Dienstag, 18. September 2012

Hundepunkte

1. Der Hund, den ich hin und wieder hab, hat Punkte. Deswegen heißt die Rasse auch Pointer.
Sieht in etwa so aus:

2. Beim Solospaziergang, kommt mir eine Frau mit Hund entgegen. Wir grüßen uns und sie fragt mich, wo mein Hund sei (obwohl wir uns noch nie begegnet sind).
Ich antworte, den hab ich nur 3x die Woche.
Sie völlig erstaunt:" Sie gehen einfach so spazieren?"
Ja! Gut, dass ich schon in Therapie bin, spätestens jetzt wär ich fällig!
Einfach so spazieren gehen, tzttz, die Menschen werden aber auch immer komischer.
PS: Ich hatte noch nicht mal ein Handy dabei! Ich altmodisches Ding!

3. Eigentlich bin ich nur der Gassigeher. Manchmal erfordern aber gewisse Umstände, eine andere Handhabung. So bin ich manchmal auch der Hundesitter, sprich: der Hund kommt mit zu mir.
Anfangs lief das so ab:
Hund hechelt total aufgedreht durch die Wohnung, rennt immer wieder zum Wasser, schlabbert 3 Züge, hechelt weiter.
Mehrmals zeige ich seinen Platz. Ist aber nicht interessant genug, immerhin weiß die arme Schnauze gar nicht wie ihr geschieht, was soll das in der fremden Wohnung???
Ok, also mach ich was total langweiliges: Ich leg mich auf die Couch, schließe die Augen (hätte ich die offen würde der Hund weiter sein Spiel aufführen) und ignoriere den Hund. Dann wird’s spannend. Immerhin höre ich nun nur noch:
Tappstappstapps -wo geht der hin?
Schlappschlapp – ah zum Wasser!
Tappstapps – und nu?
Warme, feuchte Luft an meiner Backe – gut dass der keinen Mundgeruch hat (ehrlich!)
Zum Platz schicken. Hund legt sich brav aufs Kissen. Großes Jubeln, natürlich nur innerlich, äußerlich bleib ich total cool.
Keine 2 Minuten später:
 Tappstapps, schlappschlapp, warme Luft an meiner Backe.
Das geht so 5x dann reicht nur noch ein Fingerzeig Richtung Kissen und gleich darauf liegt er da auch.
2 Min., 3 Min., 4 Min. Atmet er noch????
Ja er schnauft tief. Fast so wie ein gelangweiltes Kind, dessen Augen „wie lang denn nooooch?“ sagen.
Raschel raschel, klimper... was macht der da? Bloß nicht hinschauen.
Tapps, raschel, pling (oh völlig neues Geräusch!)
Grunzen, gähnen, Verdauungsgeräusche. (Irgendwie fallen mir sämtliche Nächte mit neuen Partnern ein, in denen man stundenlang wach liegt und die ungewohnten Dinge – der klaut mir die Decke!- was war das für ein Geräusch? – ist der jetzt wach oder träumt der? wahrnimmt.)
 Ruhe.
Ich grinse.
Noch ein Schnaufer, diesmal ein glücklich entspannter.
Am liebsten würd ich kichern, aber das würde mir sofort wieder warme Luft an die Backe hauchen und ich will einen ruhigen Hund in der Wohnung.
Die Mittagspause der Baustelle ist zuende, der Höllenlärm geht weiter. Mistmistmist ich hab vergessen, die Fenster zuzumachen. Wenn ich jetzt aufstehe... nein, vergiss es. Die Ruhe ist grad zu schön.
Ahhh was ist das? Oh ein Hundekopf. Auf meinem Bauch. Eigentlich schön. Soviel Vertrauen. Aber wenn ich sie jetzt kraule, hat sie Erfolg, ergo: sie macht es wieder. Soll sie aber nicht.
Nicht jetzt. Das ist mein Revier und ich hab das Sagen.
Das tappsen und rascheln geht fröhlich weiter, da ich aber nicht drauf reagiere, ist bald wieder Ruhe.
Nach einer halben Stunde will ich meinen Kuchen und Kaffee. Stehe auf und hab sofort den Hund an den Hacken.
Na egal, zuschauen darf sie. Rede aber weiter nicht mit ihr und schaue sie auch nicht an.
Ich merke schnell: Laß bloß nix essbares auf dem Tisch stehen, der Hund ist so groß, dass er sich nur mal kurz zu recken braucht, um auch mal wieder was zwischen die Beißerchen zu bekommen. (muss ja hungern, dass arme Vieh. NEIN is natürlich n Scherz!).
Ich hock am Tisch und starre auf meinen Kaffee und Kuchen.
Hund hockt auf seinem Kissen und starrt mich an. Seeehhhr entspannend.
Auf dem Weg zurück in die Küche finde ich einen Socken von mir. EINEN? Wo ist der andere? Der hat den doch wohl nicht...? Ach du scheiße. Mir rasen Worte wie Verstopfung, Notfall, Tierklinik, Operation, wegen zu hohem Alter leider...STOP! Da is er doch. Sah nach nur einem aus, sind aber beide Socken. Puhhh.
Ab auf die Couch. Augen zu. Hund streunert noch ein wenig durch die Bude. Mir scheint er ist ruhiger, macht das wohl eher aus Neugierde.
Diesmal kann ich genau orten wo er sich befindet:
Bing – das war meine Gitarre
zing – das ein kleiner cd-hüllenstapel
chrrr – mein Rattanstuhl
Zack - mein Arm der in die Höhe flog, weil Miss Hundedame nun endlich mal gekrault werden will. Sapperlot die kann aber „stubsen“.
90 Minuten später ich sitze am Pc, höre Musik, schreibe Mails. Der Hund liegt auf seinem Kissen, seitlich, tiefschlafend.
Ich bin völlig gerührt!

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