Mittwoch, 25. Juli 2012

Wiederholung

Auch wenn ich es schon verkündet habe:
Ich fühle mich schlecht.
Wie im Nebel.
Wie in einen Topf voll Kleister.
Alles diffus, alles zäh.
Ich hab Hunger und kann nix essen,
bin müde und kann doch nicht schlafen.
Wo ist die Vorspultaste?

Wie geht es eigentlich anderen Mitlesenden,
die keinen Kontakt zur Familie haben,
aber doch zu einigen Mitgliedern (z.B. Kindern) gern Kontakt hätten,
bzw. dem daraus resultierenden Schmerz, diese nicht aus dem Chaos retten zu können.

Die Mail die kam, hatte mich zum Glück nicht so getriggert wie befürchtet.
Oder ich spüre es im Moment nicht so.
Trotzdem ist es schlimm zu lesen, was diese Kinder erleben.
Jugendamt ist involviert. Aber anscheinend sitzend da genau solche Dumpfbacken, die da nicht hingehören.
Jetzt ist der eine zwar nicht mehr bei der Mutter,
sondern beim Vater. Und ohne Bruder.
Ist wie vom Regen in die Traufe.

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau, irgendwann musste ich mir klarmachen - und das war äusserst schmerzhaft - dass ich die Kinder von meiner Schwester nicht retten kann. Sie waren ja auch erst 13 und 15 als ich begann mich abzunabeln und es hat mir in der Seele weh getan, sie zurücklassen zu müssen.

    ABER - bedenke bei allem Schmerz, dass die Kinder absolut nichts davon haben, wenn Du bei dem Versuch sie zu "retten" drauf gehst. Du siehst was passiert, wenn Du Dich wieder mit Deiner Schwester abgibst - die alten Muster und Konflikte werden wieder wach und es geht Dir schlecht. Ich denke ja heute, dass ich mit dem tiefen Wunsch, meinen Neffen und meine Nichte vor ihr zu bewahren, eigentlich nochmal mein eigenes Elend als Kind sozusagen "gespiegelt" bekam und mich selbst retten wollte. Ich weiss nicht, ob das so verständlich geschrieben ist, aber ich glaube, je mehr man selbst erlebt hat, desto schlimmer ist es, wenn man es woanders sieht. Klar, es ist einfach schlimm, wenn Kinder solchen Dingen ausgesetzt werden, aber wenn man das selbst erlebt hat am eigenen Leib in irgendeiner Form, dann ist man doppelt betroffen - und doppelt emotional.

    Ja, es sind schlimme Verhältnisse bei Deiner Schwester, aber Du hast trotzdem keine Verantwortung - nicht für sie und nicht für die Kids. Du bist nicht ihre Mutter und hast ein eigenes Leben, was Du in so harter Arbeit gerade am "zusammenflicken" bist - besinne Dich wieder mehr auf Dich. Den Schmerz würde ich zulassen, weinen bis zum Abwinken und mir dabei immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Du ein Kind auf alle Fälle gerade rettest - Dich selber!

    Weisst Du, welcher Gedanken mir immer hilft, wenn ich die zwei ganz arg vermisse? Dann denke ich mir - je besser es mir geht und je stabiler ich werde, desto eher kann ich ihnen ein Vorbild sein, wenn sie irgendwann begriffen haben, dass sie immer noch zu mir kommen können. Egal was geschehen ist.

    Vielleicht hilft Dir dieser Gedanke ein bisschen?

    Lg
    Maja

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    1. Hallo liebe Maja,
      danke für Deine Gedanken.
      Ja ich weiß nicht genau welcher Schmerz es gerade ist. Wahrscheinlich schon meine alten Wunden, die allgm. Vernachlässigung die ich erlebte und die nun munter weiter vererbt wurde und im speziellen die Attacken meiner Schwester (die wurden noch kaum bearbeitet, das ist noch weit weg).
      Doch ich finde ich habe schon eine Verantwortung. Jeder schaut weg und wenn das Schlimmste passiert ist, wußte mal wieder keiner was davon. Meine Eltern reden sich ja schon raus, die Großeltern von der anderen Seite saufen sich vor der Glotze zu Tode...da ist keiner!
      Das ist so grausam.
      Ich hab solche Fälle als erzieherin in der Arbeit schon kaum ausgehalten, aber da konnte ich meine professionelle Seite hervor kehren, Jugendamt ect. einschalten, mein bestes gegeben-also das was ich tun kann.
      Ja das tue ich jetzt auch, sie bekamen "Ferienpost" mit Brief.
      Ich hoffe, dass ich in den letzten 8 Jahren wo ich mit ihnen leben durfte, genug mitgegeben habe. Schönes, positives, lustiges.

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  2. Liebe Regenfrau,

    wir kennen das auch. Unsere Nichte ist inzwischen 20 und der neffe 16.
    Wir konnten nichts tun. Hatten nur mailkontakt zur Nichte und haben immer zu verstehen gegeben das es mich gibt und das sie immer willkommen ist. Aber es ist schwer. Sie hatte eine Zeit wo sie sich selbstverletzt hatte mit 13/14.

    Letztlich musste ich mich abgrenzen. Und es stimmt was Maja schreibt. Man kann ein Vorbild sein - jemand die anders lebt und auf sich achtet - sowieso weiß was achtsamkeit ist. Jemand die ausgestiegen ist und lernt damit gut und besser zu leben.

    Manchmal ist es schwer, aus verschiedensten Gründen. Manchmal hatten mich Schuldgefühle überrannt. Letztlich lief es immer darauf hinaus das es wichtig ist für sich selber zu sorgen. Einmal hab ich den ganzen Mailverkehr kopiert und an wildwasser gesendet und mit denen lange telephoniert - auch die sagten das gleiche. Man kann signalisieren das man da ist, aber meistens kann man nicht mehr tun. Und auf sich aufpassen. Jeder Kontakt mit der Familie tut uns nicht gut und es ist so notwendig Grenzen zu halten.

    Man versinkt ganz schnell in dem alten Sumpf. Du merkst es ja selber.

    Liebe Grüße und viel Mut und Kraft senden
    anja und co

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    1. Danke auch für Deine Antwort!
      dass ich für die Jungs da bin, hab ich ihnen immer wieder gesagt und auch jetzt (sofern meine Schwester die Post auch weitergegeben hat).
      Es tut gut, Eure Erfahrungen zu lesen!
      Liebe Grüße

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  3. Weisst Du, wenn ich schreibe "Du hast keine Verantwortung", dann meine ich damit nicht, dass Du tatenlos (insofern es möglich ist, was zu tun) zuschaust - dann verstehe ich darunter kein "ist mir egal, ich schaue weg" sondern das innere Abgeben der Verantwortung. Natürlich muss man was tun, wenn es den Kids schlecht geht! Aber ich habe selbst erfahren, dass es notwendig ist, zwischen der Verantwortung als Tante und der als Mutter zu unterscheiden. Bei mir war es so, dass ich eigentlich mehr Mutter für die Kinder war und heute noch sehr mütterlich für sie empfinde - was aber auch bedeutet, dass ich erpress- und manipulierbar war. Das hat mich persönlich in die Position gebracht, dass ich mich verausgabte, aber trotzdem nichts ändern konnte. Da war es gut, die Verantwortung abzugeben und drei Schritte zurückzugehen, sich bewusst zu sein "ich bin nur die Tante, nicht die Mutter" und aus der Distanz ging das Handeln - wenn nötig - einfach besser. Aber ich wollte natürlich nicht verallgemeinern - nur weiss ich halt, wie gerne solche Menschen wie Deine oder meine Schwester alle Verantwortung für die Kids auf einen abwälzen und sich selbst entziehen. Und das ist definitiv nicht gut - für niemanden.

    Lg
    Maja

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    1. danke, dass Du dazu nochmal Stellung genommen hast.
      Ich tu mir noch sehr schwer damit, das alles zu sortieren, was kann ich da tun, was nicht usw.
      Ich hab das Gefühl meine Schwester will keinen an die Kids ranlassen, mauert sie ein, weil diese für sie und nur für sie da sein sollen.
      Nunja, alles nicht einfach....

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  4. Puh - bei einer Freundin hab ich den Kontakt abgebrochen, weil mir der Umgang mit der Nichte nicht gut tat. Da hab ich auch mehrfach beim Jugendamt angerufen. Bis ich irgendwann einsehen musste: alles was ich tun kann, hab ich getan - mehr geht nicht - und da ich damit nicht umgehen kann - muss ich Abstand halten.

    Bei meinem Bruder (15 Jahre jünger, die ersten Jahre hatte ich ihn quasi großgezogen) war es schwieriger. Ich hab den Kontakt gehalten bis er mit 16 im Internat war, hab ihm noch geschrieben, dass meine Tür für ihn immer offen sein wird, mir war aber auch klar, dass ich ihn verliere - weil er zu jung ist und die Menschen mit denen er halt lebt gegen mich puschen.

    Heute ist er Mitte 20 - ich hab ihn vor einigen Wochen nochmal angeschrieben - mit dem Hinweis, dass ich es akzeptiere wenn er nichts mit mir zu tun haben will. Er hat nicht geantwortet (und die Nachricht sicher bekommen).

    Unseren Möglichkeiten sind Grenzen gesetzt. Wir können nur das tun, das uns hilft. Ansonsten hilft nur: auf sich achten, sich abgrenzen, schauen dass es für einen selbst gut geht - um zum einen ein Beispiel zu zeigen, ein Vorbild zu sein, aber auch um vielleicht später wirklich helfen zu können, wenn sie auf einen zukommen. Signalisieren "ich bin da", aber du kannst niemand retten, der sich nciht retten lassen will - und bei Kindern ist das leider noch schwieriger - vor allem wenn die entscheidenden Stellen nicht richtig reagieren. Doch dagegen tun kannst du leider nichts.

    Wie war das mit dem Spruch von Oetinger:
    Gib mir die Gelassenheit Dinge zu akzeptieren die ich nicht ändern kann
    und die Kraft Dinge zu ändern die ich ändern kann
    und die Weissheit das eine von dem anderen zu unterscheiden

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    1. danke Ilana auch Dir.
      Ich wehre mich noch sehr es so zu sehen. Ich will noch kämpfen und mit ihr diskutieren *sie muss doch verstehen*.
      Vielleicht braucht es das einfach, bis ich es wirklich verstehe.
      Ja auf später baue ich auch ein wenig. Meine Tante half mir sehr, als ich 27 war. Vorher auch wenig, weil sie viel zu sehr selbst im Familiendrama verstrickt war.
      Sie half mir sehr auf meinem Weg. Sie hat verstanden. Sie hat mir geglaubt, und mich in der Klinik besucht.
      Das ist soviel wert. Ja da hoffe ich, dass ich wirklich später mehr helfen/beistehen kann.
      Vor allem wenn ich selbst wieder auf festen Beinen stehe.
      Wo gibts die Weisheit?

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    2. och wenn du die Weisheit irgendwo findest - bin ich für jeden Tipp offen ;)

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