Sonntag, 7. April 2013

Iiiihhh Gefühle!

Ich könnte Jahre durch schlafen.
Habe ich das Gefühl.
Wäre ich dann mal wieder einigermaßen fit?
Heute wollte ich mal nix machen, obwohl so viel in der Wohnung herum liegt, was getan werden müsste.
Stattdessen wanderte ich von der Couch ins Bett und zurück.
Nein, dazwischen noch in die Küche.
Ich könnte auch Jahre durch essen.
Habe ich das Gefühl.

Aber in mir treibt die Unruhe.
Also male ich zumindest die zwei Dekoblumen fertig.
Das allein erschöpft mich schon wieder so sehr, dass ich weitere 1,5 Std. tief schlafe.

Ich merke, dass all der Aktionismus mit der Wohnung, sie teilweise neu einzurichten und neu zu dekorieren, nur eine Abwehrstrategie ist. Gegen die Depression.
Sie soll mich nicht noch weiter umklammern.
Dann bekomm ich doch keine Luft mehr.
Also tue ich und werkel und kaufe und schicke wieder zurück.
Ich vertraue dem Leben noch nicht, dass es mich auffängt, wenn ich mich auch mal hingebe.
Gestern noch wollte ich das mal versuchen: Mich dem Leben anvertrauen und dem Fluß hingeben und nicht immer nach meinen starren Verhaltensweisen leben.
Aber wie das so ist: Wenn es ernst wird...

Ich meinte ja immer, dass mir all das hilft:
Das mich selbst erkennen.
Wissen wie ich ticke und warum.
Aber selbst das kann man (ich!) als Abwehrstrategie verwenden:


 In den Zeiten des Auf und Ab kamen viele Erkenntnisse, die mich vorübergehend von dem zu fühlenden Schmerz erlösten. Und jedes Mal dachte ich: "So, jetzt bin ich aber durch." Weit gefehlt. Wenn auch diese Erkenntnisse zu dieser Zeit von gefühlter Wichtigkeit waren, ist mir jetzt jedoch klar, dass sie lediglich sehr subtile mentale Strategien waren, um den Schmerz nicht mehr  fühlen zu müssen, um eine kurze Auszeit zu haben. Der Widerstand gegen den Schmerz in mir veranlasste mich, nach Erkenntnissen zu suchen, denn ich dachte, dass diese Erkenntnisse die Erlösung bringen würden. Doch gerade damit verursachte ich das Auf und Ab, denn jede Erkenntnis brachte Licht ins Dunkel und damit weitere Schatten hervor. Natürlich suchte ich mir das nicht aus. Es war einfach der Ablauf. Irgendwann wurde meine Haltung diesen Erkenntnissen gegenüber eher skeptisch, denn jede Hochstimmung, diese Erkenntnisse begleitend, war ein Zeichen für den bald darauf folgenden Abgrund. Der Ausgleich musste zwangsläufig stattfinden. Mir war jetzt klar: Das Suchen nach Erkenntnis verhindert das Fühlen und zeigt uns unsere Widerstände gegen das, was ist, und doch gehören die Erkenntnisse und Einsichten zu dem Weg und haben ihren Platz.

Hier gefunden:

 http://www.sein.de/archiv/2012/oktober-2012/die-dunkle-nacht-der-seele-und-der-weg-in-die-hingabe.html

Wenn ich all die Psychologiebücher, Artikel ect. lese
und mit der Therapeutin rede,
bleibe ich immer im Kopf.
Schön weit weg vom Fühlen!

Und eine Depression ist nix anderes als perfektioniertes nicht-fühlen.
Die Gefühle lassen sich da auch nicht mit leckeren rosa Pillen hinterm Ofen hervor locken.
Aber die Depressio macht mir noch gar nicht so sehr zu schaffen,
sondern die Erschöpfung.

Kann es sein, dass das Gefühle weg drücken mich so sehr erschöpft?
Selbst wenn es so wäre...es ist doch nur wieder eine Kopferkenntnis.

Ich bin dann mal weg....
bin fühlen gehen!

Kommentare:

  1. "Kopferkenntnis" - das Wort fühlt sich grad für mich stimmig an. Ja, es gibt diese "Kopferkenntnisse" - allerdings habe ich es so kennengelernt, dass zuerst die Kopferkenntnisse da waren und dieses "Auf und ab" wenn das Licht neuen Schatten zutage fördert, hab ich auch kennengelernt. Allerdings kann ich da nur sagen, dass man einfach weitergehen muss. Man darf dann nicht stehen bleiben und wie im Text oben beschrieben misstrauig den Erkenntnissen gegenüber werden sondern man muss sehen lernen, dass der Weg ins Gefühl nur über die Erkenntnis geht und dass diese "Ups and downs" dazugehören. Solange Schatten da ist, solange wird er stückweise zu Tage befördert - aber irgendwann wird man auch stabiler. Bei mir jedenfalls läuft das so und ich bin durch viele dunkle Täler gegangen und hab auch oft gezweifelt, ob das alles so richtig ist. Ich glaube auch, dass das mit dem Fühlen nur schrittchenweise geht - wenn ich einige Dinge, die ich irgendwann fühlen konnte, ein Jahr zuvor schon gefühlt hätte, wäre ich damit nicht fertig geworden. Da gehört Vertrauen zu, dass das Leben/die Natur und nicht zuletzt der eigene Körper/Seele/Psyche genau wissen, was jetzt gut für einen ist.

    Es dauert halt seine Zeit und die Abwehrmechanismen zeigen sich dann am heftigsten, wenn man nahe dran ist an der Lösung ;-)

    In diesem Sinne wünsche ich Dir Frohes Fühlen!

    Lg
    Maja

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  2. Man kann sich halt durch theoretische Wissenschaften super vom fühlen ablenken, darum ging es und in die Falle tapp ich eben auch immer wieder.
    Ja und auf der anderen Seite, weiß ich auch dass das ein Schutz war/sein kann, weil das fühlen vielleicht mehr kaputt gemacht hätte.
    ABER: ich weiß'inzwischen auch wann ich *flüchte* und kann mich selber immer weniger bescheißen.
    Wenn ich sage: Ja nu...*schulterzuck* dann hab ich halt nochmal flüchten müssen, is so und jetzt ist gut, es geht weiter....geht es viel leichter, als wenn ich mir selbr noch mehr Druck mache: Du darfst nie mehr dir selber ausweichen usw.
    Im Moment lese ich ganz bewußt neben den Psycho-Sachen (weiter über coabhängigkeit) ein Buch mit ganz einfachen Kurzgeschichten aus dem Leben.
    Etwas wehre ich mich noch weil ja *völlig unsinnig, bringt mir ja nix* usw.
    Doch bringt was, gestern nach dem lesen konnt ich wunderbar einschlafen ;)
    LG!

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