Sonntag, 11. März 2012

Dem Tod begegnen

Ich hab mit trauernden Menschen wenig Erfahrung. Eigentlich gar keine.
Ich steh ein wenig hilflos vor meiner Freundin, die vor kurzem ihre Tochter verlor.
Ich weiß nicht recht, was ich sagen soll.
Ich weiß nicht recht, wie ich mich verhalten soll.

Darf ich mich noch melden, wenn ich mal ein Problem habe?
Dürfen wir noch gemeinsam lachen?
Darf ich fragen, was der Obduktionsbericht ergab?
...
Mir ist diese Freundin sehr wichtig und ich spüre, dass sich zwischen uns ein Graben bildet. So ein Schicksalsschlag kann vieles verändern.
Ich tue das, was ich bei ihr oft tue: Ich spreche all meine Unsicherheit, meine Ängste offen an.
Etwas was ich mit ihr lernen durfte, denn das kannte ich nicht:
über solche Gefühle zu reden!

In unserer Familie wurde das nach Schema F abgehandelt. Man ließ den anderen eher in Ruhe, als zu fragen "was brauchst du? was wünscht du dir? wie geht es dir wirklich?"
Das vergrößert aber nur den Graben, die Distanz zum anderen.

Die Antwort meiner Freundin läßt mich schmunzeln, weil ich sie genau so kenne und genau das an ihr schätze: Sie sorgt selbst für sich.

Natürlich darf ich anrufen, wenn ich was zu besprechen habe, wenn es bei ihr nicht geht (aus welchen Gründen auch immer) sagt sie es mir.(Also eigentlich wie immer :-))
Natürlich darf ich fragen. Ob es eine Antwort gibt, muss sie dann selbst sehen.
Ja, sie will auch wieder lachen! Sie findet es schrecklich, dass ihr alle mit einer Trauermiene entgegen treten und alle sagen, wie schlimm doch so ein Verlust sei! Als ob sie das nicht selber wisse.

Sie will normal behandelt werden. Natürlich mit den allgemeinen Regeln des Anstandes und der Höflichkeit.
Letztens wurde sie laut. So richtig. Weil die Apothekerin sie fragte, ob das tatsächlich ihre Tochter war!
?!?!
MENSCH! Unfassbar.

Der Graben zwischen uns wird wieder dünner. Das vertraute Gefühl der Freundschaft stellt sich wieder ein.
Zum Schluß sage ich ihr:" Weißt Du, ich hab keine Ahnung wie es ist eine Tochter zu verlieren. Ich weiß noch nicht einmal wie es ist, überhaupt eine Tochter zu haben! Vielleicht verstehe ich manches nicht was du sagst und trotzdem leihe ich dir gern mein Ohr, wenn du darüber reden willst, denn die Themen Abschied, Verlustschmerz und Trauer sind mir durchaus vertraut."

Danach sitzen wir, jeder vor seinem eigenen Pc, zwischen uns 800km und schauen gemeinsam das Video an...




Gemeinsam lachen und weinen können, ist Freundschaft.

1 Kommentar:

  1. keine einfache Zeit und doch geht es wie du es schreibst wenn man offen über die Gefühle spricht und das hast du gemacht!
    Gemeinsam erleben ist Freundschaft!
    Lieben Gruss Elke

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