Donnerstag, 2. August 2012

Wenn auf einmal

dein eigener Schatten vor dir steht...

Ich hab das nie kapiert, wenn jemand zu mir sagte: 
"Das was du am anderen nicht magst, hat mehr mit dir zu tun, als mit dem anderen.
Das was du am anderen nicht magst, bist du auch."
Also wenn ich noch nicht auf 180 war, war ich es spätestens nach diesen Sätzen.
Mit mir hat das gar nix zu tun, ICH bin nicht so faul, arrogant und dumm!!
Kapiert????

Ich war noch nicht so weit, meinen eigenen Schatten zu sehen.
Jetzt ist anscheinend die Zeit reif dafür.
Ich bin erleichtert. Ehrlich. Ohne Ironie.

Gestern war es mal wieder soweit: Meine Nachbarin lief mir übern Weg. Und sie nervt. Sie nervt mich so tierisch, dass ich schon auf 200 bin, wenn ich nur an sie denke.
Alles hab ich probiert. Mich abgegrenzt, nochmal abgegrenzt, keinen Kontakt, alles mögliche visualisiert, Klartext gesprochen...nix half.
Und irgendwie fiel es mir dann gestern abend ein:
Das was ich an ihr nicht mag, hab ich auch in mir. Und weil diese Eigenschaften die ich da sehe "nicht sein dürfen" habe ich sie verdrängt.
Jetzt hole ich sie wieder raus. Ist nicht so angenehm. Ist wie einen alten zugemüllten Kellerraum aufräumen.
Aber dann! Dann ist der Keller leer und man fühlt sich befreit!
Befreit! Schon wieder! :-)

Also hab ich mich hingesetzt, meinem Schatten einen Namen verpaßt und all das mal aufgeschrieben, was ihn ausmacht (brauch ja nur meine Nachbarin anschauen). Und danach? Hab ich gelacht! Weil ich mich viel wohler fühle.

Vor allem als mir einfiel, dass ein anderer Nachbar mir das schon mal gespiegelt hatte, da war es aber noch nicht an der Zeit. Der Nachbar war genauso wie die andere Nachbarin und ich wunderte mich schon, warum ausgerechnet hier so viele Psychopathen wohnen :-)

Und jetzt weiß ich auch, warum ich bei manchen Sachen so extrem scharf von meiner Familie kritisiert wurde. Ich hab das gemacht, was sie auch gerne machen würden, aber sie es aus unterschiedlichen Gründen eben nicht machen können.

Tja wenn man in den Spiegel guckt...
Ich finde das gerade sehr spannend und interessant. Mir fallen alle möglichen Situationen/Begegnungen ein, die dazu passen.

Achtung: Nicht alles was einem nicht paßt, muss mit einem selbst zu tun haben. Aber wenn eine hohe emotionale Beteiligung zu spüren ist (heftige Wut, starke Aggressionen) ist das schon ein wichtiger Hinweis.

Kommentare:

  1. ...wenn du mir das noch genau erklären könntest wäre ich dir dankbar ... weil noch verstehe ich das nicht ganz ... also ein beispiel , meine nachbarin nervt weil sie ständig vorm hauseingang auf der wiese sitzt,bier trinkt und ich mich dadurch belästigt fühle ...
    bin auf deine analyse gespannt ...
    lg

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    1. Hallo Mr. Moose, ähm auf die schnelle kann ich das grad nicht erklären, was mir half war dies: http://www.narzissmus.net/wbb/index.php?page=Thread&threadID=700
      so leicht ironisch hab ich auch meinen Schatten dann beschrieben.
      Spontan fällt mir ein: Vielleicht gönnst Du Dir zu wenig "rumgammeln" und bist genervt, wenn du das bei anderen siehst, also in den Spiegel guckst.
      Aber "nur belästigt fühlen" hat glaub ich wenig mit Deinem Schatten zu tun. Außer es regt dich so sehr auf, dass du immer die polizei anrufst oder streit mit der Frau anfängst...
      Lg!

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  2. Hast du die Spiegelgesetze gelesen? (Hatte ich die bei dir gefunden? Wäre ja jetzt schlau ^^)
    Was ich auch immer spannend finde, ist dieses "DAS (xyz) mache/bin/mag ich jedenfalls NICHT!" Also, diese Glaubenssätze, die man danach untersuchen kann, was das denn etwa über einen aussagen würde, wenn man es doch wäre/täte/mag, und warum man sich so dagegen wehren muss.
    Deinen Nachsatz find ich wichtig - denn: Wirklich übel finde ich diese Verdrehungen (a la Mama, bei mir): "Aha, dich macht Gewalt gegen Tiere wütend - eigentlich möchtest du das also selbst..." - sowas macht mich wahnsinnig. Aus Befreiungstüren Fallstricke drehen. Dabei sind solche Selbsterkenntnis - Wege so ... toll. (Und: Wenn man sich traut, sie zu gehen. Das finde ich auch toll.)

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    1. Hi Callisto,
      ne hab ich nicht, wie gesagt, das Thema ist für mich ziemlich neu.
      Ich find es auch lustig, wenn ich die Schatten der anderen entdecke. Mein Vater regt sich super auf, wenn er seinem Fast-Schwiegersohn begegnet. O-Ton: diesem geizigen Gockel..ect. dabei zeigt dieser doch nur die Seiten die auch mein Vater in sich hat :-)
      Finde das immer wieder lustig.
      Ja kann sein, dass mir früher zu diesem Thema auch solche Fallstricke gelegt wurden, und ich deswegen so heftig drauf reagierte.
      Ich glaub da ist jede Diskussion fruchtlos, man verstrickt sich nur noch mehr.
      Lg!

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  3. Ich möchte gerne folgendes ergänzen:
    Zu diesem Thema gibt es einige Bücher, z.B.
    * über die Spiegelgesetztmethode von Christa Kössner,
    * oder die "The Work" nach Byron Katie (da gibt es ein Buch von ihr, kostenlose Infos auch im Netz, oder die ebenfalls guten Bücher von Moritz Boerner),
    * und außerdem verschiedene Vorträge von Robert Betz auf CD.

    Aber du, Regenfrau, brauchst diese Bücher jetzt ja nicht mehr, du hast die tiefgehende Erfahrung ja bereits gemacht - alle Achtung!


    @ Mr.Moose:
    Manchmal wirkt der Spiegel auch nicht 1:1.
    Zum Beispiel kann ich mich darüber aufregen, wenn andere Sich besaufen und dadurch sich selbst (und ihren Lebensthemen) aus dem Weg gehen, statt sich darum zu kümmern.
    Ich selbst vertrödle meine Zeit jedoch im Internet, und gehe damit mir selbst (und meinen Lebensthemen) genau so sehr aus dem Weg....

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    1. Hallo Tao, danke für Deine Tips,
      hab gestern schon geschaut welches Buch es dazu gibt (das auch was taugt) und doch ich hätte schon gern eins, weil ich nicht recht weiß, was ich jetzt mit dem Anteil machen soll. Ich seh ihn bildlich vor mir und weiß: eigentlich besteht diese verschmutzte, kümmerliche Gestalt da in der dunklen Ecke NUR aus Angst und jetzt auch Scham, weil es entdeckt wurde. Ich strecke meine Hand aus. Mal sehen was passiert.
      Die Kössner kenn ich nicht, von den anderen Autoren halt ich Abstand, les grad mit spitzen Fingern was von Dahlke. Aber mal sehn vielleicht blätter ich mal durch :)

      Soooo und ich geh jetzt auch wieder OFF weil ich eindeutig auch zuviel im Netz hänge (und mich auch verstricke?!?!) :-)

      LG!

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    2. Hallo Regenfrau,

      wenn du deinen Anteil als Gestalt mit Angst und Scham vor dir siehst,
      dann geht es wohl eher darum, zu dieser "Ja" zu sagen, ihn zu integrieren, ihn einfach zu sehen und wahrzunehmen....

      Die Bücher von Kössner gehen, soweit ich mich da jetzt noch erinnere, eher in die Richtung, den Spiegel zu erkenne, aber dann zu schauen, welche eigenen Glaubenssätze damit verbunden sind, und in welche Richtung der eigene Wachstumsschritt geht. - Das Ganze läuft also eher mental, und ist schon seit vielen Jahren nicht mehr so mein Ding. (Aber wenn dich die Bücher von Kössner interessieren: Ich habe mir damals mehrere von ihr ausführlich angeschaut und finde "Meine Krankheit spiegelt mich" und das Buch mit den Tussis und Nervensägen im Job bringen das Ganze am Besten rüber.)

      Ich persönlich wende die Spiegelbetrachtung schon länger nicht mehr richtig an, frage jedoch manchmal einfach nur kurz: "Kenne ich das auch?" oder "Unter welchen Umständen mache ich das so ähnlich?" oder auch "Werfe ich dem anderen etwas vor, was ich (direkt - oder im übertragenen Sinne) ebenso mache?".
      Doch dabei geht es mir nicht um das Analysieren,
      sondern ich versuche über die Spiegelbetrachtung leichter in die Akzeptanz zu kommen, um dann integrieren und fühlen zu können was in mir ist und zu mir gehört.....

      L.G.

      Tao

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