Freitag, 9. März 2012

Ja, wo is sie denn?

Wer?
Meine Wut!
Ach die, die verrauchste doch immer.
Im wahrsten Sinne des Wortes *paffpaff*.

Ich bin sozusagen aggressionsgehemmt. Hübsches Wort.
Aber ziemlich ungesund.

Gestern schneite ich noch bei einer Bekannten vorbei und die lud mich kurzerhand zum Video gucken ein.
Die Wutprobe. Der Titel klang schon mal gut.

Um was geht's? Dave ist ein lieber, netter, braver Typ der fast alles mit sich machen läßt. Er wird nie laut, sagt zu oft Entschuldigung und ist der Fußabtreter für seinen Chef.
Andere finden ihn jedoch zu gewalttätig und so wird er zu einem Anti-aggressions-training geschickt.

Ich musste wegen dem hohen Wiedererkennungswert sehr oft lachen und irgendwann schreit man innerlich wirklich diesem Weichspülermann zu, dass er dem Arsch doch endlich mal eine reinhauen soll.
Es ist nicht auszuhalten was der alles mit sich machen läßt.


Nunja, viel besser bin ich auch nicht, dachte ich erschreckenderweise.
Wie lernt man seinem Ärger Luft zu machen? In dem man den anderen zur Weißglut treibt. Das macht Jack Nicholson hervorragend. Der Typ kann einfach nur die schrägen, durchgeknallten Figuren spielen!
Als Dave es endlich schafft, seinem Peiniger aus der Kindheit mal ordentlich die Fresse zu polieren, fühlt man sich selbst fast befreit und euphorisch!
Dass der Film manchmal ins kindische und überspitzte abrutscht darf man übersehen. Amerikanisch halt.





Sehenswert!

Natürlich ist das kein Aufruf zur Gewalt. Es geht aber, wie sooft um die gesunde Mitte.

Ich kenn einige Damen aus meinem Umfeld, die immer so wahnsinnig nett sind, mit kindlicher Stimme, ganz weich und nachgiebig im Verhalten.
Meine Zimmergenossin aus der Klinik spiegelte mich hervorragend: Sie übernahm alle Aufgaben, die zu vergeben waren (ich sagte ihr mal, dass sie hier sei um Therapie zu machen und nicht um die Hauswirtschaftsabteilung zu entlasten), beschwerte sich nie, wenn meine Wäsche ewig auf dem Balkon hing oder ich am Sonntag um 6h aus dem Bett rumpelte.
Dafür hatte sie ein ordentliches Essproblem. Süchtig nach Fett und Zucker. Sie fraß wörtlich ihren Ärger in sich hinein.
Da dämmerte es schon in mir, dass das auch ein Punkt bei mir ist. Meine Unfähigkeit Ärger zu zeigen.

Ich denke auch daran, als ich meiner Mutter mal alles um die Ohren pfeffert was mir nicht an ihr gefiel und wie scheiße sie mit mir umgeht. Zum Glück am Telefon, denn da hätte ich mir durchaus zugetraut ihr real was an den Kopf zu werfen.
Boah tat das gut! Ohne Tutituti-Geschwafel hab ich geschrien, sie beleidigt, getobt und sie nicht zu Wort kommen lassen. (Da vermisste ich das gute alte Telefon, bei dem man mit Schmackes den Hörer knallend auflegen konnte. Heute macht's ja nur noch *klick*).
Danach hätt ich Berge versetzten können.

Sie hat's gut verkraftet. Nix nachgetragen, nicht zurück geschimpft, null.
Irgendwie fand ich das auch schade. Is so im Sand verlaufen. In unserer Familie wird keiner laut. Nie. Aber man spürt die unterschwellige Aggression, die sich auch in fiesen Machtspielchen, verletztenden Sprüchen und Unterdrückung zeigt. Das find ich giftiger als mal so ein ordentlicher Brüller.
Wir haben keine Streitkultur.

Wie komm ich wieder mit meiner Wut in Kontakt...
Hätt ich letztens doch den Boxsack mitgenommen, der da zum verschenken war.
Hab sogar Platz, um den aufzuhängen :-)

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