Samstag, 26. Mai 2012

Der wunde Punkt

"You can't stop the waves,
but you can learn to surf."

Ich musste sehr schmunzeln, als ich diesen Satz las.
Wo doch meine Familie keine Probleme hatte!
Die segelten einfach gemütlich über die immer ruhige See. 
Nie gab es einen Sturm! Nein, wir lebten alle in einer heilen Welt.
(Meine Familie glaubt das immer noch.)
Klingt wie ein Märchen. 
Aber selbst in den Märchen gibt es Stürme, Bösewichte und Not!

Wie fatal. Und wie schade.
Vor allem für die Kinder ist der Schaden nicht unbeträchtlich. 
Die sehen doch, dass es da Stürme gibt und sagen das auch!
Aber ihnen wird vermittelt, dass sie das falsch sähen, dass ihre Wahrnehmung nicht stimmt.
Selbst wenn ihnen böses angetan wird, dürfen sie nicht 'aua' sagen. 
Richtig pervers wird es, wenn ihnen das nicht nur verboten wird, sondern es soll ihnen auch noch gefallen.
Ja ist das nicht einfach toll, wenn man ständig erniedrigt, gedemütigt und geschlagen wird?
Da gerät nicht nur das Boot, sondern die ganze Welt aus den Fugen.

Im Moment spüre ich wieder meine Schmerzen und ich traue mich nun wieder nach sehr sehr langer Zeit zu sagen: "Das tut mir weh! Das kränkt mich!"
Und leider passiert wieder genau dasselbe: Der andere will natürlich nicht fehlerhaft sein und schlägt zurück, wehrt seine Schuld/Schamgefühle in irgendeiner Form ab: Kontaktabbruch, verdrehen der Wahrheit, Ausreden, gegenseitige Anschuldigungen, bis hin zu Aggressionen.
Da wurden und werden wunde Punkte getroffen. Selbst wenn man nur von sich spricht.

Der Spieß dreht sich und ich habe wieder einmal das Gefühl, dass ich wieder der Depp sei, falsch sehe/fühle,  der andere hat alles richtig macht...nur ich wieder: zu empfindlich , ich müsse doch den anderen verstehen...ect.

Hinzu kommt die Angst vorm verlassen werden. Alles nicht so einfach. Oft brodeln die Emotionen hoch, der andere ist auch schon auf der Lauer...

Mich macht das traurig. Und im Moment hab ich für so eine "Beziehungsarbeit" auch keinen Nerv. Ich würde mir einfach wünschen, dass der andere mich auch mal versteht, auch mal seinen Fehler eingesteht...von Entschuldigung und Wiedergutmachung wage ich ja schon gar nicht mal zu träumen!
Wahrscheinlich wünsche ich mir das am allermeisten von den Eltern.

Ich lese gerade das Buch "Ohrfeige für die Seele von Bärbel Wardetzki".
Ja ich bin ein Selbsthilfebuchjunkie wenn sich ein neues Thema bei mir auf tut :)
Das Buch ist super! Weniger aufwühlend/anklagend wie die von Alice Miller, aber die gleiche Thematik: emotionale Mißhandlung/Vernachlässigung/Mobbing in der eigenen Familie...und zudem mit mehr Tips um aus diesem Täter-Opfer-Spiel auszusteigen und wie man mit Zurückweisungen besser umgehen kann.
Trotzdem kann ich meist nur ca. 1 Seite lesen, um dann wieder in Gedanken zu versinken.

Aber es wird Zeit mir diese Wunden anzusehen.
All die Schmerzen dazu, habe ich jahrelang u.a. mithilfe der Zigaretten verdrängt.
Das Faß, mit all den Kränkungen, ist definitiv voll!!!

Kommentare:

  1. Du redest mir wieder aus der Seele... der Böse Böse der immer alles falsch versteht, das sind natürlich immer wir...

    bleib standhaft und lass dich nicht unterkriegen, du bist nicht die Schuldige!!!

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  2. ja.

    same here:
    know your name.
    be who you are.
    stay strong.

    alles gute dir!

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  3. Danke Euch beiden!
    Ich bin grad echt am hadern was mein Anteil dabei ist und der des anderen und bei meiner Wahrnehmung bleiben.
    Tja..Lernprozesse gehn halt nicht so flott wie ich das gern hätte :)

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