Donnerstag, 27. September 2012

Qual der Wahl


oder: Das Unglück der absoluten Freiheit
oder: Das zweifelhafte Glück der freien Auswahl
oder: Unzufrieden im Schlaraffenland
oder: Unglücklich im Paradies
oder: Zeit der Habsucht. Der Sucht etwas haben zu wollen
oder: Der fade Nachgemack der Freiheit
oder: Ich weiß nicht, was ich wollen soll


Wir haben soviel zur Auswahl: 25 Marmeladensorten, 50 Shampoos, 70 Handyanbieter. Wir können zig Sachen studieren, Kinder bekommen oder nicht, heiraten oder nicht, Kirchgänger sein oder nicht, wir können aus 100 Sportarten wählen und aus 1000 Urlaubsorten den für uns perfekten aussuchen! 
Wir sind ein freies Land! 
Macht uns das glücklich? 
Nein. 
Paradox oder?
Wir müssen selbst entscheiden, wie lange wir vor dem Bildschirm hocken, welche Blogs wir länger lesen wollen, ob wir uns im Singleportal anmelden.
Wir müssen uns entscheiden, ob wir vegetarisch, vegang, oder uns nach der Methode XY ernähren.
Wir sind verantwortlich, was wir aus unserem Leben machen. 
Schwierig bei sovielen Möglichkeiten.
Man fängt das eine an, sieht das der Nachbar was anderes macht, nun will man das auch probieren und so hüpft man von einem Ding zum nächsten. Wird immer ruheloser, sieht all die Möglichkeiten, andere Lebensmodelle, weitere Alternativen. 
Soll ich mir die Haare abschneiden? Vielleicht doch öfter den Rock anziehen? Schminken? Welches Buch lesen? Die Liste der Wünsche (egal von was) wird länger und länger, man hetzt, man kommt nicht mehr hinterher, man hat immer öfter das Gefühl etwas zu verpassen, die anderen haben ein pralles Leben, nur man selbst hat nur...
Für mich wird die Freiheit der Wahl immer quälender. Ich reibe mich selbst auf, weil ich nie weiß, ob ich vielleicht doch mal...oder nicht? 


Ich habe nie das Paradox Freiheit durch Grenzen verstanden. dafür jetzt.
In einem Rahmen zu leben, gibt Sicherheit, gibt Kraft, man muss sich nicht jeden Tag neu entscheiden. Denn all die Gedanken die man sich so macht, kosten Kraft.
Jetzt verstehe ich die Grundidee vom Minimalismus, (ja es darf gelacht werden). Nein, ich FÜHLE ! Minimalismus entspannt! Es ist einfacher sich zwischen 2 Farben zu entscheiden, als zwischen 10. Und man ist mit seiner Entscheidung dann auch zufriedener. Deswegen fällt es mir im Moment leicht, ohne Angst radikal zu entrümpeln. Dafür mit viel Vertrauen, dass das richtige schon bleibt oder wiederkommt, wenn ich es brauche.

Mich selbst disziplinieren lernen. Mir selbst Grenzen setzen.
Irgendwie wurde ein Schalter in mir umgelegt. 
Das ist schön. Ich lache. Ich fühle mich frei.

Ich war als Kind definitiv glücklicher, wie als Jugendliche. Wir hatten damals sehr wenig Geld (dafür war ein Elternteil immer da) es gab viel arme-Leute-essen und Secondhandklamotten. Es gab nützliche Sachen zu Weihnachten und oft staunte ich über die Eisblumen am Fenster. Innen. Dafür gab es viel Gesellschaft und Sinnhaftigkeit und Spiel.
Dann gingen beide Eltern arbeiten, ich war viel alleine, mir war oft langweilig, dafür hatten wir jetzt Geld. Jeder sein Zimmer, genug zu essen, egal was ich auf den Einkaufszettel schrieb, am nächsten Tag lag es auf dem Tisch. Fröhliches Schlaraffenland. Noch dazu gab es sehr wenige Grenzen. Ob ich um 23Uhr heimkam oder die Schule schwänzte interessierte so ziemlich keinen. Und ich war sehr sehr unglücklich.

Es ist aber ein Unterschied, ob ich meine Unzufriedenheit wegkaufe oder aktiv etwas dagegen tue, z.B. zu Freunden gehe, Sport mache oder stricke.
Wir (also ich persönlich nicht) haben ja für mehr Freiheit gekämpft! Frauen dürfen wählen, Frauen dürfen arbeiten, Frauen dürfen Auto fahren, mich schaut keiner schief an, weil ich mit 32 Jahren immer noch keine Kinder hab und das itüpfelchen ist: Frau als Bundeskanzlerin.
Nur, können wir mit mehr Freiheit auf umgehen? Stop! Ich hör sie schon rufen, die Unken: Genau, Frau wieder ab hintern Herd! Also 1. Ich persönlich hab nix gegen den Herd, auch nicht gegen kochen, aber ich steh gerne VOR dem Herd und 2. ich bin heilfroh, dass ich in einer Zeit lebe, in der ich keine Kinder kriegen muss. 
Andererseits kommt dann wieder die Frage: Was dann? (Meine allerliebste Qualfrage, die mir auch gestern fast den Schlaf raubte)
Ich dreh mich im Kreis.
Für heute soll es gut sein.
Ich wollte eigentlich auch nur das Thema anstoßen, so zum nachdenken und so.

Wer weiterlesen mag (ich geh weiter entrümpeln) HIER bitte:
http://alex-rubenbauer.de/minimalismus/879/kann-man-zu-viele-moeglichkeiten-haben/

http://m.fluter.de/de/freiheit/heft/4070/

http://home.arcor.de/alltag_als_chance/grenz4.htm#Grenzen%20%204

Kommentare:

  1. Das ist ein Grund, warum ich so gern in unserem Second - Hand Laden Klamotten kaufe. Es gibt für mich dann nicht 100 Geschäfte mit tausenden von Sachen, sondern diesen kleinen Laden mit vielleicht 50 Pullis, die immer wechseln. Reicht! Ist schön! Und ganz ab und zu finde ich dann auch ´ne niedliche Strickjacke. ^^

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    1. Schön, wenn Du da eine Möglichkeit gefunden hast!
      Ich hasse auch dieses bummeln oder shoppen wie es ja jetzt heißt.
      Entweder ich brauch was oder nicht. Aber einfach so in 100 Läden rumströmern..boah das is doch STREss!! :-)

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  2. Hach liebe Regenfrau, ich verstehe was Du meinst :) Aber ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass man die Freiheit in sich entdecken muss - und dann ist man frei von dem Zwang "dies, das, jenes und welches" noch unbedingt tun/erleben/kaufen/besitzen usw. zu müssen. Wir haben nicht zuviele Wahlmöglichkeiten - wir sind uns unserer inneren Freiheit zu wenig bewusst - jene Freiheit, die uns die Macht zur Entscheidung gibt und nicht zuletzt die Freiheit, auf unser Gefühl zu hören - das einem schon sagt, was man WIRKLICH will. Es braucht gar nicht viel, um wirklich glücklich zu sein. Und eins ist mal ganz klar - Nähe, Wärme, gute Gespräche, Zusammensein, Kommunikation, Liebe, Freundschaft, eine Umarmung oder auch der Plausch mit der Nachbarin oder der besten Freundin - all das ist tausendmal mehr wert als alle "must haves" dieser Welt. Weil das die Dinge sind, die von innen her glücklich machen, die uns Erfüllung schenken.

    Ich wünsch Dir - Erfüllung mit allem, was Dir wirklich gut tut und was Du natürlich wirklich möchtest :)

    Lg
    Maja

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    1. Nein ich glaube, dass es eher das ist: Dadurch dass ich soviel wahrnehme auch visuell bin ich überflutet von den vielen Reizen. Ich finde kein Stop, auch weil mich soviel interessiert.
      Es geht um die innere Unruhe die ich betäuben will.

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