Sonntag, 20. Mai 2012

Klartext

"Dann weht hier ein anderer Wind!" war eine oft ausgesprochene Drohung meiner Mutter. Eine sehr diffuse Drohung und ich glaube, das war Absicht. Sie wußte selbst nicht genau wie sie mit uns umgehen  oder wie dieser "Wind" aussehen sollte.
Sie war total überfordert.
Jedenfalls tat es seine Wirkung. Es wehte zwar nie ein anderer Wind, aber eine Zeitlang gehorchten wir wieder sehr :)

Ich hab mir das heute selbst gesagt: "Wird Zeit, dass hier ein anderer Wind weht!"
Und im Gegensatz zu meiner Mutter weiß ich genau was anders werden soll: Meine Abgrenzung.
Mehr Klartext reden, was in mir vorgeht und was das Verhalten des anderen in mir auslöst bzw. wie ich das finde. Meine Wünsche, Bedürfnisse und evtl. auch meine Konsequenzen ansprechen.
Das ist Horror für mich.
Wie der Gang zum Schafott.
Pure Vernichtungsangst.
Als Kind darf man seine Eltern/Lehrer ect. nicht kritisieren (zumindest nicht in einem extrem autoritären Umfeld).
Dieses Verbot habe ich immer noch in mir. Die Angst vor Strafe oder allein gelassen zu werden, ließ mich viel zu lange schweigen.
Und deswegen war mir grad kotzübel als ich  meine Meinung/Gefühle mitteilte.

Das Wissen wer in mir Angst hat, half. Denn so kann ich mich besser um mich kümmern: Welche "Strafe" könnte eintreten? Ist es so schlimm, diesen Menschen evtl. zu verlieren?
Wenn ich alle Möglichkeiten durchspiele (was passieren könnte) kommt zwar Traurigkeit und noch so einiges, aber so schlimm, dass ich dran sterben könnte, ist es nicht.
 Realitätsüberprüfung nennt man das ;)
Das erste Konzert, als ich meine Meinung geigte, ging gestern in die Hose. Lag aber nicht an mir, sondern an der Technik. Trotzdem ist eine Entschuldigung von mir fällig. Und hat mich nicht gehindert, es bei der nächsten Person wieder zu versuchen.
Früher war: Schweigen, Rückzug, alles in mich fressen. Oder: Tabula Rasa in Form eines Orkans, wo danach kein Stein mehr auf dem anderen steht.

Also manchmal habe ich schon das Gefühl, dass man immer mehr Leuten klar machen muss was unter Höflichkeit/Anstand/Wertschätzung zu verstehen ist.
Andererseits: wem ich das erst erklären muss...?!?!?!

Auf jeden Fall hab ich es satt die Aggressionen, die eigentlich zu jemand anderem sollen, gegen mich zu richten.
Warum schütze ich immer die anderen anstatt mich?

Draußen weht übrigens nix. Kein neuer, kein alter, kein anderer Wind. Draußen ist es sehr schwül. 

Der Tag war heftig, zwar etwas besser als gestern, aber ich bin froh, wenn ich ins Bett verschwinden kann.
Ich weiß nicht wie oft ich den Impuls, zur Tanke zu fahren um Bier und Kippen zu holen, unterdrückt habe. Das schlaucht.

Noch was schönes,
neulich beim Bäcker:  :-)









Kommentare:

  1. Ich finde es gigantisch gut, dass du das mit dem Nichtrauchen schon so lange durchgehalten hast! Muss jetzt auch mal gesagt sein :-)

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    1. Danke ;)
      Richtig hart waren die letzten Tage.
      Davor gings eigentlich recht leicht. Darf wieder so leicht werden...

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