Donnerstag, 12. April 2012

Sowas wie Urlaub

So jetzt ist erstmal Therapiepause von 2 Wochen.
Ganz ehrlich: Ich bin froh drum. Wir hatten nun durchgehend seit November jede Woche einen Termin (ok bis auf einmal). Irgendwie ist grad die Luft raus und die Lust weg. Ich glaub, das ist auch normal.

Jedenfalls hatten wir heute das Thema Gelassenheit bzw. dass 80% Einsatz reichen (manchmal sogar nur 50 oder 30%!!!!!).
Derzeit kann ich das ganz gut. Ich erlaube mir, etwas verplanter als sonst durch die Welt zu stolpern. Über mich zu lachen und einfach mal den inneren strammen Max loszulassen.

Es geht da wirklich um Kleinigkeiten, wie auch mal müde zu einer Verabredung zu kommen, keine perfekt abgestimmten Klamotten zu tragen, die Haare auch mal etwas unordentlicher zusammenbinden als sonst, etwas nicht zu verstehen, 2 Wochen nicht zu bügeln...
Jaaaaaaaaa so eine 1000 prozentige bin ich. War ich?

Vor Jahren kaufte ich meine 1.Couch und durfte somit wieder lernen, wie man gammelt, herum fläzt und so. Das stelle man sich mal vor!
Als wir heute meine letzte Arbeitsstelle durch gingen und wie ich mich da selbst immer antrieb und durch peitschte und nie irgendwas ablehnte mit den Worten: "Du heut nicht, mir gehts nicht so gut!"
kamen mir dann doch vor Betroffenheit die Tränen.
Die Worte meiner Therapeutin:" Allein wenn ich mir das schon vorstelle bin ich ganz kaputt. Das ist unmenschlich, das schafft kein Mensch-jeden Tag!" ließen mich noch tiefer fühlen:
JETZT sehe und fühle ich vor allem, was ich mir da angetan habe.
JETZT ist mir klar, warum ich von dort (dem Job) gehen musste.
JETZT ist mir auch klar, warum meine Kollegen das leichter schafften. Ich sehe was die taten bzw. eben nicht.
JETZT ist mir klar, dass ich immer wieder bezüglich Arbeit so eine trotzige, rebellische Verweigerungshaltung einnahm und am liebsten irgendwo im Wald in einem Häuschen wohnen wollte oder wo meine Todessehnsüchte herkamen:
Es ist eine gesunde Haltung meiner Seele, die mich davon abhält so lange weiter zu ackern, bis ich total zusammen klappe und auf der Intensivstation wieder aufwache.
Soweit entfernt davon, war ich da nicht.
Ich verurteile meine Hippiephantasien nicht mehr. Ich verstehe mich.
Ich sage: Alles hat seine Gründe und seinen Sinn, auch wenn man diese erst auf den zweiten Blick erkennt.

Wenn ich jetzt nochmal ein wenig in die Zukunft blinzle und mir vorstelle etwas zu finden was mir wieder soviel Spaß macht, aber mit weniger Perfektionismus, dann spüre ich ein hüpfen in der Magengegend. Ein freudiges hüpfen!
Das Thema, dass Arbeit auch Spaß machen darf ist auch noch unbearbeitet und kommt noch dazu. Ein ander Mal.

Stattdessen noch ein Zitat, das ich heute (passenderweise) in der Zeitung fand:

Ich lernte die Patienten zu respektieren.
Mein Vater erklärte mir, dass manchmal auch zuviel Verantwortung oder Druck einen Menschen verrückt machen kann, und dass viele psychisch Kranke vorher ganz normale Leute gewesen sind.

(Jussi Adler-Olsen)

Auf mich trifft das auf jeden Fall zu. Der Druck der in der Kindheit schon losging. Und ich glaube, dass dies nicht nur manchmal in der Gesellschaft zutrifft - sondern sehr oft!!!!!!
In diesem Sinne: Legt eine gesunde Wurschtigkeit und Verpeiltheit an den Tag, das ist gesünder und Kräfte schonender, als dieser elendige Perfektionismus und das alles-mitmachen-müssen oder super Ehepartner-Eltern-Arbeitnehmer sein müssen. Auf lange Sicht geht das nicht gut.
Und wie sagte meine Therapeutin auch: "Davon können Sie ja ein Lied singen!"
EIN Lied?
Ich würd mal sagen: Eine ganze Oper!

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