Montag, 7. Mai 2012

Wenn der Hund ohne Leine ist...

..dann kann er hierhin und dorthin, schnüffeln, buddeln, laufen, jagen...er ist frei.
Anders der Hofhund an der kurzen Leine. Er sieht immer denselben Ort.
Ich fühle mich derzeit, als wär ich das erste Mal ohne Leine unterwegs. Ich sprühe vor Ideen, ich schreibe, bastel, lese...eigentlich müsste mein Hirn langsam qualmen. Aber nein, es läuft gut so auf Hochtouren, endlich mal laufen lassen, ohne übernommene unsinnige Verbote, ohne inneren Kritiker oder inneren Familienchor. Einfach mal schauen was da so ist zwischen meinen Ohren.
Es ist herrlich, ich genieße es, ich habe das Gefühl, als wären 10 Hundewelpen in mir ausgebrochen und erkunden das Leben!
Anstrengend ist es auch, ich komme schwer zur Ruhe. Denn sobald ich liege oder döse fallen mir erst recht neue Ideen ein.
Es ist auch eine Anspannung da, durch die Verzettelung. Die tut mir nicht gut. Früher hab ich genau da sehr viel geraucht. Und dann steht da neben mir eine junge, gut gestylte Frau mit Bier und Kippen und sofort denke ich: Das ich das jetzt auch brauche. Diese Frau verkörpert das, was uns auch die Werbung vorgaukelt: Dass das alles cool ist und zu einem hippen Leben dazu gehört. Ich stelle mir die Frau in 20 Jahren vor, beiße die Zähne zusammen, dreh mich um und gehe schnell nach Hause.
Um also meinen Geist und meinen Körper wieder etwas zur Ruhe zu bringen, zog ich ein gutes altes Buch raus:

Denken mit Henry David Thoreau: Von Natur und Zivilisation, Einsamkeit und Freundschaft, Wissenschaft und Politik

 Der Mann der in den Wald zog um das Leben kennen zu lernen. Das wahre Leben!
Einige Zitate:
"Überflüssiger Reichtum kann nur Überflüssiges kaufen."

"In der Gesellschaft vieler Menschen oder mitten im sogenannten Erfolg finde ich mein Leben unbedeutend und meine Stimmung sinkt schnell."

"Wir verzetteln unser Leben in Kleinigkeiten. Einfachheit! Einfachheit! Führe Buch auf deinem Daumennagel. Es wird zu schnell gelebt, man hält es für wichtig, dass die Nation Handel treibt, Eis exportiert, über den Telegraphen (!) spricht und dreißig Meilen in der Stunde zurücklegt." 

"Warum leben wir denn in solcher Hast und Verschwendung?(Thoreau lebte von 1817 bis 1867 - Was würde er zu dem heutigen Treiben sagen?)"

"Wie hohl und wirkungslos unsere gewöhnliche Konversation doch ist! Oberfläche trifft auf Oberfläche. Wenn unser Leben nicht mehr nach innen gewandt und privat ist, entartet die Konversation zu reinem Klatsch. Wir stoßen selten auf einen Menschen, der uns Nachrichten überbringen kann, die er nicht in der Zeitung gelesen oder von einem Nachbarn erfahren hat, und meistens ist der einzige Unterschied zwischen uns und unserem Mitmenschen der, dass er die Zeitung gelesen hat oder zum Tee eingeladen wurde und wir nicht. In dem Maße, in dem unser inneres Leben versiegt, gehen wir regelmäßiger und verzweifelter zum Postamt. Du kannst dich darauf verlassen, dass der arme Kerl, der, stolz auf seine ausgedehnte Korrespondenz, mit der größten Anzahl von Briefen herauskommt, von sich selber lange nichts mehr gehört hat."

Ich atme auf, entspanne meinen Körper, räume meine Wohnung auf, weil mich jetzt die vielen Gegenstände und das Chaos um mich herum nerven...

und ja, manchmal würd ich auch gerne in einer kargen Hütte leben....

Kommentare:

  1. Schöne Zitate vom guten alten Thoreau - und schöne Einträge von dir.

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    1. Hallo und Danke!
      Kann ich besten Gewissens an Dich zurück geben :-)

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