Samstag, 2. Juni 2012

Sucht

Ich komme aus einer sehr süchtigen Familie. 
Egal ob stoffliche oder nichtstoffliche Abhängigkeit, alles war vertreten.
Ich habe mich mit der Gefahr, selbst weiter süchtig zu werden, intensiv auseinander gesetzt und kam so von einigen Menschen (meist Männern) los und auch von den Kippen. (Ich freu mich schon wie Bolle, wenn ich die 100-Tage-Marke erreiche!!! :-)

Deswegen interessierte mich auch der Abschnitt Sucht aus dem Buch Symbiose und Autonomie von F. Ruppert sehr.
Das Buch stellte ich in diesen beiden Post schon vor:
Eure Kinder sind nicht Eure Kinder 



Sucht und Symbiose:
Sucht ist:
  • eine Überlebensstrategie um hochkommende Traumagefühle zu unterdrücken/übertönen
  • diese bevorzugte Strategie hat in manchen Familien Tradition über viele Generationen, dabei geht es nicht nur um Sucht, sondern allgemein um Traumaverdrängung durch Arbeits -Konsum-oder Spielsucht. Oft wird sich hier gegenseitig unterstützt und ermuntert die Verdrängungsmechansimen zu leben.
  • das Abspalten der eigenen Gefühle führt zu innerer Leere, die dann durch künstlich erzeugte Körpersensationen und durch Überaktivität gefüllt wird. Weil der innere Bezug fehlt gibt es keine natürliche Sättigung und kein inneres Empfinden dafür, wann es genug ist.
  • Ein Mechanismus: symbiotisch bedürftige Kindanteile verbinden sich mit einem Traumagefühl der Eltern, weil sie sich sonst allein und verlassen fühlen. Nur über diese Traumagefühle kommen sie mit einem anderen Menschen und damit mit sich und ihrem Körper in Kontakt. Diese spezielle Gefühlsqualität versuchen sie später mithilfe einer Droge immer wieder herzustellen, weil es zumindest eine Illusion eines zwischenmenschlichen Kontaktes verschafft. Man klammert sich mit aller Kraft an dieses Gefühl – das man sich selbst immer wieder künstlich erzeugt, dadurch bleibt aber die emotionale Entwicklung auf einer sehr frühen Stufe stehen! (viele Süchte erinnern nicht zufällig an kleinkindhaftes Verhalten in der Forderung, Bedürfnisse von außen und ohne Aufschub befriedigt zu bekommen). Da viele symbiotische Bedürfnisse nach Wärme, Geborgenheit und Umsorgtsein niemals befriedigt wurden, sind Alkohol, Cannabis und Heroin beliebte Drogen bei symbiotisch bedürftige Menschen.
Das Überlebens-Ich will die negativen Folgen einer Drogensucht nicht erkennen, im Gegenteil es wird als Heilmittel für die unerträglichen emotionalen Zustände benutzt, die jedoch immer mehr von der Droge selbst hervor gerufen werden.
Traumatisierte wiederholen mit ihrer Sucht die ursprünglichen Traumatisierungen: sie nehmen keine Rücksicht auf ihren Körper, verletzten/vergiften sich selbst, versuchen den Dauerstress unter dem sie stehen mit Hilfe der Drogen auszuhalten, gesunde Reflexe (wie den giftigen Rauch nicht zu inhalieren) haben keine Chance sich gegen das Überleben-Ich zu wehren.

Süchtige suchen und finden sich, weil sie dieses symbiotische Unterversorgtsein im anderen Süchtigen unbewusst sofort erkennen und ihm helfen und trösten wollen. So gehen schwerstabhängige Menschen symbiotisch verstrickte partnerschaftliche Beziehungen ein und bekommen gemeinsame Kinder, die in großer Gefahr sind, die nächste Generation süchtiger Menschen zu werden.

Um aus dem Suchtprozess auszusteigen, braucht es Persönlichkeitsanteile, die trotz jahrelangen Drogenkonsums und Traumatisierungen noch gesund geblieben sind!

Eine sehr interessante Seite von einem Betroffenen (Süchtigen):

Kommentare:

  1. stimmt, sher gut beschrieben ..ein intressanter Suchtbericht!

    Lieben Gruss Elke

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  2. Ich sag's dir, wenn ich nicht schwanger geworden wäre, hätte ich das mit dem Rauchen sicher nicht gelassen, und ab und an ist der Drang nach einer Kippe immer noch sehr penetrant... am Schwersten wird es bestimmt nach der Geburt. Da fangen sooo viele Frauen wieder an...

    Aber mal zu einem anderen Thema, schau mal, ist das auch was für dich?
    http://www.vachss.de/mission/dispatches/disp_9408_a.html

    Gruß, Keks

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  3. Ich find es eine lohnenswerte Sache, hinter diese ganzen Mechanismen und Muster zu kommen, zu verstehen, was da in einem abläuft. Schnell verurteilt man sich ja dafür, wenn man wieder schwach geworden ist. Das die Selbstverurteilung und Abwertung ein Teil des Problems ist und keineswegs ein Teil die Lösung, das habe ich erst mit der Zeit begriffen.

    Viel Erfolg beim Rauchfrei-Bleiben!

    Anne

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  4. @ Elke, ja ich fand das Buch klasse!

    @ Keks, jetzt hast Du monatelang nicht gequalmt, was meinste wie eklig da die erste schmeckt..und wenn Du stillst kannste noch paar Monate drauf packen...also, dann kannst es doch gleich lassen und denk an die Leute die es GESCHAFFT haben, nicht an die die wieder quarzen!
    Jau die Seite bringt mir immer wieder Tränen, danke nochmal fürs erinnern! ;)

    @ Anna da hast Du vollkommen recht ;-)
    Liebe Grüße

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