Samstag, 2. Juni 2012

Emotionalen Löcher

Das Bedürfnis gesehen, geschätzt, geliebt und anerkannt werden hat wohl jeder. (Ja auch hier gibt es natürlich auch ganz wenige Ausnahmen)
Wenn das Bedürfnis nicht oder unzureichend gestillt wird, wird es immer größer und wird so zur Bedürftigkeit.

Bei mir ist das seit einiger Zeit Thema. Mich selbst schonungslos und urteilsfrei ansehen: Was ist mit meinem ungestillten Bedürfnis? Wie gehe ich damit um? Und wie die anderen?

Selten sagt jemand: "Ich fühle mich ausgeschlossen. Nicht genug beachtet!" Das ist peinlich oder kindisch oder...

Und wenn man einmal dafür seine Augen geöffnet hat, sieht man so viele emotional bedürftige...
Der Typ mit dem dicken Auto und der lauten Musik sagt doch nichts anderes als: "Seht her! Seht ihr mich? Hört ihr mich auch? Ich bin was tolles, weil ich mir SO ein Auto leisten kann..."
Der Jugendliche der sich freut, weil er seine 1000. Freundschaftsanfrage im Gesichtsbuch erhält...wo er doch sonst niemanden hat...
Die Frau die sich ständig Schönheitsoperationen unterzieht, damit vielleicht endlich mal einer zu ihr sagt: "Du bist schön, ich mag dich!"
(wie gesagt ich verurteile das nicht!)

Man kann sich jetzt unglücklich machen und seinen Selbstwert nur von Außen abhängig machen oder selbst die Verantwortung übernehmen. Aber wie geht das? Wie sieht das aus? Man braucht doch Zuspruch von außen...aber nicht nur...
Gibst du dir selbst auch Zuspruch? Und Zuneigung und Anerkennung?

Ich war so lange der Zweckerfüller für andere, dass ich mich selbst fast auslöschte. Heute lasse ich mich nicht mehr benutzen, aber so bald es danach aussieht, werd ich wütend und beleidigt. 
Deswegen geriet ich mit einer Freundin aneinander.
Das erstaunliche: Sie blieb nicht in ihrer unterversorgten Kindrolle (dann wäre es im unproduktiven Streit und gegenseitigen Anschuldigen geendet) sondern sah sich, überließ mir meinen Teil (also klar abgegrenzt) und so konnten wir uns aussprechen.
Es war wunderschön! So schön, dass ich geweint habe und das ist echt selten!
Ich freue mich sehr über dieses Geschenk. Dass jeder so sein durfte wie er ist und sie mir ihre Sichtweise darlegte ohne subtilen Hintergedanken/Manipulationen..ect.

Nicht als Person angesehen zu werden, sondern nur ein Mittel zum Zweck zu sein, ist meine größte Wunde.
Ich habe sie offen gelegt. 
Ich glaube und hoffe, dass der gröbste Schmerz vorüber ist (der Tag an dem ich zum Krisendienst fuhr). 
Ich schaue sie mir an. 
Es ist nicht schön. 
Aber hoffentlich heilsam.

Kommentare:

  1. Es ist ganz sicher heilsam, alles braucht halt seine Zeit. Ich freue mich für Dich, dass Du die Erfahrung machen durftest mit Deiner Freundin, dass es auch Menschen wie sie gibt, mit denen man dann doch noch reden und so wieder zueinander finden kann. Wenn Wunden angetriggert werden, neigt man in der ersten Verletztheit dazu, wieder in die alten Muster zu verfallen - sich zurückziehen, um sich schlagen oder was auch immer man sonst tun würde. Und dann ist da endlich mal jemand, mit dem man dann doch drüber reden kann und wo man merkt - es gibt Menschen, mit denen kann man sowas auch besprechen, sich in der Verletzlichkeit zeigen und gemeinsam neue Wege betreten.

    Ich wünsche Dir noch ganz viele solcher Menschen in Deinem Leben, aber sie werden mehr und mehr werden, Du wirst sehen :)

    Die Wunde heilt - gib Dir Zeit :)

    Lg
    Maja

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  2. Schön geschrieben. Und toller blog übrigens!

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  3. Danke Maja, ja vor allem habe ich viel gelernt...welche Sachen ich negativ interpretiere und der andere das anders sieht und andere Vorstellungen davon hat. Das war eine wirkliche Begegnung...und eine tolle Ent-wicklung! :-)

    Hallo Milena und auch Dir Danke ;)

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