Montag, 25. Juni 2012

Vater und so

Es ist ja nicht so, dass ich meinen Vater nicht vermisse. 
Das tue ich. 
Hin und wieder. 
Mein Vater war der liebevollste, humorvollste und feinfühligste Mensch in meiner Kindheit. 
Mein einzigster Halt. 
Wenn auch ein sehr brüchiger, weil auch er krank war und ich als Kind natürlich spürte, dass er nicht so stark und verlässlich ist, wie er vorgab und wie ich das gebraucht hätte. 

Ich glaube die Trennung meiner Eltern hat nicht nur mir sehr geschadet. Sondern auch ihm. Danach fühlte ich mich noch mehr für ihn verantwortlich. Zu sehr. Zu viel für ein Kind, für eine Jugendliche die eigentlich auf ihr eigenes Leben schauen sollte, ihre eigenen Werte entwickeln, ihre eigene Weltvorstellung und Sicht der Dinge.
Das war aber für meinen Vater bedrohlich. So wie es auch für meine Mutter und meine Schwester bedrohlich war, zu sehen, dass ich die Wahrheit sah und ansprach, meinen Kopf durchsetzte, meine Gefühle fühlte...usw.
Und so wurde mein Vater ein Mitläufer und verhielt sich mir gegenüber so, wie Mutter und Schwester es taten:
Immer wenn ich etwas anderes tat, dachte, fühlte, wollte wurde das kritisiert, lächerlich gemacht, ausgelacht, verhöhnt.
Eine eigenständige Persönlichkeit werden? Undenkbar!


 "Dieses Gefühl, nicht Herr bzw. Frau im eigenen Haus zu sein, mit sich Dinge geschehen zu lassen, Eigenverantwortung abzugeben, anderen absolute Macht über sich zu geben, ist typisch für Menschen, die als Kind kein eigenes Selbst aufbauen durften und schon früh massiv in ihrer Würde verletzt wurden. (Studien über Prostituierte - vgl. Zumbeck, 2001 - zeigen, dass diese sehr oft als Kind misshandelt und/oder sexuell missbraucht wurden. Ähnliche Ergebnisse würde man sicherlich auch bei PornodarstellerInnen vorfinden.)"
Hier gefunden:
http://www.kriegsursachen.blogspot.de/2011/04/vom-porno-star-uber-milgram-zu-hitler.html

Erst wenn ich fest im eigenen Sattel sitze, wirklich Frau im eigenen Haus wurde und mich für mich einsetzen kann, ohne innerlich vor Schuldgefühlen zu zerbrechen, 
wenn ich die Kraft habe, meine Grenzen klar zu zeigen und immer wieder zu verteidigen, wenn ich mir meiner selbst sicherer, innerlich stärker bin und mir selbst genug Wert zuspreche,
dann kann ich mit meinem Vater wieder Kontakt aufnehmen.
Daher hoffe ich, dass er noch lange lebt.

Kommentare:

  1. Vorallem hoffe ich für Dich, dass der Kontakt mit ihm dann zustande kommt, wenn er etwas dazu gelernt hat und einsichtig ist. Ich persönlich will gar keinen Kontakt mehr zu meiner Familie - es geht mir ohne sie viel zu gut, als dass ich das nochmal riskieren würde. Was bringt es, wenn man zwar die eigenen Grenzen verteidigen kann, aber immer wieder drum kämpfen muss, weil der andere nichts dazu lernt? Dafür vergeude ich meine Energie nicht mehr. Aber wie gesagt, ich rede dabei ausschliesslich von meiner Familie. Für Dich wünsche ich einfach nur, dass Du doch noch einen guten Kontakt zu Deinem Vater aufbauen kannst, wenn Du soweit bist!

    Lg
    Maja

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    1. Hallo liebe Maja, ja da gibt es so viele Möglichkeiten und Grautöne, als nur: Kontakt oder Kontaktabbruch.
      Hauptsächlich wünsche ich mir einen Kontakt per Tel und Mail. Besuche nur noch ganz selten.
      Also mehr zu meinen Bedingungen als zu seinen, danach hab ich mich viel zu lange gerichtet.
      Ob er es kapiert, versteht oder sonstiges bezweifle ich. Muss er auch nicht.
      Habe auch geprüft ob das ein kindliches Bedürfnis ist. Ist es auch, aber nicht nur. Und da muss ich aufpassen.
      Achja ein großes Feld :)

      Liebe Grüße!!!!!!

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