Dienstag, 10. Juli 2012

Ich war schon immer so...

So...menschenscheu.
Mit 5 Jahren flog ich mal (gekonnterweise) über mein eigenes Radl.
Natürlich in Fahrt. In sehr schneller Fahrt, denn davor ging es einen steilen Berg hinab (den wir natürlich eigentlich gar nicht befahren durften).
Tja, da lag ich nun. 
Tot. 
Wie meine Schwester meinen Eltern hysterisch ins Gesicht schrie, nachdem sie hechelnd zuhause ankam.
*hihihi* so ein Schock geschieht denen ganz recht.

Natürlich rührt man sich nicht mehr, wenn man mit schwerer Gehirnerschütterung, gebrochenem Arm und ohnmächtig da liegt. 
Aber das weiß ja ein 8-jähriges Mädl nicht.
Jedenfalls zeigte ich im darauffolgenden Krankenhausaufenthalt damals schon, was ich von der Menschheit im näheren Umfeld so halte: Herzlich wenig!

Als emotional völlig unterversorgtes, hoch ängstliches Kind, bekam ich ein Einzelzimmer! Super! Träumt man heut davon. Aber nicht damals.
Vorm Arzt versteckte ich mich hinter der Tür. Sollte man zwar mit schwerer Gehirnerschütterung nicht, aber sag das mal einer 5-jährigen.
Das gemeinsame Frühstück (im Gemeinschaftsraum!) fand ich auch immer doof: 
Lauter Vollhonks um mich.(vielleicht war ich da doch ganz froh um das Einzelzimmer)...
Zum Glück erwischte ich immer den Stuhl ganz am Eck, nahe der Tür.
Dann kam eine Krankenschwester mal auf eine bahnbrechende Idee:
Mir könnte ja langweilig sein, so ganz allein im Zimmer. Also steckte man mich zu einem wildfremden Mädl. Ohne Vorstellung, ohne irgendwas. *schubbs* rein ins Zimmer, schnell Tür zu. Fertig.
Das Mädl war bettlägrig, ich durfte schon wieder herum wandeln, mit eingegibstem Arm.
Als man mich wieder abholte (schätze mal so 1/2 Std.) stand ich noch genauso da, wie man mich hinein geschubbst hatte: Stocksteif, meine Zehen anstarrend und stumm.
Das andere Mädl war da auch nicht besser...

Danach musste ich wieder in den Kindergarten.
Und ob man es glaubt oder nicht: ich fand den damals schon kindisch.
Das Getue, das komisch gestellte Spiel, ich weiß nicht was da alle so toll fanden.
Am allerschlimmsten waren aber immer die Feste: 100 Kinder im Garten, mindestens 20 Erwachsene, ein Lärm, ein Gewusel, 1000 Spiele, 1000 Möglichkeiten, Hitze, Geschubbse und dann der glorreiche Satz einer Kindergartentante:
"Geh doch mal zu den anderen...spielen!"
Grandiose Idee!
Es gibt 2 Fotos von mir im Kindergarten:
Heulend im Gebüsch (mich dem Trubel entziehend, das ist heut auch nicht anders)
und hochkonzentriert beim einstudierten Tanz, bei dem auch noch begeisterte/stolze Eltern anwesend waren und somit mindestens 400 Augen auf einem ruhten *schwitz*...
und heute will ich meine Sozialphobie loswerden?
Völlig unsinnig. Völlige Energieverschwendung.
Das wäre dieselbe Unart,  mir ständig die Haare zu blondieren, anstatt anzunehmen, das ich brünett bin!
Nein ich will das nicht loswerden.
Ich will keinen Teil von mir loswerden.
Ich will lernen, mich anzunehmen.
So wie ich bin.

Eine, die herzlich wenig Spaß am Gruppenkuscheln hat und wenig Freude empfindet, jemand anderem bei der Zellteilung zuzusehen... 

Natürlich mag ich einige Menschen und ich unternehme auch hin und wieder gerne was mit denen. 
Aber ich möchte aufhören, mich zu Dingen zu zwingen, die ich absolut nicht mag und nie toll finden werde.
 Ich möchte aufhören, mich selbst hart zu verurteilen, wenn ich etwas nicht toll finde, nicht mag, nicht mitmache, was die meisten Menschen toll finden und mögen:(mit billigen Worthülsen um sich werfen, sich ständig anfassen, Küsschen zur Begrüßung, und irgendwelche Feste/Feiern natürlich NUR in Gemeinschaft).

Wär ich noch einen Tick gläubiger,
ich würd Nonne werden.
Ehrlich :)

Kommentare:

  1. Nonne?? Das bedeutet Gemeinschaft pur. Das einzige sind die Schweigezeiten und deine kleine Kammer. Aber sonst hast du da nicht viel Spielraum. Ich weiss, wovon ich rede! Du könntest überlegen ob du Schäferin wirst oder auf eine Alm gehst :-) Dazu braucht man noch nichtmal fromm sein, allenfalls tierlieb und das bist du ja. Einen Hund gäbe es auch... ;-)

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  2. Achja, von diesen achso tollen und soo lustigen (und vorallem: lauten) Kindergeburtstagen bin ich immer mit Migräne heim ;)))
    LG Anne

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  3. Ich mag Gesellschaft gern, aber bitte ausgesucht und schööön relaxt. Lautes Gebrüll habe ich immernoch täglich auf Arbeit, da bin ich am überlegen ob ich alle umlege oder auf durchzug schalte. Ich muss das 2. wählen, aber ich hätte manchmal lieber das Erste.Grins.
    Also lass Dich nicht stressen und diese dämlichen Knutschbegrüsser strecke ich ganz gerne mal die Hnad entgegen , aber meisst kommt nur ein hallo ohne Körperkontakt. weiss ich wo die Hände des gegenüber vorher waren?
    Ich hasse begrüssungen mit Kontakt, ausser beim Freund oder den engsten Vertrauten :-)
    Naja , aber Alm fänd ich auch ne gute Idee für Dich. Also wenn Du nen Mann suchst, such doch nen Bauern, obwohl ist auch nervig... Was weiss ich, also wünsche ich Dir einfach Entspannung für den Tag

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  4. @ Lebenskünstlerin
    ähja, stimmt. Vielleicht dachte ich eher an das "40Tage allein in die Wüste gehn" so als Eremitin, aber ich vertrag ja keine Hitze *g*.
    Warst Du Nonne? Erzähl...nur raus mit den Geheimnissen! ;)

    @ Hi Anne,
    stimmt ich hatte auch immer viel Kopfweh, aber alle schoben das immer auf den Radlunfall...*grübel*

    Huhu Bianca, ja um das selbst ausgesuchte geht es...
    las sogar letztes eine Anzeige zur Ausbildung als Schäfer...klar Alm war auch schon im Visier und tut es immer noch, kollidiert aber mit meiner Erschöpfung und da muss man richtig ackern, ab 4h morgens.

    Liebe Grüße!

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    1. Ja genau darum bin ich von der Alm , also vom Bauern auch wieder weg. Hmmmm, ich überleg noch nen Bills , vielleicht kommt ja noch ne gute Idee:-)

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  5. Hihi, ja ich wäre fast im Kloster gelandet! Irgendwie hatte ich den Film "Geschichte einer Nonne" mit Audrey Hepburn zu oft geguckt. Ich wollte Kinder im Kongo retten ;-)
    Bis mir eine sehr liebe Mitschwester riet, doch lieber Schauspielerin zu werden. Und, ehrlich gesagt, das war der wirklich bessere Weg. Ich kann nämlich jetzt alles sein, was ich will :-))
    das richtige Maß zu finden, zwischen allein sein und mit anderen zusammen, ist nicht einfach. In meinem Beruf ist es aber üblich, in die Abgeschiedenheit zu gehen, sonst könnte man den ganzen Text und die Rollen ja nicht lernen. Aber dann heisst es: Teamwork!
    Und auch wenn ich heute anders arbeite, istbes so geblieben. Weshalb ich großes Verständnis habe für alle, die sich mal zurückziehen.

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    1. Mir werden die Leute die immer unterwegs und in Gesellschaft sind immer suspekter...das kann ja auch nicht gesund sein :-)
      Eben, als Schauspielerin kannste ja mal ne Nonne spielen und in alle anderen Rollen schlüpfen!
      Weiter viel Spaß dabei ;)

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