Sonntag, 15. April 2012

Eure Kinder sind nicht eure Kinder, (Teil2)

eure Kinder sind die Sehnsucht des Lebens nach sich selbst!
(Khalil Gibran 1883-1931)

(zu dem Buch: Symbiose und Autonomie von Franz Ruppert)

Endlich habe ich das Buch durch und kann es morgen wieder abgeben.
Trotz Belastung, Widerwillen und wieder vermehrter Müdigkeit und Suchtdruck habe ich auch viel gelernt:
Zum Beispiel, dass es überhaupt nix nützt sich gedanklich weiter mit der Familie zu beschäftigen. Das führt nur zu noch weiteren Verstrickungen!
Ich kann meine Familie nicht retten.
Vor allem dann nicht, wenn diese Mitglieder nicht bereit sind, ihre eigene Traumata anzuschauen und zu bearbeiten.
Sondern weiter mit ihren Überlebensstrategien handeln (vermeiden, verdrängen, schön reden, süchtig sein...)
Man muss die Illusion aufgeben, jemals von dieser Familie irgendwie anerkannt, geliebt oder gesehen zu werden. Egal, wie sehr man sich anpasst und verbiegt.

Das einzige was hilft, ist: Um sich selbst kümmern! Seine eigenen gesunden Anteile stärken, auf sich schauen, auf sich hören und allergrößten Abstand zu weiter traumatisierenden Menschen halten. Ja auch wenn (und gerade dann!) wenn es die eigene Familie ist.

Von was aber rede ich die ganze Zeit?
Von dem hier:

Bindungstrauma: wenn ein Mensch keine Chance hat, einen sicheren und Halt gebenden Kontakt zu den anderen Menschen zu bekommen, mit denen er emotional verbunden ist;

Auf der Grundlage eines Symbiosetraumas können sich Kinder mit ihren Eltern symbiotisch derart verstricken, dass sie mit deren abgespaltenen Täter-oder Opferanteilen seelisch verschmelzen. Was macht dann ein Kind, das in Kontakt mit diesem Inneren Chaos seiner Eltern kommt? Um in einem solchen System leben zu können, um dazuzugehören und als Kind geliebt zu werden, muss es sich notgedrungen spalten, seinen eigenen Gefühlen misstrauen, um den Schein der von den Eltern erzeugten Normalität glauben zu können.


Bindungssystemtrauma: das besagt, dass in einem Bindungssystem die traumabedingte seelische Verwirrung, Verrohung und Aufspaltung so weit fortgeschritten ist, dass vor körperlicher und psychischer Gewalt, Inzest und sogar Tötungen von Angehörigen dieses Bindungssystems nicht zurückgeschreckt wird.

Es führt jeder Versuch, eine emotionale Verbindung zu einer Person innerhalb der Familie herzustellen, in deren inneres Chaos hinein. Hier hilft nur der konsequente Verzicht auf alle Versuche, Halt in einer solchen Familie zu finden.



  • „was für ein Unsinn ist es, in der Hölle meiner Familie die ich von Geburt an tagtäglich erlebt hatte, nach meiner eigenen Lebendigkeit zu suchen!“(Bericht einer Patientin)

    (solchen Patienten, die sich schon ihr ganzes Leben lang um den symbiotischen (emotional Halt gebenden) Kontakt mit ihren Eltern vergeblich abmühen, zu sagen, sie sollten die schwer traumatisierte Mutter oder den gewalttätigen Vater ehren und achten, weil sie bzw. er ihnen das Leben geschenkt habe, unter stützt den zum Teil bereits wahnhaft gewordenen symbiotischen Überlebensanteil und verstärkt zudem die Selbstqual dieser Menschen, welche die Schuld für das nicht Zustandekommen der symbiotischen (konstruktiven!) Verbindung ausschließlich bei sich selbst und ihrem eigenen Verhalten suchen.)

  • Um gesund zu werden, muss der Betroffene sich von seinen schwer traumatisierten Eltern innerlich wie äußerlich vollständig lösen und jegliche Illusionen aufgeben, einen symbiotisch befriedigenden Kontakt mit ihnen herstellen zu können. (Es ist wichtig zu verstehen:dass man in einem verwirrten Beziehungssystem nur unter der Bedingung dazugehören kann, dass man selbst verwirrt ist. Kinder sind bereit, in den Wahnsinn zu gehen und zu versuchen, ihre Normalität vor den anderen zu verstecken, um zu ihrer verwirrten Familie dazugehören zu können. Eine 180-Grad-Kehrtwendung (von außen nach innen) ist notwendig, damit man gesund werden kann. Der bisherige Weg war, sich seelisch bis zum Äußersten daran abzuarbeiten, emotional nicht verfügbare, weil schwer traumatisierte Eltern doch noch zu erreichen..)


Was also tun?
Wie schon gesagt, sich um sich selbst kümmern:

- Gute TraumaTherapie suchen, die die Eigenständigkeit fördert! In der gerade der Therapeut klar abgegrenzt ist, sonst befindet man sich gleich in einer erneuten Verstrickung!
- innerlich abgrenzen, überhaupt verstehen, dass man verstrickt ist!
- mehr auf eigene Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse, Impulse, Wünsche achten!
- Grübeln und Nachdenken führt NICHT aus symbiotischen Verstrickungen heraus.
- Äußere Grenzen aufzeigen, statt innerem Rückzug!


Gesunde seelische Anteile zur Auflösung eines Symbiosetraumas:

  • Erlaubnis, dass sich diese gesunden Anteile entfalten/bemerkbar machen dürfen!

  • den eigenen Willen stärken

  • Bedürfnisse nach Eigenständigkeit, Wahrheit und Klarheit haben

  • Fähigkeit, Realität und Illusionen zu unterscheiden, ausbauen

  • Fähigkeit erlangen, eigene Gefühle von übernommenen zu unterscheiden

  • Bedürfnis bekommen, sich aus symbiotisch verstrickten Beziehungen zu lösen

  • Wunsch nach gesunden Beziehungen verspüren

  • bereit sein, eigene Traumata anzuerkennen (und zu bearbeiten!)

  • Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung zu erlangen

  • Bereit sein, Eigenverantwortung zu übernehmen

  • niemanden mehr retten wollen, Selbstliebe

  • Hoffnung auf gute eigene Lösungen von Problemen bewahren

Dies alles braucht natürlich viel Zeit, eine schnelle und einfache Lösung gibt es nicht.
Es lohnt sich dran zu bleiben! Für ein freies, selbst gestaltetes, lebendiges Leben!

Wer in seiner Seele klar ist, kann Klartext reden!

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau, das ist mal wieder ein toller Eintrag von Dir - vielen Dank dafür! Und ja - das alles braucht seine Zeit. Man muss viel Geduld mitbringen, auch wenn es einem nicht immer schmeckt. Die Ergebnisse sind es aber ganz sicher wert. Mach weiter so! Lg, Maja

    AntwortenLöschen
  2. Jepp, gut Ding braucht Weile, gell!
    Hoff Du weißt bald woher Deine grauen Wolken kommen und dass sie sich bald wieder verziehen.
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Regenfrau,
    ein toller Artikel!
    Einen Entwurf zum gleichen Thema habe ich noch bei mir im Blog "rumliegen" und ich möchte nachfragen, ob ich hier Auszüge entnehmen darf? Natürlich mit entsprechender Verlinkung zu Deinem Blog!

    Das ist ein Thema, dass mich auch extrem beschäftigt... Und womit ich immer noch zu kämpfen habe. Leider.

    Auf jeden Fall danke ich Dir für diesen tollen Beitrag, der mich einmal mehr zum nachdenken gebracht hat!

    LG Missy

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Missy,
      ich finde das auch wichtig dieses Thema bekannter zu machen. In den Medien ist meist von körp. und sex. Gewalt die Rede...aber leider gibt es ja noch mehr.
      "rumliegen" heißt, Du wolltest auch was dazu veröffentlichen oder hast es schon? Magst Du mir den Link schicken? Würd ich auch gern lesen.
      Danke, dass Du nachfragst, kannst gerne Auszüge davon verwenden.
      Liebe Grüße :-)

      Löschen
    2. Hallo liebe Regenfrau,
      Danke für Deine liebe Antwort!

      Etwas veröffentlicht habe ich noch nicht, bzw. nichts zu diesem Buch, aber allgemeiner gehalten zur Thematik.

      Meinen Blog findest Du, wenn Du auf meinen Namen, Wunschleben klickst. Dort habe ich ihn vermerkt...

      Für mich ist die Nachfrage selbstverständlich! Kannst gerne mal bei mir vorbei schauen, "mich" gibt es allerdings noch nicht so lange als Blog ;)

      Lieben Gruss zurück!

      Missy

      Löschen