Donnerstag, 20. September 2012

Innerer Beobachter


Ich fühle immer wieder, wie befreiend es ist, seine Gedanken und Gefühle erstmal nur wahrzunehmen. 
Von außen drauf schauen. Interessiert beobachtend.

Ein kleines Beispiel:
Ein Freund liegt im Krankehaus und bittet mich, ihm etwas bestimmtes vorbei zu bringen.
In meiner Kindtrance (also der kindliche Teil von mir) hat sofort Angst, ja fast schon Panik und will auf gar keinen Fall da hin. Weil das Krankehaus und die Umgebung triggert.
Ich ziehe sofort (ohne weitere Überlegenungen) die Konsequenz daraus:
Ich kann nicht hin.
Ich sage weinend ab. Es tut mir sehr leid, ich zerfleische mich innerlich, weil ich das nicht kann und den armen Kerl so hängen lasse.
Da ist aber noch ein anderer Teil, der dem Freund gerne helfen, für ihn da sein will.
Dann kam oft die brachiale Methode: Ebenso sofortige Konsequenz ohne weiter nachzudenken: Angst ignorieren, stur da durch gehen, zitternd, schwitzend, das irgendwie überstehen, danach völlig fertig und in der totalen Reizüberflutung.
Diese Ver-zwei-flung ist schrecklich. Als gäbge es keinen Ausweg. Eine Zwickmühle. Ich sehe schwarz, beziehungsweise nur diese zwei Möglichkeiten.
Das ist eine ziemlich eingeengte Sicht. Sowohl in der Angst, als auch in der Verzweiflung sehe ich nicht klar, ich bin mit den Gefühlen identifiziert und somit ist auch mein Handlungsspielraum sehr eingeschränkt.

Jetzt nehme ich den inneren Beobachter dazu. Ich distanziere mich von mir selbst ein wenig (schwer zu beschreiben) und nehme -ohne große innere Beteiligung- wahr, was da ist:
Angst, Unbehagen, der Wunsch zu helfen...usw. Ich packe also erstmal alles auf den Tisch und dann kann ich mir eins nach dem anderen nehmen, anschauen, vielleicht fühlen und dann in Ruhe entscheiden, was ich mache.
Ich kann mir hier in dem Beispiel, als Erwachsene klar machen, dass ich als Besucherin da bin, dass mir dort also nix passiert, dass Krankenhäuser bei vielen Menschen Unbehagen auslösen, dass wir uns vielleicht im Garten treffen können oder ich zu einer Tageszeit komme, an der es mir recht gut geht (morgens) oder ich danach alleine im Garten spazieren gehe, um mich wieder zu entspannen.
 
Siehe da:
Es gibt viel mehr Handlungsmöglichkeiten, ich kann besser für mich sorgen, kann dem anderen helfen, ohne mich völlig zu übergehen/überfordern, fühle mich nach dem Besuch relativ fit, bin zufrieden mit mir, habe meine Integrität bewahrt und meine Gefühle ernst genommen.
Daraus wächst immer mehr Selbstvertrauen.
Und der Umgang mit sich selbst wird liebevoller.

In diesem Sinne, möchte ich mich selbst nochmal daran erinnern:
Erstmal Stop! Schauen, fühlen und dann erst entscheiden was ich tue. Und nicht wie eine wild gewordene Furie sofort, schnell, irgendwas machen (um das Gefühl nicht fühlen zu müssen).
Dies ist für mich die effektivste Methode, um weiter stabil zu bleiben, weniger depressiv zu sein und vor allem: Um am schnellsten aus den Angst - und Panikgefühlen zu kommen.

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