Freitag, 4. Mai 2012

Schlechtes Gewissen

Es geht mir gut.
Es geht mir schon seit Wochen gut! (bis auf kleine Seelentiefs, die aber völlig im normalen Rahmen waren)
Es geht mir gut und ich kann es zu wenig genießen.
Eher das Gegenteil ist der Fall: Entweder schäme ich mich dessen oder ich habe ein schlechtes Gewissen, mit dem Satz: "Ich darf das nicht!"

Genährt werden diese zwei Gefühle dadurch, dass ich mir denke, dass andere denken: "Ahja sieh an, kaum ist die in Rente gehts der wunderbar. Also doch arbeitsfaul."
So... zeitgleich habe ich aber auch und endlich den schon dringend nötigen Kontaktabbruch zur gesamten Familie (außer 2 ferner Verwandten) geschafft.
Also, an was liegt es?
Genährt werden diese zwei Gefühle außerdem noch dadurch, dass ich fast täglich höre: " Boah bist du schon braun!" 
Jaaahaaaa, weil: 1. ich viel draußen bin, mit Rad und Hund, was ich wiederum brauche um mein Seelenheil zu schützen und 
2. brauch ich nur das Wort SONNE denken, bin ich schon braun.

Ja, ich freu mich fast täglich über meinen Freiraum! Um endlich herauszufinden, wer ich bin und was ich mag. Eigentlich macht man sowas in der Pubertät. Die gab's bei mir nicht. Also klar gab's die, aber ich musste mich eher um die anderen kümmern, als um mich. Beziehungsweise versuchen in einer desaströsen Familie nicht völlig unterzugehen.

Ja, ich habe das Glück, dass ich tun kann was ich will und dafür auch etwas Geld/Naturalien bekomme, wenn auch nicht viel, aber immerhin muss ich nicht drauf zahlen.

Ich muss nicht leiden, um eine Existenzberechtigung zu bekommen.
Ich muss auch nicht verschämt auf den Boden gucken, wenn mich meine Therapeutin lobt und sich mit mir freut. (ich kenne das einfach nicht und werde daher mißtrauisch).
Ich darf endlich wieder alles und vieles genießen! Sei es das Eis mit Kirschen, der Sonnenuntergang, die neue Bluse, die Minibackform die ich bekam, mein Rad, ein entspannter Morgen...weil ich all das so lange vor lauter Angst und Depression nicht konnte!

Ich glaube ich brauch noch ein wenig Zeit, um mich daran zu gewöhnen, dass ich für mich an erster Stelle stehen darf!
dass ich ganz oft Dinge tun darf, die mir Spaß machen!
dass ich täglich Freude empfinden darf!
dass ich all die Fülle leben darf!
dass ich mich gut um meinen Körper, meine Seele und meinen Geist kümmern darf, ja es fast tun muss!
dass ich authentisch meine Gefühle zeigen darf!
dass ich in Ordnung bin, so wie ich bin und mich nicht mehr verstecken muss!

Ich hoffe, dass ich folgendes nie vergessen werde:
Dass es mir schadet, wenn ich schlecht mit mir umgehe und nur den Leuten hilft, die mit sich selbst nicht zufrieden sind und es nicht aushalten, wenn es anderen besser geht! Das ist nicht mehr mein Problem!

Kommentare:

  1. Genieß Deine Zeit, so lange und so viel Du kannst! Du darfst das! Eine Rente bekommt man heute nicht mehr "einfach so". Das war schon früher nicht so leicht.

    AntwortenLöschen
  2. Deinen Blog habe ich gerade erst entdeckt und nur wenige Beiträge gelsen. Aber sicherlich werde ich mir in der nächsten Zeit auch immer mal wieder alte Beiträge lesen. Und natürlich auch gleich verlinkt....
    Ich finde es toll, dass Du die Gedanken bewusst wahrnimmst und angehst.
    Wenn Du es nicht nötig hättest, dann wäre keine Rente bewilligt worden.

    Alles Liebe!

    AntwortenLöschen
  3. Ich lese schon seit längerem Deinen Blog und muss Dir endlich mal schriftlich DANKE sagen. Du hast mir i.Bz. auf mich die Augen geöffnet und erst durch Deine Beiträge wurde mir klar, dass ich jetzt (mit Mitte Sechzig) so bin wie ich bin (Einzelgängerin, beziehungsunfähig, egoistisch, usw.usw.)weil ich schon vor vielen Jahren Therapien gebraucht hätte. Meine Kindheit war geprägt von Gewalt, die sich dann mit meinem Ex-Ehemann fortsetzte, bis er mir schliesslich meine Kinder nahm (Sohn war 8, Tochter 12). Das ist jetzt über dreissig Jahre her, aber verwunden habe ich es immer noch nicht und werde es wohl auch nie. Für eine Therapie ist es zu spät (und wäre hier in Spanien auch viel zu teuer). Daher lebe ich mein Leben als Rentnerin so, wie Du es beschreibst: Ich tue (meistens) nur das, was ich möchte und versuche, mich liebzuhaben.
    Ich umarme Dich.
    Greta

    AntwortenLöschen
  4. @ Rostkopp jaaaaaaaa ich weiß...sagen mir so viele, kam nur noch nicht so ganz bei mir an.... :-)

    Hallo Wunschleben (der Name ist super :-) ) herzlich willkommen hier!

    Hallo Greta, danke auch für Deinen Kommentar! Wenn auch spät (besser als nie) immerhin kannst Du Dich jetzt genießen und das was Du gerne machst. Bleib bei dem JA zu Dir selbst. Bei mir liegt oft die Karte: Es hat seinen Grund, dass ich bin - wie ich bin. Und so ist es bei Dir auch.
    Liebe Grüße und eine Umärmelung zurück

    AntwortenLöschen