Samstag, 19. Januar 2013

Was ich brauche

" Selbst wenn Sie jeden Tag für 2 Stunden Psychotherapie machen, können Sie damit ihr Wesen nicht ändern!"
sprach letztens meine Therapeutin.
Ich lachte sarkastisch auf, während mir gleichzeitig Tränen in die Augen schossen.
Genau das hatte ich nämlich seit meinem 20. Lebensjahr, also über 10 Jahre, versucht.
Anders zu werden.
Damit man mich akzeptiert.
Damit man mich liebt.
Damit man mich toll findet.

Ich habe jahrelang versucht, mich in eine Schublade zu pressen, in die ich absolut nicht reinpasste.
Und mich dann auch noch beschimpft, dass ich nicht hinein passte.
In erster Linie sollte ich mir diese Selbstverstümmelung selbst verzeihen.

Genau darum geht es auch hier:
 http://aspergerfrauen.wordpress.com/2013/01/21/autismus-und-das-pinguin-prinzip/
am besten gefiel mir das:
"Heute versuche ich nicht mehr, mich der Umgebung anzupassen, sondern mir die Umgebung so zu gestalten, dass ich darin gut zurechtkomme und nicht ständig in einem Zustand der Überforderung lebe."

Jetzt hab ich eine Therapeutin, die mich so akzeptiert wie ich bin. Und das tut sie sehr authentisch. Sonst wär ich auch schon längst weg.
Wahrscheinlich weil sie selbst ein wenig "anders" ist und aus der Masse fällt. Aber eigentlich ist ja jeder "anders".

Jedenfalls erzählte ich ihr ganz zaghaft (es könnte ja wieder die Keule *du darfst nicht so sein!* kommen), wie gut es mir derzeit tut, verschiedene Projekte/Ultraminijobs zu haben.
Und wie gerne ich draußen unterwegs bin.
Das ich das wie die Luft zum atmen brauch!
"Ja," sagt sie "Sie dürfen sich Ihr Leben so gestalten, wie es Ihnen gut tut. Sie dürfen sich das Beste für sich heraus suchen!"
Ich lachte und weinte wieder gleichzeitig.
Ich kann das nicht glauben.

Zu tief sitzt die Vorstellung, dass Arbeit bedeutet, das man
- sich quält und abschuftet (bloß kein Spaß haben!)
- 8 Std. dasselbe machen muss
- sich völlig unterordnen muss
-  immer Montag-Freitag jeweils von 8-17h ackert
- mindestens 1 Std. mit all den anderen "Beruflern" in vollen Zügen pendelt
...

Derzeit ist das wild durcheinander gewürfelt:
- als Hundebetreuung, als Fahrerin und als Haushaltshilfe, habe ich alles abgedeckt was mir Spaß macht:
Hunde (unterwegs sein!), Auto fahren (unterwegs sein und alten Menschen helfen, dabei meinen Perfektionsanspruch senken, sowie meine soziale Phobie etwas mehr in den Griff bekommen), praktische, handwerkliche Arbeit (bei der ich meine Leistung, also das Ergebnis sehe).

Was ich noch brauche ist ein hohes Maß an Idealismus:
das kann der schlecht bezahlteste Job sein,
mich körperlich fast ruinieren,
aber wenn ich den Sinn erkenne und  Freude daran habe, hält mich nix auf,
selbst wenn es wie immer Leute gibt, die sagen:
Das geht doch nicht! Das kann man doch nicht machen!
Da habe ich dann komischerweise das Selbstwertgefühl, um zu sagen:
Laßt mich! Ihr müsst es ja nicht machen.
Aber ich will das jetzt so machen!

Denn: Der Mensch lebt nicht nur von Logik!

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau,
    erstmal mußt Du in garkeine Schublade passen, wenn es keine Schublade in Deiner Größe gibt schreiner dir eine:-) Weißt Du Du mußt es nicht jeden Menschen recht machen.Wichtig ist nur das Du Dir jeden Tag vor dem Spiegel in die Augen sehen kannst dass das was Du tust Du auch vertreten kannst.
    Ich lese hier schon sehr lange mit und ich finde Du bist eine außergewöhnliche junge Frau, mit viel Kraft, Mut und Du gibst nicht auf und das finde ich klasse.
    Liebe Grüße
    Christa

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    1. Hallo liebe Christa, ach das freut mich ja immer wenn sich mal stille Mitleser melden :-)
      Danke Dir für Deine Zeilen. Ja Schublade schreinern klingt gut, ich mach mich mal dran :-)
      Liebe Grüße!

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    2. Liebe Regenfrau,
      ich pass auch nicht in eine Normschublade und ich bin stolz darauf:-)
      Kennst Du das Buch der Seelenvogel, daran mußte ich gerade denken......
      Liebe Grüße
      Christa

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    3. Oh ich glaub bis zum Stolz ist es noch ein wenig hin :)
      Super, wenn Du Dich so siehst!
      Nein, das Buch kenne ich nicht.
      Happy day!

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  2. Ja, du bist in Ordnung so wie du bist.
    Du gehst deinen Weg und andere ihren.
    Und du hast das Selbstwertgefühl und siehst was los ist. Du kannst auf dich stolz sein, dass du deinen Weg gehst. Du stehst zu dir und gibst nicht auf.

    Liebe Grüße
    ganga

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