Dienstag, 14. August 2012

Weiter geht's

Gestern hab ich der Therapeutin also noch einige Beispiele aus meinen "grandiosen" Zeiten erzählt. Es fiel mir schwer, ich hatte Angst wieder sofort bewertet und verurteilt zu werden.
Wurde ich nicht.
(Man kann mal selbst ausprobieren, was in seinem Umfeld passiert, wenn man sich allwissend und überheblich gibt.)
Sie sieht das allerdings harmloser als ich. Ich will jetzt keine Diagnoseänderung, aber ich glaube schon, dass da mehr ist, als die normale narzissitsche Seite die jeder von uns hat (und natürlich gerade in der westlichen Gesellschaft massiv wuchert, siehe all die Castingshows und ja auch hier im Netz). Die Darstellungs-Geltungssucht ist enorm.
Ich weiß nicht, wie sehr meine Therapeutin da noch objektiv ist - sofern man das überhaupt sein kann.
Jedenfalls werde ich da bei meinem Gefühl bleiben und ihr noch mehr davon erzählen, was mir so bewußt wurde. Was nicht angenehm ist, weil es viel unsoziales, egoistisches, abwertendes ist.

Dass ich in der Kindheit kein stabiles Selbst entwickeln durfte, ist ja schon mal klar. 
Damit das keiner merkt, dass ich nur eine Maske trage, strenge ich mich enorm an. In einer Talkshow nannte das ein Herr die Westernstadt. Nur eine Kulisse. Man geht durch die Schwingtür und steht wieder in der Wüste. Dahinter ist nix. 
Es durfte aber auch keiner meine depressive Seite sehen und auch nicht meine "tolle". Das Gerüst würde sofort zusammen brechen. Was es ja schon oft genug tat und dann kommen Suizidgedanken wie aus dem Nichts oder Sauf-und Rauchgelage oder Kaufräusche oder jede Datingplattform nach einem neuen Partner absuchend. All das, soll das Loch wieder füllen, dass man jetzt sieht und spürt.

Die Maske die man immer trägt, verhindert natürlich echte Nähe.
Der Weg aus dieser Spaltung führt nur über das spüren hinaus. Sich selbst spüren. Allein, zu wissen, dass man nur eine Fassade mit sich herum trägt, nimmt das Bedrohliche, das es ein anderer merken könnte.
Der Weg hin zu mehr Ausgeglichenheit. Wenn man in der Depression hängt (also gefühlte totale Unterlegenheit gegenüber anderen Menschen) sich bewußt machen, was man alles gut macht und kann, sich innerlich aufrichten, sich selbst annehmen....
In der Höhenflugzeit sich bewußt machen, dass man auch nur ein Mensch ist mit Fehlern und Unzulänglichkeiten wie alle anderen um einen herum. Das wir alle in einem Boot sitzen.
Diese Überheblichkeit die ich oft (aus Angst) in der Öffentlichkeit spüre, wenn ich allein unterwegs bin, habe ich gestern mal ein wenig revidiert.

Und es war erstaunlich was passierte, mir flogen sämtliche Herzen zu. Ich kam ins Gespräch mit zwei Backpackern und ein dritter junger Mann half mir Geld zu wechseln, ohne dass ich ihn darauf angesprochen hätte.
Das ist klar: Meine innere Haltung zeigt sich zu einem sehr großen Teil auch in Mimik und Körpersprache. Die wiederum "lesen" ja meine Mitmenschen und reagieren so auf mich.

All das hat auch viel mit meinem Trotz zu tun, der sich weigert so ein normales, banales Leben zu führen, wie Millionen andere.
Weil: hey I'm Supergirl!!!!! verstehste?
Und das wiederum wirft die innere Jugendliche auf den Plan und das Thema Arbeit.
Das haben wir gestern nur kurz angerissen und das ist ein großes Thema.
Endlich hörte ich mal nicht die üblichen Sprüche wie: "Jeder muss sich an Regeln halten, mir schmeckt auch nicht immer was der Chef will..." die ja nur meinen Trotz und Widerstand nur verstärken.
Nein, es kam mir Wohlwollen entgegen und ein Interesse, sich das Stück für Stück genauer anzuschauen.
Da bin ich echt gespannt, denn wenn ich mal in dem trotzigen Teil hänge, komme ich da alleine nicht mehr heraus.

Kommentare:

  1. Hi Regenfrau, dazu fällt mir gerade was vom Tilman Moser ein- er schrieb mal, dass es weniger beschämend zu sein scheint, über sexuelle Phantasien zu reden, als offen eigene Größenphantasien einzugestehen. Grotesk, aber ich finde mich da wieder. ^^ Und du?

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    1. Hmm so grotesk finde ich das gar nicht.
      Bei ersterem öffne ich mich je nach Situation und Gegenüber.
      Finde aber beides gleich schwierig.
      Ciao

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  2. die maske die man immer trägt schützt einen

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    1. ja auch, kommt drauf an, ob man sie auch mal fallen lassen kann.
      Oder ob man sich selbst sogar irgendwann was vorspielt...

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  3. klasse, der vergleich mit der westernstadt! das trifft's echt total.

    die kulisse hat zwar schutzfunktion, macht aber nicht glücklicher, bzw. man fühlt sich dadurch nicht sicherer. geht mir zumindest so.

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    1. Jepp. Es kostet soviel Kraft die Fassade aufrecht zu halten, kleiner Sturm und weg ist es.
      Und traurig finde ich es, bei mir.
      Muss wohl ein richtiges Fundament her :)

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  4. Liebe Regenfrau, vielen Dank für diesen Beitrag, Denkanstoss und Vergleich zur Kulisse...

    Lieben Gruss

    Missy

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