Donnerstag, 17. Mai 2012

Vergrab dich nicht zu sehr...

... meinte letztens eine Bekannte.
Oh doch und wie ich das tue!
Und wie gut es mir damit geht!

Es gibt diese Zeiten, in denen ich weder Menschen noch das Alleinsein ertragen kann.
Das ist ein doofer Zustand. Man steckt in einer patt-patt-Situation: Egal was, es ist nicht richtig.
Dann gibt es die Zeit, in der ich gerne mit Menschen etwas erlebe. Gut, der ist recht selten, kommt aber vor.
Und dann gibt es die Zeit, in der ich mich absolut wohl fühle, wenn ich alleine bin. Über längere Zeit. Mit keinem reden muss, kein schlechtes Gewissen habe, wenn ich  eine Verabredung absage, weil ich mir selbst so nah bin und mir das nicht wieder durch andere kaputt machen  will. Der Zustand ist auch sehr selten, leider, denn in dem fühl ich mich am wohlsten:
Keine Verantwortung für andere. 
Erinnert mich an die Zeit, als ich in eine psychosomatische Klinik ging. Jeder wußte, dass ich erst mal nicht zu erreichen bin. Doch die Klinik war der blanke Horror (heute kann ich über dieses Friede-Freude-68er-Gedöns lachen) und ich reiste noch am selben Tag wieder ab.
Und dann das Paradies: Nur eine wußte, dass ich wieder zuhause bin (die Frau die meine Hausschlüssel hatte), ansonsten dachten alle, ich habe anderweitig zu tun.
Herrlich, kein Telefon, kein Gedanke:"Ach da müsste ich auch mal wieder melden!" kein Termin...nix. Völlig egozentrisch konnte ich tun und lassen was ich wollte. Und mich nur auf mich konzentrieren!
In solchen Momenten, wäre ich in den tiefsten Wäldern Schwedens sehr sehr glücklich ;)
Derzeit bin ich wieder auf diesem Alleinsein-trip. Das erkenne ich u.a. auch daran, dass ich "wenig emotional mitschwinge" wie es so schön im Klinikbericht hieß. Man könnte auch sagen, dass ich kalt sei und mir die Belange der anderen (meist der näher bekannten Menschen) ziemlich sonstwo vorbei geht. *schulterzuck* is halt so...
Es ist auch nix anderes als purer Selbstschutz.  
Weitere Verletzungen ertrage ich nicht mehr.
Ich habe das Gefühl, dass ich wieder "ganz" bin. Alle verstreuten Fragmente fügten sich wieder zusammen.
Unter psychischer Integrität versteht man:
*Geschütztes Rechtsgut,das das Empfindungsleben,die Vorstellungswelt,das Gefühlsleben,die Selbstachtung,die Willens-und Betätigungsfreiheit und das Recht auf Identität,Individualität und freie Entfaltung der Persönlichkeit umfasst.*
Das alles fiel für lange Zeit unter "Fremdwörter" die ich weder kenne , noch verstehe. Langsam komme ich dahin. Und aus Angst, dass mir das wieder jemand zerstört, bleibe ich lieber allein. Ich glaube für meine Eltern wäre diese obige Erklärung so ungeheuerlich und schwer zu verstehen, wie für die damaligen Menschen der Beweis, dass die Erde rund ist!

Zitat Arno Gruen
Selbsthass entsteht durch autoritäre Erziehung, durch Erziehung zum Gehorsam. Das eigene Sein des Kindes wird nicht akzeptiert. Stattdessen muss es den Erwartungen der Eltern entsprechen. Die eigenen Bedürfnisse des Kindes haben keinen Platz. Was ein Kind in sich spürt, muss verborgen werden, weil es die Beziehung zu den Eltern gefährdet. Das kann ein Kind sich nicht leisten, denn es ist auf die Versorgung durch die Eltern angewiesen. Um diese Versorgung zu sichern, muss ein Kind das Eigene, das von den Eltern zurückgewiesen wird, beiseite schieben. Das Eigene wird als etwas Fremdes abgespalten, das Kind entfremdet sich von seiner eigenen Sichtweise und seinem eigenen Erleben. Um überleben zu können, arrangiert sich das Kind mit den Eltern - es fängt an, die Eltern, so missbrauchend und lieblos sie auch sein mögen, zu idealisieren. Das Kind kann die Eltern nur dann als liebevoll erleben, wenn es ihre Grausamkeit als Reaktion auf sein eigenes Wesen interpretiert - die Eltern sind grundsätzlich gut; wenn sie einmal schlecht sind, dann ist das Kind selbst daran schuld. Damit übernimmt das Kind die lieblose Haltung der Eltern sich selbst gegen über. Alles, was ihm eigen ist - seine Gefühle, seine Bedürftigkeit, seine Art der Wahrnehmung wird zu einer existenziellen Bedrohung und deshalb gehasst.

Die Identität, die ein so erzogenes Kind entwickelt, orientiert sich nicht an eigenen inneren Prozessen, sondern am Willen einer Autorität. Zugleich aber lauert im Hintergrund die Wahrnehmung über die Eltern, wie sie wirklich sind. Das macht dem Kind Angst, es muss sich vor dieser Wahrheit schützen, indem es auf dem idealisierten Bild, der Pose der Eltern beharrt. Deshalb hasst es alles, was es an das abgespaltene Eigene erinnert.
Ich kann alle Bücher von Arno Gruen wärmstens empfehlen!
Ich stecke zwar derzeit nicht im Selbsthass, aber doch in einem ziemlichen Ärger auf andere und dieses Zitat war meine frühere Wahrheit.
Mir scheint, dass ich entweder  nur bei meinen Belangen,  Gefühlen, Wahrnehmung oder bei denen meines Gegenübers sein kann.
Eine gesunde Mischung von beiden ist mir derzeit, wenn überhaupt,  selten möglich.
Heute orientiere ich mich an meinen eigenen inneren Prozessen...
http://menschwerdung.wordpress.com/2012/04/07/depression-und-uberforderung/

http://www.alice-miller.com/leserpost_de.php?lang=de&nid=2752&grp=0809

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