Donnerstag, 7. März 2013

I'm nervenschwach

„Raste nie, sonst haste sie / die Neurasthenie“
wußte schon Wilhelm der 2.

Und William E.Dogde ein Geschäftsmann aus New York beklagte sich  1868 öffentlich:
Wie aufreibend die Telegrafie in seinem Alltag sei. Marktberichte würden inzwischen weltweit täglich veröffentlicht, die Kunden müssten ständig per Telegramm informiert werden. Früher habe es wenige große Warenlieferungen im Jahr gegeben, nun müsse man ständig aktiv sein und mit Geschäftspartnern korrespondieren. Früher habe der Kaufmann monatelang seine Ruhe gehabt, heute müsse er schon nach wenigen Wochen über die Liefervorgänge Bescheid wissen: "So wird er in ständiger Aufregung gehalten, ohne Zeit für Ruhe und Erholung."
1887 wurde diese Schrift über die Neurasthenie veröffentlicht:
 http://de.wikisource.org/wiki/Die_Nervenschw%C3%A4che_%28Neurasthenie%29

Ich erkenn mich da absolut wieder.
Ich bin sozusagen die Feder in dieser Welt:
Beim leisesten Lufthauch wirbelt es mich arg umher.
Lärmempfindlich, lichtscheu, schnell gereizt (meine verf*piiiep* Nachbarn!!!), sehr schnell reizüberflutet ect.pp. alles was man auch unter der Hochsensibilität versteht.

Früher verfrachtete man diese Menschen ins Sanatorium in die Berge oder an die See. Ließ sie stundenweise gut eingepackt an der frischen Luft liegen, gab ihnen gutes Essen und noch mehr Ruhe.
Geh heute mal zur Kur:
Da musste von der Gruppentherapie, zum schwimmen, weiter zum QuiGong, dann zum Blutdruck/Gewicht/Urin/Haare wasweißich messen und abends zum bowlen, singen und Karten spielen.
Immer nur machen. Hauptsache was machen.

Ins Sanatorium würd ich sofort gehen.
In die heutige Kur kriegt mich so schnell keiner.
Sagte ich auch meiner Ärztin.
Die hat mir das so vorgeschlagen heut.

Vielleicht sollte ich endlich mal mein ganz persönliches Nervenschonprogramm aufstellen.
Genau aus dem Grund hatte ich ja eigentlich vor x Jahren meinen Fernseher hinausgeschmissen und aus genau diesem Grund wollte ich nie den Führerschein machen...vielzuviele Reize auf einmal.
Jetzt hock ich ewig vorm PC.

Aber wenn es immer so viele interessante Dinge gibt...und Auto fahren macht ja auch Spaß...und überhaupt....

Kommentare:

  1. Du schreibst mir aus der Seele :)

    Und der Unterschied zum "jetzt hock ich ewig vorm PC" ist für mich, dass Du da selbst entscheiden und wählen kannst, wie oft und wie lange Du vor der Kiste hocken willst. Wenn man in der heutigen Arbeitswelt eingespannt ist, dann kann man nicht mehr nach dem eigenen Rhytmus leben sondern muss sich ständig nach äusseren Impulsen richten. Natürlich macht das krank und psychische Krankheiten sind nicht umsonst so stark auf dem Vormarsch! Und ich finds auch furchtbar, wenn man in der Kur von einem Termin zum nächsten hetzt und keine Sau - und schon gar kein Therapeut - kapiert, dass das einzige, was wirklich hilft ist, wenn man endlich wieder im eigenen Rhytmus leben kann. Das ist aber in dieser Welt nicht so gern gesehen, wir sollen halt alle funktionieren wie die Maschinen, damit wir Geld verdienen. Es geht immer nur um die Kohle - Menschlichkeit adè.

    Ich bin heut total kribbelig und sortiere gerade meine ganzen Papiere und hab Hummeln im Hintern, aber keine Lust rauszugehen. Auch keine schöne Mischung - es ist aber auch verdammt schwer, wenn man immer im Rhytmus anderer Leute funktionieren musste, diesen inneren Druck abzustellen und Ruhe einzuhalten. Aber zwischendurch gelingt es mir dann GsD doch :)

    Liebe Grüsse
    Maja

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    1. Ach liebe Maja, da hast Du jetzt was wahres gesagt, was mir wirklich sehr hilft, öfter mal die Kiste auszulassen! Ich darf und kann. Keiner zwingt mich dazu. Genausowenig wie mich irgendein Chef zum einkaufen hetzt. Das bin ich.
      Ich finds verdammt schwer, mit dieser *Gabe* heutzutage zu leben. Ich bin für die Wiedereinführung von Pferdekutschen und Rauchzeichen. So :-)
      LG

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  2. Hi Regenfrau,

    ach, wäre es schön wenn es son Mittelding gäbe, den goldenen Schnitt eben, zwischen nur funktionieren und dem eigenen Rythmus, einfach beides eben im richtigen Maß, das zu finden und vorallem für sich selbst herauszufinden und dann auch ZU LEBEN, halte ich für die grrößte Herausforderung überhaupt heutzutage....

    denn entweder man arbeitet und funktioniert oder man ist daheim ohne Job und hat den eigenen Rythmus, aber das dauerend Nichtstun und vorallem die gähnende Leere im Geldbörsel wirkt sich dann auch mal lähmend aus....verdammt XD

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    1. Huhu Sinisia, wie heißt das heutzutage: Work-Life-Balance? ;-)
      Ja die muss jeder für sich finden, sonst wird er krank.
      Ich komm mit dem wenigen Geld eigentlich gut klar und langweilig wird mir auch selten...
      wenn ich nur mal eher auf mich hören würde....hmmhmmm...
      und wieder zurück auf START.. ;)
      Schönes Wochenende!

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