Samstag, 11. August 2012

Zwischen Grandiosität und Depression

gibt es nur einen ganz schmalen Grat. Und auf dem zu balancieren, ist nicht leicht.
Depression ist die eine Seite der Medaille, Grandiosität die andere und der dünne Rand die goldene Mitte.
Ich schaue mir derzeit meine eigenen narzisstischen Ecken an. Die sind nämlich durchaus da. Und wenn ich zu sehr in der Depression fest hing, ging ich zur Therapie. Aber natürlich nie, wenn ich auf einem grandiosen Höhenflug war (doch einmal tat ich dies und bekam als Diagnose: Manische Episode).
Ich glaube, früher habe ich beide Seiten noch mehr ausgelebt. Unter der Woche die brave, liebe, fürsorgliche Kinderpflegerin und am Wochenende das Girl das an der Stange tanzt, mit quasi nix an, außer natürlich den Fi** mich-Stiefeln.
Eine Person, zwei Seiten. Dr. Jeykill und Mr. Hyde. Wenn ich in meiner Größenwahnsinnigkeit irgendeinen Blödsinn anstellte, wurde mir das schnell verziehen, nie musste ich wirklich harte Konsequenzen spüren. 30 Tage unentschuldigt in der Berufsschule gefehlt? Kein Ding. 3000,-in den Miesen bei der Bank. Keine Sorge, Papa regelt das schon. Selber gekündigt? Sie wurden wegen Arbeitsverweigerung rausgeschmissen? Macht nix, Sie bekommen natürlich keine 3-Monatssperre!
Ich glaube, dass es schon einen Unterschied macht, ob man ein Weiblein oder Männlein ist, hübsch oder nicht so ansprechend. Mir wurde verdammt viel verziehen und aus dem Weg geräumt. Das ruft natürlich Neider auf den Plan. Verständlich.
Ich bin nicht immer die schüchterne, hochsensible Sozialphobikerin. Nein, ich kann duchaus boshaft, aggressiv und beleidigend werden, wenn ich mich zu Unrecht behandelt fühle. Und da ist es mir egal, ob meine Chefin vor mir steht oder die Polizei. Alles schon gehabt. Konsequenzen? Siehe oben...
Die Konsequenz aus dieser neuen Erkenntnis wäre: Einen zweiten Blog erstellen. Einen für Miss Prinzessin (Grandiosität) und einen für Miss Opfer (Depression).
Die Balance zu finden, zwischen diesen beiden Persönlichkeiten, gleicht einem Seiltanz,
ohne Sicherheitsgurt. 
Der Absturz ist immer greifbar.

Kommentare:

  1. Hi Regenfrau,

    also, das kenne ich auch. Ich hab oft gedacht - was hab ich (bei all den Problemecken insgesamt) für ein Glück gehabt, dass ich eher hübsch war. (Jetzt relativiert es sich langsam, mit 40...^^ aber macht nichts.)
    An zwei Tagebücher (oder eins, von beiden Seiten angefangen) hatte ich auch mal gedacht, aber da steht immer wieder das Wort "Integration der Anteile" in meinem Kopf, aus der Therapie. Die beiden nahezu widersprüchlich/ unversöhnlichen Anteile in mir näher zusammen bringen statt sie so deutlich voneinander abzuspalten; insofern hab ich das dann doch bisher gelassen.
    Und - ich bin ebenfalls sozialphobisch, und ich habe diese Ressource "aggressiv und beleidigend sein können, egal, was kommt" nicht, auch in Notfällen fast nie. Auch wenn deine Seite etwas heftig ausgeprägt ist, ist es wirklich gut, wenn du "eine in dir" hast, die dich verteidigen kann.

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    1. Hi Callisto,
      mir wird derzeit jedenfalls einiges klar. Was so mit meinen Facetten, Berufswahl, nicht entscheiden können zu tun hat.
      Die aggressive Seite ist auch gut, um in die Pötte zu kommen, um mal ein Wochenende weg zu fahren, mal spontan sein können, aggressiv heißt ja nichts anderes als etwas anpacken und nicht defensiv sein.
      Und die starke Seite war ja leider nicht immer da, wenn ich die gebraucht hätte, eben in Notfällen.
      Aber welche Anteile meinst Du bei Dir? Wenn Du sagst Dir fehlt der aggressive Teil?
      Jedenfalls werd ich mir wohl wieder eine Nische suchen, wo ich den Teil rauslassen kann (da wär ja Theater/Schauspielerei gut, aber was mach ich, wenn ich in der soz.phobischen Phase bin und kaum das Haus verlassen kann? ;)
      Was hast Du gegen Integration? Kann ja dann nur besser werden...
      Auf alle Fälle spannend, das ganze.
      LG

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    2. Hi Regenfrau - nur kurz vor dem Rausgehen... ich hab doch nichts gegen Integration, ich dachte, die würde vermieden, wenn zwei Bücher geführt werden. ^^

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    3. Achso, jetzt weiß ich wie Du das gemeint hast.
      Nein Integration heißt für mich, dass alles da sein darf und gesehen/wahrgenommen wird. Nicht: Dass es zu einem Klumpen verwächst.
      Somit wäre Dein Tagebuch doch eine super Idee.
      Wenn beide Teile gesehen werden, müssen sie sich nicht mehr aufplustern und wild agieren (was dann nämlich schon mal schädlich werden kann).
      LG!

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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