Samstag, 20. April 2013

Der Rest deines Lebens beginnt JETZT

Ich lass mich heut durch diesen Tag treiben.
Diesem naß-kalten Samstag.
Ich mach mal dies und mal das und übe mich in heiterer Gelassenheit.
Dazu hilft mir ein Buch von der sagenhaften Luisa Francia.
Es ist jetzt mein 5. oder 6. Buch das ich von ihr lese und jedes war zauberhaft!

Diese bayrische Frau die selber denkt, ihre eigenen Werte festlegt, sich nix sagen lässt, manchmal frech, manchmal derb, meist aber eben heiter gelassen durchs Leben schreitet.
Die einen goldenen Humor besitzt und seit vielen Jahren in der Frauenbewegung aktiv ist.
Klappentext:
Dieses Buch will Gewohntes auf den Kopf stellen, alle Wahrheiten einmal durchschütteln und auch nicht-spirituellen Menschen Lust auf andere Welten machen.
Und das gelingt!
Locker schwebt sie von einem Thema zum nächsten.
Von Gefühlen über Machtstrukturen, bis hin zu Science-fiction-Filmen.
Von Tanz zu Illusionen über die Natur und Politik.

Natürlich darf, wie immer bei ihr, die Magie nicht fehlen.
Die wird herrlich bodenständig mit hineinverwebt und dazu gibt es nach jedem Kapitel eine Anleitung für ein Ritual.

Ihren trockenen Humor zeigt sie u.a. auf S. 114.
Es ging um den lieben Gott und was wir uns da eigentlich einbilden:

Ich glaube dieses riesige Wesen hat mich angesehen,
sagte die Ameise zu ihrer Freundin, als ein Mensch über den Ameisenhaufen stieg.
Deine esoterischen Anwandlungen nerven mich, sagte die Freundin. 

Danach ging ich gestern abend kichernd ins Bett.

Nachtrag:

Heute Nachmittag kramte ich ein altes Tagebuch hervor.
Eines aus der Zeit, in der ich das erste Mal in einer psychosomatischen Klinik war.

In einer Stunde Gruppentherapie meldete ich mich, weil ich an einem Thema arbeiten wollte.
Und zwar die Beziehung zu meiner Schwester. Wie sie mich immer nieder machte und richtig böse wurde, wenn ich etwas nicht tat, was sie von mir verlangte und das ich das Gefühl hätte, mich immer rechtfertigen zu müssen.
Im Grunde wollte ich, nach alter Coabhängigkeits-Tradition, nur wissen, was ich tun müsse, um meine Schwester zu ändern.
Damit sie lieb zu mir ist und mich mein Leben so leben lässt, wie ich es für richtig halte.

Ich stand also in der Mitte des Stuhlkreises (das war da so üblich) und sah erwartungsvoll den Therapeuten an.
Er: "Ich geb Dir einen Satz. Den sagst du dann laut zu jedem Einzelnen hier im Raum. Er lautet:
Ich nehme mich so an wie ich bin und es ist mir egal, was du dazu meinst!
"Nein!" sagte ich, "Du hast mich falsch verstanden."
Ja es wurde sich geduzt.
(ich muss grad so lachen, natürlich hatte er Recht, aber das verstehe ich auch erst heute. 5 Jahre später!)
Er blieb aber ruhig: "Nene, mach mal!"
Ja pffff was blieb mir übrig, 30 Augen starrten mich erwartungsvoll an und der Therapeut schien innerlich gar nicht mehr anwesend zu sein.
Also sah ich dem Ersten in die Augen, holte tief Luft und fing an: Ich nehme mich so an....
Sehr mühsam brachte ich das hervor. Sehr mühsam. Beim fünften Mal brach ich ab und versuchte es noch einmal: "Das ist der falsche Satz!"
Der Therapeut winkte nur ab.
Als ich die Runde endlich durch hatte, teils mit Tränen, teils stotternd, teils mit erstaunlicher Stärke, war ich so froh.
Der Therapeut ganz gelassen: "Mach nochmal ne Runde!"
Ich hab ihn verflucht und innerlich alle Schimpfnamen an den Kopf geworfen.

Ich war damals noch sehr in der Kindrolle.
Es war für mich gefühlt immer noch existenzbedrohend (obwohl schon 10 Jahre nicht mehr zuhause lebend) mich anzunehmen, meine Gefühle zu fühlen und das zu tun was mir gut tat!
Es war ja strikt verboten. Ich musste ja zur Verfügung stehen. Zur Erfüllung der Bedürfnisse der Anderen.

Wie gesagt, heute (damit meine ich diesen Sonntag) kann ich lachend sagen:
Ja ich nehme mich so an wie ich bin, mit all dem Schmerz, meinen Ängsten, meinen Gaben, meinen Meinungen, meinen Wünschen und Bedürfnissen, meiner Wärme und Liebe, meiner Fülle und Traurigkeit. 
Und wenn dir das nicht paßt, ist das dein Problem.
Es ist unglaublich befreiend!

Ich stehe zu mir. Wer tut es sonst?
Komme was da wolle.

Kommentare:

  1. Danke für den Tipp! Da werde ich mal Ausschau nach halten nächstes Mal...

    Liebste sonnige Grüße,
    Louise

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  2. Hallo Louise,
    besonders empfehlen kann ich:
    Die Sprache der Traumzeit.
    Da geht es schon um Magie im Alltag ohne freakig zu werden.
    Und: Die schmutzige Frau.
    Klar es geht um Körperpflege bzw. was sich gerade Frauen so antun, um...ja was? Um endlich zu gefallen?
    Auch sehr erheiternd.
    Viel Spaß

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  3. Ein sehr schöner Eintrag ist das, liebe Regenfrau. Und auch Dein Nachtrag gefällt mir gut - es ist schön, wenn man feststellt, was für Erfolge man verbuchen kann, gell?

    Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende,
    Maja

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  4. Danke, ja manches braucht halt Zeit bis es wirkt bzw. ankommt ;)
    Dir auch noch einen tollen Sonntag!!!

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