Freitag, 11. Mai 2012

Wunder Nr. 4

Wunder Nr.4 lautet:
"Mein Körper gehört mir!"

Wahnsinn oder? 
Ich weiß nicht wie ich das die letzten 32 Jahre meines Lebens nicht wissen konnte. (tja, ich weiß es schon, aber es ist so unglaublich).
Das ist fast so, als würde ich erst jetzt feststellen: 
Wow, das Gras ist ja grün!
Mir wurde immer eingeredet es sei mal lila, mal grau, mal durchsichtig.

Ich komm mir jetzt auch nicht blöd vor, diese..meine neue Wahrheit zu verkünden.
Denn ich glaube, dass es ganz vielen Menschen, vor allem Frauen und Kindern eben auch nicht bewußt ist. 
Wüßten das mehr, hätten mehr Menschen ein anderes Körperbewußtsein und mehr Selbstvertrauen zu sagen: Nein! Finger weg!

Ich darf entscheiden, wer mich wo und wann anfassen darf. Oder eben nicht!
Mir wurde etwas anderes vermittelt.

Dass es sexuelle Gewalt an Kindern gibt, ist ja schon bekannt.
Dass es auch Eltern sind, die mißbrauchen, ist auch bekannt, wenn auch noch zu sehr an der heiligen Elternliebe festgehalten und der Rest verdrängt wird (Eltern lieben ihre Kinder doch! Die tun sowas nicht!).
Wenn schon Eltern, dann ja eher der Vater. In der Fachliteratur heißt es: Über 90% der Sexualstraftäter sind männlich.

Dass die Mutter doch auch... ist noch nicht weit gesickert. Siehe Mythos Mutterliebe. Aber wenn schon die Mutter, dann verbreitet sie doch eher emotionale und körperliche Gewalt! (zaghaftes "oder"?).
Was? Mütter mißbrauchen auch sexuell? Unvorstellbar....(empörte Gesellschaftsmeinung).
Wenn schon, dann vergreifen sich Mütter doch an ihren Söhnen. So von wegen gegengeschlechtlich...

Mütter vergreifen sich sexuell an ihren Töchtern ?????
("völlig unmöglich, das gibts nicht, das schlägt ja dem Faß den Boden aus!!"" - empörte Gesellschaftsmeinung!!!).

JA gibt es.
JA es schlägt dem Faß den Boden aus.
DOCH es ist möglich. (und passiert wahrscheinlich öfter als man glaubt/glauben will).
Deswegen werden sich auch die Prozentzahlen irgendwann einmal verschieben!

Sexuelle Gewalt durch Frauen kommt erst langsam in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Ich fand noch recht wenig im Netz, habe aber auch nicht sonderlich lange recherchiert. Weibliche Gewalt ist anders, subtiler, weicher, versteckter und dennoch: genauso schädlich. Vor allem weil es weniger offensichtlich ist.
(wenn man bedenkt wieviele Frauen in der Kranken-und Kinderpflege tätig sind und dass diese ein gutes Bild abgeben: fürsorglich, pflegend, aufopferungsvoll, gütig...da kommt doch keiner drauf, dass die auch mal...so wenn keiner hinschaut...)

Und am Sonntag ist Muttertag.
Zum Glück habe ich das schon vor Jahren  für mich abgehakt. Schlechtes Gewissen ist nicht mehr vorhanden.
Trotzdem verspüre ich eine große Übelkeit... die tolle, liebe Mama
die sich ihren Spaß bei ihren Kindern holt, wird geehrt und gepriesen...

(PS: Und ich habe es geschafft die Mail an meine Therapeutin zu schicken. Es geht mir gut damit. DAVOR war ich im Wald, gönnte mir das Gute zuerst. War sehr passend: Jetzt bin ich ko und brauch mein Bett.
Und allein die Bewusstmachung warum ich derzeit wieder so unruhig agiere, half. Lieber mach ich meine 1000 Projekte, auch wenn das süchtigen Charakter hat. Es ist lange nicht so schädlich, wie rauchen oder saufen.)

Denn heute habe ich meine 8. cleane Woche voll. 
Das will ich mir doch nicht versauen!


Kommentare:

  1. Mail an die Therapeutin? Ich las zuletzt, Du wüsstest, womit Du ihr eine Freude machen könntest. Habe ich etwas verpasst?

    Sexueller Missbrauch an Kindern durch Männer und Frauen: noch immer macht die Welt die Augen zu. Die dazu bekannten Zahlen sind nicht repräsentativ - eben weil die Augen zu sind. Aber die Schätzungen sind erschreckend.

    Meine Mutter preise ich trotzdem. Jeden Tag. Denn ich bin mit einer tollen Mutter gesegnet.

    8 Wochen: es ist toll! Du bist stark!

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  2. Hallo liebe Regenfrau!

    Ich kann Deine Mail nur so unterschreiben...
    Auch wenn es bei mir nicht die direkte körperliche sexuelle Gewalt war von ihrer Seite aus, sondern versteckte subtile die mich an meinem Verstand haben zweifeln lassen. Zwang an einer Kinderseele auszuüben, oder jugendlichen Seele, ist etwas ganz furchtbares!

    Sei stolz auf Dich! Ich bin es, auch wenn ich Dich nicht kenne... ich weiss, das war schwerstarbeit!

    Lg Wunschleben

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  3. Oh ja - die liebe Mutter - dabei ist es gar nicht so selten, aber halt noch so viel mehr Tabu als das Thema Missbrauch an sich.

    Ich denk an dich - und gut dass du die mail geschrieben hast! Mir fällt es auch immer leichter sowas aufzuschreiben. Und oft ist das wegschicken auch ein Stück "abgeben" oder "wegpacken".

    Zu den 8 Wochen - wow! Da kannst du sehr stolz auf dich sein!

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  4. Danke erstmal für Eure Antworten. Ist ja immer ein heikler Schritt und zu oft habe ich schon erfahren, dass die (meine) Mutter (obwohl unbekannt) total in den Schutz genommen wurde und ich wieder wie blöd da stand, weil eben: Nestbeschmutzerin ect..

    @ Rostkopp: Letzter Post weiter unten schrieb ich das Angebot meiner Thera, dass ich das per Mail schreiben könne. Ich will ja keinem die Mutterliebe absprechen. Gucke aber immer etwas erstaunt bzw. misstrauisch wenn jemand sein Verhältnis zu den Eltern so lobt. Irgendwie kann ich das nicht glauben...seltsam

    @ Wunschleben. Jegliche Gewalt/Nötigung/Manipulation ist shit. Und vermischt sich auch, denn das eine geht nicht ohne dem anderen. Danke..ja ist noch Schwerstarbeit...

    @Ilana: Ja wie recht Du hast, war ja meine 1.Mail an die Thera und ich fühle, dass das Wochenende tatsächlich mal wieder etwas entspannter werden kann. Hab auch an Deine Geschichte gedacht, vor allem weil meine Mutter aus dem med. Bereich kam und dadurch genug Möglichkeiten hatte.

    Hallo Ina,
    natürlich kommt man irgendwann in ein Alter wo man das nicht mehr mag/einem peinlich ist. Wenn aber mehr dahinter ist, mehr Widerwillen/Abneigung...ach es ist schwierig.
    Meine Mutter gab mir die sexuelle Energie in ihren Berührungen/Handlungen durch ihren Missbrauch weiter, wahrscheinlich unbewußt.
    Das ist meist so, wenn man solche Sachen nicht wirklich anschaut, verarbeitet...auch bei anderen Traumatisierungen.
    Schön, wenn Du so gut für Dich sorgst und Abstand wahrst. Ich wünsche Dir weiter viel Kraft! Ich weiß wie anstrengend solche Eifersuchtsattacken sind. Es ist ihr Problem, schaue weiter auf Dein Leben und mache das was Dir gut tut...
    Danke, Dir auch einen schönen Sonntag wahrscheinlich mit Söhnen? ;)

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  5. Obwohl es nicht immer einfach mit ihnen ist, habe ich tolle Eltern, auf die ich so gut wie immer zählen kann. Nichts desto trotz gab es auch bei uns (zwischen meinem Vater und mir und zwischen meinen Eltern) wirklich schwere Zeiten und Vertrauensbrüche, die heute noch nachwirken. Es gab väterlicherseits seelischen Missbrauch aus Unvermögen und Hilfosigkeit, Krankheit, Depressionen, Ungerechtigkeit, Druck, zeitweise zu viele Spielhallenbesuche und zu viel Alkohol. Aber irgendwie hat er immer gerade ebenso noch die Kurve gekriegt, bevor er sich nicht mehr retten konnte.

    Es gibt auch heute noch große Enttäuschungen, aber sie haben beide auf ihre Art und Weise ihr Bestes gegeben und mir andererseits wunderbare Zeiten geschenkt, das würdige ich und ich weiß es zu schätzen. Viele Beweggründe verstand ich erst im Laufe der Jahre und an der einen oder anderen Stelle bin ich nicht weit vom Stamm gefallen. Ich liebe meine Eltern und ich bin stolz darauf, was sie - trotz schlechter Startbedingungen geschafft - und uns Kindern ermöglicht haben. Ich würde keine anderen haben wollen.

    Auch beim Thema "sexueller" Missbrauch kann ich mitreden, allerdings zum Glück nicht elterlicherseits. Allerdings trage ich das bis heute überwiegend mit mir allein herum, weil zu der Zeit, als es geschah gerade eine meiner stärktsten Bezugspersonen (mein Opa) gestorben war und ich nicht genug "Zutrauen" in die Anderen (auch meine Eltern) hatte, um mich anzuvertrauen.

    Eigentlich dumm, den meine Eltern haben mich immer geschützt, wenn meine (doofe) Oma mal wieder übergriffig wurde.

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    1. Hallo liebe Rostkopp,
      danke für Deine Schilderung. Das klingt für mich schon eher realistisch, wenn man beide Seiten sieht.
      Ich wünsche Dir noch viele schöne Zeiten mit Ihnen!

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