Mittwoch, 20. März 2013

Ich glaub ich hock im Turm

Depressionen bekommen die aus den kaputten Familien.
Burn-out bekommen die Superhelden, die Manager und die Workaholics.
Depressionen sind scheiße.
Burn-out ist in.

Mir war mal wieder nach einer ähnlichen Leidensgeschichte. Aber ich hab die Schnauze voll von kranken Familien. Also schnappte ich mir das Buch einer Burn-out-Erkrankten. Einer die 15 Jahre um die Welt flog, arbeitete, schrieb, tat und werkelte. Bis die Luft draußen war.
Aber selbst das ließ sich noch verarbeiten und heraus kam ein Buch:
Brief an mein Leben:

Es ist egal, wo ich bin, wer bei mir ist, was um mich herum geschieht. Es hat alles keine Bedeutung für mich. Ich bin alleine mit mir, in mir und in der Welt. Manchmal habe ich mir gewünscht, das wäre anders, aber das war irgendwann auch vorbei. Ich nutze meine Augen nur, um die Welt im Blick zu behalten, damit sie mich nicht stört, nicht in mich eindringt. Ich will sie dort halten, wo sie ist. Draußen.
Es liest sich gut und sehr ruhig, was mir im Moment unendlich gut tut. Ich bin mit Fr. Meckel in ihrer Klinik und erlebe ihre Gedanken und Gefühle, die mir nicht fremd sind.
Zwischendurch kommen mir meine Klinikzeiten in Erinnerung und oft muss ich schmunzeln und lachen, wenn ich ähnliche Situationen im Buch lese.
Solche Klinikzeiten sind immer besondere Zeiten.

Die Zeiten des Fremdschämens und Fremdkümmerns sind dafür derzeit definitiv vorbei. Ich laufe auf dem letzten Zylinder und habe gerade noch etwas Energie übrig um mich am Leben zu erhalten.

Das geile daran ist: Ich bin sowas von bei mir, dass es schon fast unheimlich ist:
Wenn ich kein Bock auf Plauderei habe (unglaublich wie viele Hundebesitzer sowas von gesprächig sind!!) nicke ich, murmle was in meinen Bart und gehe weiter (selbstverständlich wäre ich früher dem Wunsch meines Gegenübers nachgekommen, und hätte mitgeplaudert, obwohl mir überhaupt nicht danach ist!! Aber ich bin ja höflich bis zum Sankt Nimmerleinstag).
Die immer gleichen, flachen Witze bei der Tafel kotzen mich heute dermassen an, dass ich nur noch grimmig drein schaue und NICHT mitlache. Die besonders ekligen Männer grüße ich auch nicht (rot  im Kalender anstreichen!!!)
Ob meine Hose voller Hundehaare ist, ist mir wurscht, wem es nicht paßt, muss ja nicht hinschauen.
Meine Frisur sitzt auch nicht mehr perfekt. Ist halt irgendwie hochgebunden, dass sie nicht nerven.
All diese erahnten Erwartungen und vermutete Unterstellungen meiner Umwelt prallen an mir eiskalt ab.
Wie befreiend!

Ich habe absolut keinen Appetit und esse daher das was halt da ist.
Weil man eben essen muss.
Ich falle um 20:15h tot ins Bett und wache um 6:20h noch genauso fertig wieder auf.
Ich dusche, esse, mache ein wenig im Haushalt und kann mich schon kaum mehr auf den Beinen halten. Aber ich muss zur Tafel. Meine Kaufsucht hat definitiv wieder zugeschlagen. Somit ist das Geld knapp und ich kann nicht einfach einkaufen wann und wo es mir beliebt.
Nach der Tafel ruft der Hund.
Ich kann meine Augen schon kaum mehr aufhalten, deswegen fahr ich langsam mit dem Rad neben dem Hund her. Das spart Kraft und er freut sich, dass er mal wieder richtig rennen darf.

Zuhause fall ich wiederum nur ins Bett. Die Uhr zeigt 12:30h.
Ich war seit 3 Wochen weder bei der Family arbeiten (was die Geldknappheit verstärkt) noch in der Therapie (war teils ungünstig geplant, bzw. die Thera mal auf Fortbildung und morgen kann ich wieder nicht).

Die Müdigkeit der Rastlosen
 http://www.sueddeutsche.de/karriere/burn-out-syndrom-die-muedigkeit-der-rastlosen-1.409132

Mir ist alles wurscht und
irgendwie macht mir das auch Angst.

Kommentare:

  1. solange es dir nicht völlig wurst ist, dass dir alles wurst ist … ich weiss, durchhalteparolen nerven. möchte dir trotzdem einen lieben gruss dalassen.

    lg anne

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    1. Danke! Versteh schon. NA immerhin ist mir noch nicht alles so wurst, ich dusche, ich halte meine Bude sauber und zahle meine Rechnungen :)
      LG

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  2. Ich wünsche dir Kraft zum Durchhalten.
    Ich weiss, dass das auch eine Alltagsparole ist. Aber trotzdem, vergiß bitte nicht das wir derzeit ein sehr anstrengendes Wetter haben. Heftige Müdigkeit, alles ist anstrengend und beim nach Hause kommen fällt man erst einmal um und schläft.

    Liebe Grüße,
    ganga

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    1. Ah das Wetter auch ein gern genommener Grund :-)
      Ich bin total happy mit dem Wetter: grau, kalt, regen teils Schnee, SO lassen sich Depris erst so richtig gut aushalten und kein fröhliches Frühjarssonnengescheine :)
      Paßt schon alles so!
      Ciaoo

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  3. Nein so meine ich das nicht. Im (beginnenden) Frühling machen der wechselnde Luftdruck und andere athmosphärische Strömungen dem Organismus sehr zu schaffen. Sie beuteln uns im wahrsten Sinne des Wortes. Im Frühjahr setzt jährlich eine Sterbewelle ein, weil für den Organismus dieses schnelle Auf- und Ab sehr anstrengend ist.

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  4. Achso ;) ne da bin ich eigentlich recht robust...

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