Donnerstag, 12. Juli 2012

Therapie

Je älter der Blog, desto unspektakulärer die Titel :-)

Wie ich es liebe: Schlaflosigkeit vorm Therapietermin. Hatte ich ja jetzt schon lange nicht mehr. 22Uhr...22:30Uhr...der Druck steigt, um 5h musste wieder raus...23 Uhr...ach scheiß drauf, dann mach ich halt dur...*schnarch*...
Immer wieder phänomenal :)

Also gut, ich akzeptiere (mal wieder), dass ich derzeit in meinem Leben kein *Mein Auto, Mein Boot, Mein Haus...* habe. Kein Partner, noch nicht mal ne Party. Achso, Job natürlich auch keinen, aber das hat sich ja schon rumgesprochen.
DESWEGEN kam ich auf's Thema Kloster. Nicht wegen der erhofften Einsamkeit, sondern wegen der Möglichkeit sich zu kontemplieren, nein...äh in Ruhe in Kontemplation zu versinken. So rum.
Wie soll ich das denn hier in Ruhe machen? Mit all den super extrovertierten, hippen und obercoolen Erfolgsheinis um mich rum?!?!

Ich könnte ja auch in einen Ashram gehen *kicher*.
Also, der nächste Erfolgsheini, der die nächsten 30 Jahren SEIN Haus, Auto, Pferd und Boot abzahlen muss, der mich fragt, was ich derzeit so mache, bekommt als Antwort:
"Ich werde wirklich!" Wenn schon irre, dann bitte richtig :-)
So wirklich wie im Lied der 2raumwohnungen:

Wenn du wirklich wirst

du bist mehr als du gedacht hast
wenn du deinen kern spürst
wenn du wirklich wirst
du willst da nicht mitmachen
bei den spielchen
die fordern, daß du unwirklich bist
die heißen
ich fühle nichts
meine haut ist dick
ich bin die beste
wenn du wirklich wirst
dann sagst du nein
zu allem was dir die luft
abdreht
wenn du still bist
ist das kein trick
du befreist andere
du spürst dich
und was du kannst
wenn du wirklich wirst
kommst du nach haus
zu dir selbst
wo wir angefangen haben
im paradies zu leben
wenn du wirklich wirst
wenn du wirklich bist
dann bist du sex
was du sagst
ist was du meinst
was du glaubst
ist was du lebst
wenn du deinen kern spürst
wenn du wirklich wirst

JA es ist derzeit mein Job herauszufinden, was ich spüre.
Dass ich spüre, dass mir der Kinderhaufen in der Bahn zu laut ist.
Dann sich mit der nörgelnden Stimme in mir herum schlagen, die meint: dass man doch kinderlieb sein müsse!
Dann der ängstlichen Stimme in einem Mut zusprechen, weil die Angst hat, was jetzt die anderen wohl denken, wenn ich einfach aufstehe und mir einen leiseren Platz suche (womöglich denken die, dass ich nicht kinderlieb sei! argh!)...
DAS ist Arbeit.
Oder dass ich mir erlaube, auf dem Bahnsteig herumzuwandern, weil die Unruhe in mir viel zu groß ist, als dass ich still sitzen könnt. Womöglich noch eingequetscht zwischen wildfremden Menschen!!!!
 
Dass ich vor lauter Chaos in mir überhaupt nicht weiß, was ich will oder nicht. Dass da immer mehr Seiten in mir auftauchen und ich überhaupt nicht mehr weiß, welcher ich gerecht werden soll und was ich dann mit den anderen machen soll?
Wenn ich monatelang überlege was ich mit der Montagsgruppe machen soll und mir erst nach Monaten DIE Lösung einfällt! Ja wo kommen wir denn da hin?
Ich habe aufgehört im Kindergarten zu arbeiten, weil mir das zu viel wurde. Zu laut. Zu viel aufeinmal. Und jetzt? Jetzt hab ich den Kindergarten in mir. Schöne Scheiße.
 
Ich meine, dass ich es ja von Anfang an gewußt hätte. ( Das Krankengymnastik derzeit nix ist. )
Mein Impuls war, das Rezept nicht einzulösen.
Eine Stimme sagt: Siehste, hättest gleich drauf gehört. Hättest Dir einiges erspart, an Panik, Tränen, Druck.
Therapeutin fand es toll, dass ich das Thema angehe und es probiert habe, neue Erfahrungen machen konnte (ja danke, auf die hätt ich auch verzichten können) und immerhin üben konnte, Dinge anzusprechen...
 

Gestern abend dachte ich so (deswegen konnte ich auch nicht einschlafen):
Ob das so hilfreich ist, die Therapie, das nachdenken, das immer weiter bohren...
einfach mal alles lassen und einfach mal tun?
Ich
weiß
es
nicht.

In sich selbst heimisch werden, ist ganz schön hart und schwierig.
Wenn man sich selbst, so wenig kennt, da wundert es mich überhaupt nicht, dass ich regelmäßig und immer die völlig ungeeignetsten Jobs erwischte.

Aber 2 Dinge sind derzeit unerschütterlich:
Dass ich nicht mehr rauchen will *juhuuu*
und dass ich weiter mit dem Hund raus gehe.

Immerhin,
ist doch auch schon ein Anfang................

Kommentare:

  1. Solche Phasen hatte ich während meiner Therapiezeit auch immer mal wieder und dann sehr heftig - was soll ich Dir sagen? Diese Phasen sind notwendig und heilsam, ein weiterer Stein auf dem Weg zu sich selbst. Und Du musst nichts und niemandem gerecht werden - versuch die Seiten, die auftauchen, einfach mal zu beobachten und mehr nicht. Vielleicht hat man früher zu sehr von Dir verlangt, dass Du allen und jedem sofort gerecht wirst - aber das ist nicht so. Neue Seiten wollen vielleicht auch einfach nur gesehen werden? Einfach zulassen und sich nicht schuldig fühlen, wenn etwas eben nicht klappt.

    Ja, in sich selbst heimig werden ist total schwierig, aber machbar. Ich kann inzwischen die ersten Früchte ernten, die über 4 Jahre Therapie schliesslich gesät haben. Bleib dran, es lohnt sich wirklich.

    Apropo kinderlieb - ich liebe Kinder wirklich, aber wenn eine lärmende Horde Kinder um mich herum ist, ist es mir auch zuviel und ich setze mich dann weg. Sollen die anderen denken was sie wollen (das tun sie ja eh) - man ist kein Kinderhasser, weil man keine will oder sie einem manchmal einfach zu laut sind.

    Herzlichen Glückwünsch zum "nicht mehr rauchen wollen" - das ist eine richtig tolle Leistung!

    Lg
    Maja

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    1. Ja vielleicht sollte ich mehr wahrnehmen und einfach so lassen und nicht gleich Druck aufbauen, etwas "machen zu müssen".
      Puh ziemlicher Schleuderwaschgang ist das...
      Danke Dir :-)

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  2. Auch wenn ich mich wiederhole,du sprichst/schreibst mir aus der Seele mit deinem Blog.
    Da wo mir oft Worte fehlen,das lese ich in deinen Einträgen.
    Danke.

    Das ist auch ein Thema meiner Therapie.Der Druck, den ich ständig mir selbst aufbaue. "Ich sollte,ich müsste,andere schaffen das doch auch." und so weiter und so weiter. Meine "Druckliste" ist ewig lang.
    Und das ist so anstrengend.

    "In sich selbst heimisch werden, ist ganz schön hart und schwierig."
    Das ist so wahr.Ich arbeite daran.

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    1. Du darfst Dich wiederholen, tu ich ja auch...
      Und ich bin auch immer heilfroh, wenn mir jemand seine Worte leiht :-) weil ich die passenden nicht finde.
      Liebe Grüße

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