Donnerstag, 8. März 2012

Strenge Seite

war heute mal wieder Thema in der Therapie. Das ist einfach mein größter Stolperstein.
Wenn wir kein konkretes Beispiel haben, wird's konfus und unverständlich (für beide-Thera und mich). Aber ich hab da genügend zur Auswahl:
Heute also: Malkurs. Oder allgemein Kunstseminar.

Ich hab immer das Gefühl ich müßte da auch mal hin. Das Gefühl ist aber sehr neblig, schlecht zu greifen. Wir haben dass dann auseinander gedröselt. Ich will gerne allein basteln, malen, filzen, musizieren. In einer Gruppe fühl ich mich unwohl, ich steh da ziemlich unter Druck, kann nicht so agieren wie ich will - z.B. aufhören, was kochen, essen, weiter machen. In einem Kurs gibt es Zeitvorgaben, der Raum wird in 2 Std. für was anderes gebraucht.
Kreativität und Druck paßt so gut zusammen wie ein eckiger Deckel auf rundem Topf. Also: Kunst fabrizieren geht für mich nur alleine.

Soweit, so gut.

Therapeutin: "Na, dann ist doch alles gut. Sie haben für sich raus gefunden, dass sie lieber alleine arbeiten und sich auch gerne autodidaktisch weiterbilden. Das ist doch Ihr gutes Recht, wieso quälen Sie sich dann zu einem Kurs?"
Genau das ist der Punkt. Weil in mir irgendwas mosert von: Das darf nicht sein, das geht so nicht, man muss auch mal in einen Kurs! Ich kann nicht sagen:
Nö, das ist nix für mich und fertig!
Da läuft schon die Spirale der Selbstabwertung.
Ich hatte nie irgendwas zu wollen. So schaut's aus.
Ich durfte nie spielerisch was ausprobieren und es dann vielleicht wieder lassen oder eben nicht.
Ich durfte nicht anders sein, als die strengen Vorgaben anderer.
Paß dich an, damit wir keine Probleme mit dir haben!
Mir wurden "Freundschaften" gekündigt, wenn ich von etwas nicht so begeistert war, wie sie:" Danke für deinen Tip, ich hab's ausprobiert, für mich ist das nix." Da gab's Beschimpfungen oder pures ignorieren.
Was macht man da? Sich anpassen bis zur Selbstaufgabe und irgendwann ignoriert man selbst seine Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle, Impulse usw.
Doch irgendwann bricht all das durch.
Heftig, ganz heftig.
Man tut Sachen im Affekt. Nicht schön.


Ich kenn mich selbst so wenig, dass ich es kaum glauben kann.
Vom sich-fremd-sein, zum in-sich-wohnen.
Wird wohl ne Lebensaufgabe. Mein Vollzeitjob.
Das geht sehr mühsam voran. Ich bin ja schon froh, dass ich nun meinen Schlafrhythmus gefunden habe (und annehmen kann!) oder dass mein Ehrenamt der Überprüfung - will ich das wirklich? - stand gehalten hat.
Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Auf der Heimfahrt dachte ich nach, wie diese strenge Seite in mir heißen könnte.
Richter? Wärter? Stiefmutter? Verurteiler? Kritiker?
Paßt alles nicht. Es bleibt einfach bei der strengen Seite.

Abschlußsatz meiner Therapeutin: "Schauen Sie sich das diese Woche noch genauer an."
HAHA. Als ob mal ne Woche reichen würde, bzw. geht mir das ja eh schon immer wieder durchs Hirn. Und das seit 3 Jahren, als sie mich das erste Mal in der Klinik sah. Das weiß sie auch.

Meins finden.
Oder Nemo finden.

Kommentare:

  1. Mit einem Augenzwinkern: Fräulein Rottenmeier!

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    1. You make my day!
      SUPER!
      *knutsch* (musste sein) :-)

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  2. Liebe Regenfrau,

    wenn ich deinen Blog lese, ist es so, als würdest du meine Gedanken in Worte fassen.
    Du schaffst es das auszudrücken, wie ich mich oft fühle.

    "Genau das ist der Punkt. Weil in mir irgendwas mosert von: Das darf nicht sein, das geht so nicht, man muss auch mal in einen Kurs! Ich kann nicht sagen:
    Nö, das ist nix für mich und fertig!
    Da läuft schon die Spirale der Selbstabwertung.
    Ich hatte nie irgendwas zu wollen. So schaut's aus."

    Meine Therapeutin fragte mich letztes Mal " Warum setzen sie sich denn immer so unter Druck?"
    Gute Frage. Weil ich denke, ich MUSS doch so und so sein. Dieses oder Jenes gut finden(obwohl sich mir Innerlich Alles dagegen sträubt)

    "Ich kenn mich selbst so wenig, dass ich es kaum glauben kann.
    Vom sich-fremd-sein, zum in-sich-wohnen."

    Ich will einfach mal "Danke" sagen, weil mir dein(darf ich überhaupt DU sagen)Blog ganz oft hilft mir meine Gefühle und Gedanken Worte zu geben.

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    1. Hallo liebe Luna,
      klar darfst Du Du sagen ;)
      Und danke für Deine Rückmeldung! Manchmal frag ich mich ja schon, wozu das gut sein soll, das alles in die weite Welt des web zu schicken...

      Ja genau, alles in mir sträubt und sich trotzdem dahin/dazu quälen.
      Lassen wir das doch einfach mal sein :-) Zumindest da wo es geht.

      Guten Wochenstart! :-)

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