Dienstag, 2. April 2013

Ruhige Klarheit

Letztens sah ich auf einer Kunstaustellung eine Videoanimation:
Die Künstlerin hatte ein Video aufgenommen, in dem sie mit immer wieder verändertem Hintergrund über ihre Familie erzählte.
(Die anscheinend ganz wunderbar war, denn sie wurde in höchsten Tönen gelobt).


Jetzt ließ sie dieses Video auf 4 Fernseher gleichzeitig laufen, aber zeitversetzt.
Man konnte sich also in die Mitte des  kleinen Raumes stellen und sich von allen Seiten mit Wortfetzen wie „Vater, Mutter, 8 Geschwister, Garten, Fest, Familie“ beschallen lassen.
Völlig verwirrend, noch dazu extrem triggernd für mich.
Ich sah mir das eine Minute von der Tür aus an und flüchtete.


Genauso fühlte ich mich oft im Kontakt mit der Familie: Verwirrt, überall Meinungen, Stimmen, Vorschriften wie ich zu sein hätte und wie nicht, was ich zu fühlen, denken, tun habe...
wie kann man in so einem Chaos seine eigenen Gefühle spüren? Genau: Gar nicht.


Und vielleicht ist es in der Familie der Künstlerin ähnlich.
Und vielleicht kann/darf sie es aber noch nicht spüren.
Und macht es über einen Umweg, nämlich über die Kunst.
(vielleicht hat ihr Unterbewußtsein ihr diese Idee der Installation geschickt. Ist auch egal.)

Denn nichts anderes haben Kafka, Nietzsche, Tschechow, Virginia Woolf und viele andere Künstler getan.

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