenn nicht, man selber oder andere Schuld haben - womit dann ein emotionales Hineinsteigern verbunden ist, das die Gefahr, erneut zum Suchtmittel zu greifen, mit sich bringt.

    DESHALB wird in diesen Kontexten "Gelassenheit geübt" - um eben NICHT emotional auszurasten, bzw. sich an nicht-mehr-änderbaren Fakten aufzureiben.

    In diesem Kontext sind solche Sprüche für die jeweiligen Individuen also äußerst sinnvoll. Wenn das FÜR DICH nicht oder nicht mehr der Fall ist, dann ist es ja ok - aber kein Grund, den anderen ihre "Nutzung der höheren Macht" madig zu machen.

    (Schade, dass du die Kommentier-Möglichkeit Name/URL nicht frei geschaltet hast. Ich bin jetzt schon zweimal gescheitert beim Abschicken mittels Google oder Wordpress - zudem ist es doch toll, die Blogs der Anderen besuchen zu können...)

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  4. Hallo Claudia,
    stimmt ich hab auch nicht geschrieben, dass das in den Schriften steht, sondern dass ich das in den Gruppen hörte.

    Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann ist eine kluge Einstellung und für mich auch wünschenswert/erstrebenswert.
    Aber oft sind da erstmal (!) andere Gefühle, die gesehen werden wollen.
    Und da passierte es mir oft in den 12-Schritte-Gruppen (und ich war in vielen unterschiedlichen, auch über lange Zeit), dass diese sofort zugedeckelt wurden.
    Mit eben diesen Sprüchen. DAS macht mich wütend.

    Ich verstehe schon wie das gemeint ist mit den sich-nicht-hineinsteigern und irgendwann auch mal gut sein zu lassen.
    Die unangenehmen Gefühle auch mal da sein zu lassen, das kann schnell unangenehm werden, will man nicht haben, muss rational angegangen werden...das störte mich.

    Ich schreibe in diesem Blog von mir, meinen Erlebnissen, Ansichten, Einstellungen ect. und will keinem etwas madig machen. Die Verantwortung liegt bei jedem selbst, was er sich madig machen lässt!

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