Mittwoch, 26. Dezember 2012

Wir können auch Hafen!

Wer glaubt in Bayern gebe es nur Bier und Berge, irrt.



 Weiter links gab es noch mehr Schiffe...ehrlich!
 Aber von vorne. Die Anreise war ätzend: In allerletzter Sekunde meinen Anschlusszug bekommen und das ist für mich Horror. Kurz vorm hyperventilieren glaube ich, dass es um Leben oder Tod geht. Dass es nur ein verpasster Zug wäre, kommt nicht in meinem Hirn an. Ich weiß auch warum das so ist, aber das würde jetzt zu weit führen.
Völlig aufgelöst also im Zug, merke ich, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, dass dieser arschkalt ist. Da kann eine Stunde Fahrt schon lange werden.
Highlight war aber der Schaffner, der so eine miese Laune hatte, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn der auf einmal brüllend um sich geschlagen hätte.
Vielleicht mag er kein Weihnachten. Bezüglich der defekten Heizung wollte ich ihn dann auch nicht hinweisen.
Aber irgendwann war ich da:

  
Prien am wunderschönen Chiemsee. Auch das "bayrische Meer" genannt!

Es war ja kein heilig Abend, sondern heißer Abend! 18 Grad! Das musste ich ausnutzen und ging hinterm Haus den Hügel hoch. Es war herrlich, der warme Wind strich über mein Gesicht, die Luft roch würzig nach Erde, Gras und Schnee (und ein klein wenig nach Kuhmist) und ich wär so gern barfuß gelaufen! Aber, ich alte Sozialphobikerin, sah 300 Meter weiter, andere Spaziergänger und dachte mir, was die sich wohl denken, wenn ich Weihnachten barfuß ginge. Total bescheuert. Es ärgert mich immer noch sehr. Vor allem wurde mir nochmal bewusst, dass man immer nur Dinge bereut, die man nicht getan hat!
Also bin ich brav und gesittet MIT Schuhe über diese herrliche Wiese gelatscht:


 Die erste Nacht in der gemieteten (sehr schönen) Wohnung war allerdings eine Katastrophe:
Ich hatte meine Ohrenstöpsel vergessen und obwohl es sehr ruhig dort war, schreckte ich beim kleinsten Geräusch hoch. Es gab dann nasse Taschentücher in den Ohren. Half!
Dann war die Bude dermaßen heiß, ja ohne Heizung, dass ich mich nur mit der Bettwäsche zudeckte, also ohne Bettdecke. Gut das Chiliöl und der Rotwein gaben noch ihr übriges dazu.
Dann war Vollmond und an den Fenstern gab es keine Rollos, was ich für mein Sicherheitsgefühl gebraucht hätte (wußte ich auch noch nicht!) genau aus selbigem Grund konnte ich auch die Balkontür nicht offen lassen.
Der Hit war die viel zu weiche Matratze, unter die ich nachts um 2 Uhr ein Brett (aus dem Kleiderschrank) legte.
Als alles endlich so paßte, wie es mir gut tat, kam der innere Vernichtungschor zum Vorschein, der  abwertend und genervt über mich lästerte, dass ich ja sehr wohl eine Prinzessin auf der Erbse sei und wie man sich nur so anstellen könne. Gut Nacht auch!
(Es ist aber so, dass sich -im Gegensatz zu früher- ausnahmslos alle Menschen in meiner Umgebung, sich mit mir über diesen weiteren Schritt in die Welt hinaus freuten! Das wiederum freut mich :-))

Am nächsten Tag ging es dann zur Schifffahrt. Da Prien ein Touristenort ist und ich schon die Menschenmassen an der Seepromenade bei meiner Ankunft sah, machte ich es wie immer:
So früh wie möglich los. Das hieß um 9h mit dem ersten Schiff. Und Tatsache, ich hatte Glück:
 
Meine Oma ermahnte mich schon vor 25 Jahren mit den Worten: "Kind, denk dran, am Wasser ist es immer kälter!" Recht hatte sie und nach einer halben Stunde war ich durchgefroren.
Also saß ich die restliche Stunde dann hier:



Ganz allein war ich nicht, aber ich dachte mir so: Auf den Schiffen sollte es so andächtig wie in einer Kirche zugehen.
Einfach schweigen und genießen. Ich hab's getan.
Es ging rüber zur Herreninsel, ja eine Fraueninsel gabs auch, gibt aber kein Foto dazu.




 Der weite Blick, tat guuuuuut! Und die Luft erst!

Und dann kam tatsächlich die Sonne raus:


Und sonst?
- Der saubequeme Gartenstuhl auf dem Balkon mit Blick in den Wald war unbezahlbar!
- Da es ja eine private Wohnung war, gab es auch private Gegenstände und ich fand eine CD (ja ich durfte die benutzen!) die fast 2 Tage durchlief. Irgendwas aus der New-age-szene mit Trommeln und indischer Flöte und so.
- Die Badewanne hab ich auch sehr genossen!
- Der Fernseher war nur ganz selten an, meist war ich ziemlich schnell genervt ...so schlechte Schauspieler.
- Essen war auch lecker!
- Abends im Halbdunkel nochmal auf den Hügel gestiegen, mit Blick auf den Vollmond...diese Ruhe dort! Wunderbar!
- Natürlich hab ich mich im Fahrplan verschaut und stand bei der Heimreise eine Stunde am Bahnhof rum. Da war es natürlich kalt und windig. Super! Der Zug war wieder arschkalt, dafür der Schnaffner ein Netter.

Und morgen gibt es den Spruch zu lesen, den ich als erstes in der Ferienwohnung fand und der mir gleich die Schuhe auszog.

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