Dienstag, 19. März 2013

Achtung hochexplosiv!

Es geht mir nicht gut. Gar nicht.
Angefangen hat es vorletzte Woche mit dem extremen Rückzug.
Nachdem mir alles zu viel war und mir bewußt war, wie (!) coabhängig ich reagiere.

Es tat auch erst mal gut, mich nur auf mich zu besinnen, ich kam wunderbar bei mir selber wieder an, spürte mich, fühlte mich, konnte ganz und gar bei mir bleiben, selbst im quirligen Hallenbad.
Als ob mich eine Mauer umgäbe.

Nur...ist das mit der selbst auferlegten Isolation ja so ne Sache.
Jetzt wieder nach draußen zu gehen, kostet mich unvorstellbare Kraft.
Und irgendwie fühle ich mich dabei auch nicht wohl.
Es ist wie das erste Mal im Jahr in den See zu hüpfen, der ist noch kalt, aber wenn man mal drin ist...ist es toll.
Also sage ich Verabredungen ab. Vor allem weil die meisten entweder abends oder in einer anderen Stadt sind. Was mich im Moment noch mehr schlaucht.
Gleichzeitig habe ich ein sehr schlechtes Gewissen deswegen, selbst meiner Therapeutin gegenüber.
Die Reaktionen der Freunde sind immer noch ungewohnt: Kein Problem! Sie akzeptieren meinen Rückzug und wir schreiben uns stattdessen Mails, weil ich das in solch Zuständen immer noch am ehesten ertrage.

Aber in mir kommt meine Mutter herein spaziert und sagt das, was sie seit 32 Jahren (in solchen Situationen) zu mir sagt:
Ein schnaubendes leicht genervtes:
"Was haste denn (jetzt schon wieder)?"
Da ja fühlen und hinspüren verboten war, konnte ich ihr das nie sagen, weil ich es selbst nie wußte.
Oft erfand ich dann irgendwas, wie: "Hab Angst dass die Oma bald stirbt."
Das nicht wissen, was da eigentlich grad in mir rumort, und das  nicht fühlen dürfen, verstärkten den inneren Druck.
Dann kam immer von meiner Mutter ein schneller Vorschlag, der mir (eher ihr, weil sie solch "schlechten" Gefühle gar nicht ertragen konnte) evtl. helfen könnte:
Ein hart gesprochenes:
"Magst mit in die Stadt zum einkaufen?"
Der Druck lässt schon Tränen in die Augen steigen und ich schüttel nur den Kopf.
Das war das Ende der Geduld meiner Mutter, es gab ein extrem genervtes:
"Ja dann kann ich dir auch nicht weiter helfen!" und peng wurde die Tür zugeknallt.
Super, jetzt hatte ich neben all dem eigenen Druck auch noch das schlechte Gewissen, weil ich meine Mutter nicht zufrieden gestellt habe und die Unsicherheit, ob ihr Vorschlag mir vielleicht doch ganz gut täte (ich habe ja gelernt: höre auf andere, die wissen schon was gut für dich ist!!).
Völlig verwirrt saß ich da also nun und wusste weder ein noch aus.
Ein schrecklicher Zustand.

Das i-Tüpfelchen war dann meist, wenn mir jemand anderes (Nachbarskind, Schwester, Vater ect.) helfen wollte, ging meine Mutter sofort barsch dazwischen mit den Worten:
"Laß sie, die beruhigt sich schon wieder...die kommt schon wieder, wenn sie was braucht."
Mitgefühl war bei ihr wohl schon ausverkauft.

Was hätte ich gebraucht?
Ein ruhiges zu mir setzen. Mit mir Löcher in die Wand gucken. Kein drängen. Einfach sein dürfen. Ein reichen von Taschentüchern. Vielleicht ein: Ja manchmal weiß man gar nicht so genau, was auf der Seele drückt, hast du vielleicht eine klitzekleine Ahnung?
Dann vielleicht ein Vorschlag zum gemeinsamen spazieren gehen/auf den Spielplatz gehen/einen Tee bringen.
Egal was ich tue, bräuchte, nicht bräuchte: volle Akzeptanz dessen.
(DAS habe ich das erste Mal vor 2 Jahren in der Tagesklinik erlebt und war mehr als baff!!!!!)

Eigene Bedürfnisse/Gefühle hinten an stellen, sollten Mütter eigentlich können (nicht immer klar, aber doch besonders in solchen Situationen)...ect.
Ich bin mir sicher, da wäre eher raus gekommen, was mich denn bedrückt und wir hätten eine gute Lösung gefunden.
Vom Kopf her ist mir schon klar, dass meine Mutter als Alkoholikerin alles tat um eigene fremde Gefühle nicht sehen/spüren zu müssen.

Heute werde ich behutsam mit mir umgehen und nicht aggressiv gegen mich handeln.

Kommentare:

  1. Das ist wirklich traurig. und du bist immer noch Co-Abhängig?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Sowas ist nicht mit einem Fingerschnips weg.

      Löschen
  2. Liebe Regenfrau,

    ich musste grade ganz laut seufzen, als ich Deinen Beitrag las. Du schreibst mir aus tiefster Seele. Ich erkenne in Deinen Beiträgen, dass Du auf einem sehr guten Weg bist und dass Du dabei bist zu heilen. Auch solche Zeiten, in denen sich ein Muster scheinbar verstärkt, gehören zum Heilungsweg dazu. Bisher bin ich nach solchen Zeiten immer sehr gestärkt hervorgekommen und war ein Stückchen mehr bei mir als vorher. Von daher sehe ich Deinen Rückzug durchaus als positive Sache und es ist gut, dass Du Dir die Erlaubnis dazu gibst.

    Mitgefühl ist natürlich bei solchen Menschen wie Deiner Mutter oder auch meiner nicht möglich gewesen aus den von Dir bereits genannten Gründen. ABER - das ist jetzt einfach mal egal. Es geht nur um Dich und Du nimmst Dich jetzt ernst mit all Deinen Gefühlen und Belangen. Das ist richtig und gut so.

    Den letzten Satz zu lesen ist auch Balsam für meine Seele - es tut gut daran erinnert zu werden, dass man mit sich selbst liebevoller umgehen darf, als es die Eltern getan haben.

    Du bist ein ganz wunderbarer Mensch!

    Liebe Grüsse aus dem wetterverrückten Bonn :)

    Maja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich weiß noch nicht, ob das so gut ist, aber egal, es ist jetzt wie es ist und ich habe lang genug an mir rumgedoktert, um endlich anders, besser usw. zu sein...
      Ja einerseits fühlt es sich an wie in einem Kokon und es wäre schön es als Heilungsschritt zu sehen, mein Kopf sagt mir aber: achtung richtig fette Depri (nicht nur im Anmarsch, sondern bereits ordentlich präsent.!)

      Also: hinein in die Suppe :-)
      Herzliche Grüße

      Löschen
  3. genau DAS ist es, einfach sein dürfen, diese Zustände und Gefühle wollen SEIN, und nicht wegdiskutiert werden, oder geleugnet, gar überspielt, das ist sehr selten, dass man sojemanden findet der einen sein läßt, mit all dem was grad da ist - dabei ist gerade das das heilsamste, was es gibt!

    ich verstehe dich sehr gut, meine eigene Mutter ist zwar keine Alkoholikerin, aber durch ihre eignene Verletztungen und ihren eigenen Groll teilweise so verschlossen und gefühlskalt mir gegenüber das es weh tut....

    Manche Menschen sind so in ihrem eigenen schmerz gefangen, dass sie einfach überhaupt nicht auf jemand anderen eingehen können....

    alles Liebe Dir!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke Dir, mir hilft es die Vorstellung dass ich meinen kondlichen, schutzbedürftigen ect. Teil jetzt so behandeln kann wie ich es bräuchte und allein die Vorstellung ist einfach: aaaccchhhh ganz schön :-)
      Rennst Du auch immer zu Deiner Mutter in der Hoffnung, die möge einmal, nur einmal wirklich für Dich da sein?
      Ich hab das jahrelang gemacht und als es nicht mehr meine Familie war, waren es andere emotional unzugängliche Leute...
      Also: nicht im Eisenwarenladen warme Brötchen holen wollen ;)

      Liebe Grüße

      Löschen