Montag, 29. April 2013

Innere Anteile


Wie oft saß ich schon heulend vor meiner Therapeutin und schluchzte: "Vom Kopf her ist mir das schon klar, aber...es geht nicht/ich krieg's nicht hin."
Und sie dann auch nicht mehr groß was sagte.

Gestern las ich einen Austausch in einem Forum über innere Anteile:
vor allem was dieser *noch ein Gast* schreibt, ließ mir gestern die Augen aufgehen! Absolut lesenswert! Er beschreibt sehr verständlich was es mit diesen Zuständen auf sich hat, dass PTBS eigentlich eine neurologische Krankheit ist, weil das traumatisierte Gehirn einem ständig das aufgebaute wieder umschmeißen lässt, er beschreibt warum diese esoterische Innere-Kind-Arbeit für Traumatisierte oft schädlicher ist, als gedacht usw. Es ist sehr lang, aber gerade die ersten beiden Seiten lohnen sich!!!.

Oder meine Thera sprach den Erwachsenenteil an, um diesen zu aktivieren,  der aber gerade weg war und ich somit meine Eltern vor mir hatte, die mal wieder total rational/barsch/ungeduldig auf meine Ängste/Befürchtungen/Schmerzen reagierten. Was mich noch tiefer in den kindlichen Teil brachte und ich noch mehr Panik, Schmerz ect. hatte.
Das muss ich ihr natürlich unbedingt sagen.
Denn mir wurde gestern so klar, dass diese Teile abgespaltener sind, als ich dachte.

Wenn ich vom inneren Kind spreche, meine ich nicht das esoterische Geseier von Bilderbuch gucken und mit dem Teddy im Arm einschlafen. Genau das hat mich erst recht weiter in diese Zustände getrieben!
Ich spreche von den zum Teil abgespaltenen inneren Anteilen, die aber nicht so abgespalten sind, dass ich es nicht mehr mitkriege wie das bei der DIS (Dissoziative Identitätsstörung) der Fall ist, ich kriege das schon noch mit, kann aber noch (!) nicht wirklich was dagegen tun.

Ich hing 2006 komplett über Wochen in einem jugendlichen Teil fest. Der schiß sich nix als er schwarz mit der Bahn fuhr, dabei erwischt wurde, die Polizei gerufen wurde (da ich vorgab keinen Ausweis zu haben, ich dachte wirklich das es funktioniert!), ich die Bahnbeamten und Polizisten (4 Mann) anmotzte, anlog, frech wurde, verstummte... diese mich irgendwann im Streifenwagen heimfuhren und ich eine Anzeige mit Geldstrafe bekam.

Der schiß sich auch nix, sich einen älteren Mann (Vaterersatz!!) zu suchen, der viel Geld hatte und mit dem ins Ausland abzuhauen. Natürlich sagte ich keinem Bescheid, kümmerte  mich auch nicht um die Wohnung usw. Als ich wieder hier landete, war der Schrecken groß: Kein Geld, Zwangsräumung der Wohnung.

Was ich bis jetzt erkennen konnte ist also ein Jugendlicher Teil da, den ich eben an der Vorliebe für Reggaemusik, Batiksachen, Arbeit-ist-scheiße-Parolen, Tatoos, Piercing ect. erkenne und einen sehr sehr kleinen Kindteil der ein ganz bestimmtes weinen hat und keine Sprache findet/hat. Der vor allem bei Ärzten/Streß aktiv ist.

Im Moment merke ich, dass ich wieder vermehrt, aber nur teilweise "woanders" hänge. Also ich rutsche nicht komplett ins Kind (wie beim Date) sondern es ist ein Teil Kind, Jugendliche und sehr wenig Erwachsene da.
Erkenn ich daran, dass ich ewig im Schlafanzug vorm PC hänge, kaum mehr raus gehe, auch die Kaufsucht (haben will!) ist darunter zu verbuchen und mir im Außen wieder irgendwelche Papa's suche (siehe Date).
Jetzt heißt es sanft (damit diese Anteile mitmachen und zumindest ein wenig kooperieren) gegensteuern.
Wir haben noch gute 20 Stunden in der Therapie, da aber die Krankenkasse schon angekündigt hat, es könnte evt. ja nochmal verlängert werden, da ich unter "Härtefall" laufe, wären es wahrscheinlich nochmal 20 Std. Diese Zeit möchte ich intensiv an und mit diesen Anteilen arbeiten. Es geht darum, den erwachsenen-Teil zu stärken, denn meine inneren Kinder/Jugendliche muss ich nicht mehr suchen, die sind schon da. Und wie! Segmente aus der Ego-State-Therapie kenn ich schon und habe da immer extrem gut drauf reagiert.
Denn ich glaube z.B. auch, dass daher die immense Müdigkeit kommt. Dass diese eben nicht erwachsen ist, sondern ein Hilfeschrei (?) oder einfach durch's aktiviert sein, eines kleineren Kindes.
Ich frage mich auch, ob die Hochsensibilität eigentlich nicht genau das ist: Ein innerer, abgespaltener Teil. Denn all das ist die Hochsensibilität eigentlich, wenn man sich mal all die Merkmale genauer anschaut: Der Zustand eines kleinen Kindes.
Ein Lichtblick...

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,

    wie schön, dass Du einen Lichtblick für Dich gefunden hast!

    Was dieser Gast in dem Forum schreibt, ist mir auch bekannt, allerdings ist das etwas, was bei mir nach viel Aufarbeitung sozusagen automatisch passierte. Es war ein Moment, als ich spürte, dass ich sozusagen "innere Eltern" habe, die die Führung übernahmen und diese ganzen inneren Kinder mit ihren Nöten und Problemen zu versorgen begannen und ihnen Stück für Stück beibringen zu dem Erwachsenen zu werden, der ich im Aussen ja auch schon bin.

    Es ist immer wieder eine spannende Reise, allerdings muss ich auch sagen, dass "Innere-Kind-Arbeit" eben individuell ist und was dem einen gut tut und hilft, kann für den anderen völlig falsch sein. Deshalb halte ich nichts davon, irgendwas automatisch zu verteufeln, weil es einem selbst nicht geholfen hat. Was viele Therapeuten halt leider nicht können ist, einen da abzuholen, wo man grade steht. Meine Therapeutin hat mich z.B. wenn ich sagte "Ich sehe es vom Kopf her, aber ich kann es nicht verinnerlichen/fühlen" immer darauf hingewiesen, dass ich erwachsen bin und dem "Kind" geben kann, was es lautstark einfordert. Manchmal hat sie mir aber auch Mut gemacht, mir einfach mal ein Spielzeug zu kaufen, das es z.B. in meiner Kindheit nicht gab und das "meine Kleine" unbedingt haben wollte. Sie konnte da sehr gut differenzieren, wann das eine und wann das andere angebracht war.

    Dir wünsche ich, dass Du vorallem auch im Hinblick auf Deine Erschöpfung da weiterkommst und die Knoten sich jetzt weiter lösen.

    Liebe Grüsse
    Maja

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  2. Hallo Maja!
    Ja völlig neu ist mir diese Arbeit auch nicht, ich habe das schon vor gut 5 Jahren angefangen und bin auch schon definitiv weiter.
    Nur: Viele Menschen sind so in ihrer Kindrolle und wenn dann noch jemand kommt und sagt: nimm mal nen Teddy ect. wird es darin noch mehr verstärkt, wird noch regressiver, noch mehr alltagsuntauglich. Wie ich bei mir gemerkt habe.
    Das erwachsenen-ich muss da mehr gestärkt werden und das erkennen viele Therapeuten nicht. Genau die fehlende Differenz.
    Ich habe es ja nicht grundsätzlich verteufelt, ich hab mir vorletzte Weihnachten auch nur meine Lieblingsplätzchen gebacken, das hab ich mir als Kind immer so gewünscht, nur Kokosmakronen und Doppeldecker und Lebkuchen. Klar tat das auch gut. Es geht ja um Ausgewogenheit.
    Wie ich meine ErwachsenenSeite stärken kann, erkunde ich gerade und merke: wenn ich in der Erwachsenen voll drin bin, bin ich ruhig, gelassen, voll bei mir, habe null Unsicherheit und Angst (wie Du es auch geschrieben hast).
    Schönen Tag!

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