Montag, 5. März 2012

Wochenende

Samstag streikte mein Körper: Kreislaufschwäche, Halsweh, Kopfweh, Übelkeit und Bauchweh. Volles Programm. Und ich kann damit überhaupt nicht umgehen, wenn mein Körper nicht mehr funktioniert. Das ist das einzigste auf was ich mich fast immer verlassen kann und wenn das weg fällt, was ist dann noch da? Psychisches Unwohlsein kann ich zur Not noch wegdrücken, beim Körper nicht. Das ruft Hilflosigkeit hervor und die wiederum triggert mich so, dass ich kaum noch normal und sachlich denken kann. Ich bekomme dann sehr schnell Bedenken, ich weiß nicht was noch harmlos ist und was nicht. Deswegen würd ich wohl nie den Notarzt rufen, aus Angst, dass der sagt: „Ach das, da gehen sie morgen zum Doktore, das ist nicht schlimm.“ Wie peinlich wär das denn bitte?

Also es wühlt mich sehr auf, wenn mir mein Körper nicht in gewohnter Weise zur Verfügung steht. Immerhin konnte ich jetzt daran denken, was ich tun kann, damit es mir bald besser geht. Ein Fortschritt. Früher war ich da völlig handlungsunfähig! So gab's dann Wärmflasche, Schmerzmittel, viel Wasser trinken, Schonkost und körperliche Ruhe.

Gestern war dann Stille. Aber keine wohltuende sondern eher eine unangenehme, bedrohliche Leere. Und Angst.

Rente ist ein Achterbahnthema. Es geht rauf und runter mit den Gefühlen. Im Moment ist da eine Furcht. Ein ängstliches schauen: Schaffe ich es weiter meinen Haushalt zu machen, Sport zu treiben und einfach weiter zu gehen? Oder holt mich die Resignation doch noch ein: - wozu das alles, je länger ich daheim bleib desto schwierig fällt mir eine Wiedereingliederung, überhaupt das Grauen mich jemals wieder in eine Gruppe einzufügen, kein Ehrgeiz etwas neues zu lernen, kein Ziel was ich erreichen will...

Davor war das Thema Arbeit doch mehr präsent, ich informierte mich über andere Berufe, Umschulungen, Fördermaßnahmen und suchte mir kleine Jobs. Da ging schon viel Zeit drauf. Viel Streß durch die ARGE mit Terminen und weiteren Formularen ect. Viele Gedanken um dieses Thema.

Auch der Teil Familie ist weg. Kein Kontakt, kein Besuch in der alten „Heimat“. Auch das ist erstmal erleichternd und trotzdem fühlt sich auch diese Ruhe bedrohlich an.

Das alles ist jetzt weg. Ein großes Loch ist da. Dafür gärt irgendwas in mir, wo ich noch nicht recht weiß, was. Will ich das überhaupt wissen? Was kommt da hoch? Ich weiß nicht wie lange die Kraft hält, es wegzudrücken. Wobei ich ja gar nicht weiß, was ES ist. Es gibt nur ein diffuses Gefühl dazu, dass da etwas versucht hochzukommen.

Kann so eine äußere Ruhe alte Erinnerungen, Gefühle, verdrängte innere Anteile erst recht zum Vorschein bringen? Natürlich, sag ich jetzt mal. Keine Verdrängung mehr durch äußeren Streß.

Heute scheint es wieder etwas besser zu sein. Ich hab meinen Morgensport geschafft, bevor der große Regen kam und meine Küche wieder aufgeräumt. Überhaupt hat die Woche wieder mehr Struktur und Termine.

Trotzdem ist alles gerade wackelig und ich werde fragen, ob ich für kurze Zeit 2 mal die Woche zur Therapeutin kann. Das Angebot gab es schon mal, aber es muss eben auch in ihren Terminkalender passen.

Übrigens: In Simbabwe heißt Depression Kufungisisa, was soviel heißt wie: Sich zu viele Gedanken machen

Wie wahr, wie wahr....

Kommentare:

  1. Liebe Regenfrau, in meinen schlimmsten Zeiten mit der Panik (die Gott sei Dank lang her sind), hab ich schonmal den Notarzt gerufen, weil ich überzeugt war, gleich nen Schlaganfall zu kriegen. Nicht schön, aber der Notarzt damals war im Endeffekt meine Rettung, denn er beruhigte mich, schickte mich zum Kardiologen und danach wurde alles besser...

    Ja, wenn die Stressoren im Aussen wegfallen, dann wird halt Raum frei und jetzt sagt die Psyche "Hey, ich will das verarbeiten" und schwupps kommt da wieder was hoch. Wegdrücken ist ganz schlecht, je mehr Du wegdrückst, desto schlimmer wirds. Besser ist, mit der Thera drüber reden und zulassen lernen.

    Wenn mein Körper streikt, bin ich auch unleidlich, aber ich hab gelernt, dass mein Körper keine Maschine ist und wenn er krank ist, hat er alles Recht der Welt, von mir gehegt und gepflegt zu werden. Auch das gehört zur Selbstliebe dazu.

    Zweimal die Woche zur Thera wäre sicher eine gute Idee. Und was das Arbeiten anbelangt - natürlich kann man auch noch nach längerer Zeit wieder integriert werden. Ich hab 4 Jahre nicht gearbeitet und es hat wieder hingehauen. Also lass Dir Zeit um gesund zu werden und dann kannst Du mit neuer Kraft durchstarten. Krank arbeiten gehen hilft Dir doch nicht weiter :)

    Wie passend, der simbabwische Begriff für Depression!

    Alles Liebe und Gute und gute Besserung wünscht
    Maja

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    1. Hallo liebe Maja :-)
      Das wegdrücken passiert schon fast automatisch, weil es sich sonst zu bedrohlich anfühlt. Ich weiß, dass das nicht sooo der Hit ist.
      Dass Du den Einstieg wieder geschafft hast gibt Mut :-) Nein, keine Sorge im Moment denk ich nicht dran zu arbeiten. Hab mich dazu jahrelang gequält, und? eben hat alles nur verschlimmert.
      Zu Deinem Post wegen Landleben: Das kenn ich ;) Weiß inzwischen, dass es eine Kindheitssehnsucht ist. Ich muss es nicht mehr real umsetzen, aber manchmal in Phantasien diesbezüglich abtauschen. Oder wieder für eine bestimmte Zeit auf nen Bauernhof gehen-im Freiwilligendienst. Kann ich sehr empfehlen ;)
      Man braucht ja auch ein Umfeld und auf dem Land kann es da sehr einsam werden und manchmal schwer in so eine Dorfgemeinschaft reinzukommen. Und diese alternativen Gemeinschaften, da hab ich fast immer Mist erlebt (bei Besuchen) da sind reden und handeln zwei verschiedene Stiefel und oft sind die Leute selbst eher radikal bis fanatisch...

      Heute werd ich definitiv meinen Körper schonen, bei 3 Std. rumwerkeln kann ich mir das aber eher "erlauben" :-)

      Beste Grüße!

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