Montag, 13. Februar 2012

Hilfreiches Zum Thema Angst

Ok, hier also meine Liste, was mir in stressigen/panischen Situationen hilft.
Mal hilft das eine, mal das andere.

Die zwei wichtigsten Dinge:

Wenn nichts mehr geht, atmen geht. Tief und lange ausatmen!
(überhaupt Körperwahrnehmung: bin ich grad total verspannt? Haben die Füße guten Kontakt? Brauch ich eine Wand im Rücken? Oder die Nähe einer Tür?)
Angst nicht loswerden wollen (was du bekämpst, wird umso stärker!).
Also akzeptieren, dass sie halt jetzt mal da ist. Wenn das nicht geht: Akzeptieren, dass man das gerade nicht akzeptieren kann. Meist wird mir das dann schon zu blöd, dass ich in eine Mir-egal-Haltung falle und somit entspanne.

- Druck rausnehmen, Anspruchshaltung herunter fahren:
Ich darf stolpern, rot anlaufen, blöde Fragen stellen, nervös sein. Ich muss jetzt kein Superheld sein. Es ist ok, wenn ich kurz an die Luft gehe, schweigsamer werde, mir einen ruhigeren Platz suche. Es ist auch ok, wenn ich hin und wieder noch vermeiden muss, bevor ich mich noch mehr stresse.
Auch Flucht ist erlaubt. Sobald ich mir das erlaube, muss ich es meist gar nicht tun! Sonst baut sich ja wieder Druck auf: Ich muss da jetzt 2 Std. bleiben!

Viele Menschen fühlen sich bei alltäglichen Sachen unwohl.
Dann bewußt umschauen (von der extremen Selbstbeobachtung "hilfe, ich schwitze!" weg kommen) sich ausmalen, welche Probleme die anderen Menschen haben könnten: Der traut sich nicht seine Homosexualität auszuleben, die hat Geldschulden, die muss sich operieren lassen und hat Angst davor, der hat gestern sein Date versemmelt..usw. ruhig auch drastisch sein. So verliert die eigene Angst schon mal an Größe.

Wenn keine Menschen da sind, trotzdem den Fokus auf die Umwelt halten: Innerlich beschreiben, was man sieht, hört, ist es kalt, wie sieht der Himmel aus, wie riecht es, Beschaffenheit des Bodens...
Beim Zahnarzt und in der Bahn zähle ich gern von 100 rückwärts oder stricke (innerlich), ganz genau vorstellen: wie sind die Nadeln, wo muss ich die hinführen, wie den Faden holen...

-Wovor habe ich Angst?(Realitätsüberprüfung) Wie geht es anderen Menschen damit? Ist das wirklich eine Bedrohung? Beispiel letztes Jahr: Geburtstagsparty. Ich schob Tage vorher die Panik, bis mir im Bad beim Haare föhnen einfiel, dass sich die meisten Menschen auf so ein Ereignis freuen: lachen, feiern, leckeres Essen, unterhaltsame Gespräche, da fiel ein Schalter in mir um...und es war ein ganz ganz toller Abend!!

- Mir die Angst als ein Wesen außerhalb von mir vorstellen und das passende Gegenüber was es bräuchte (Gelassenheit, Mut, oder Humor paßt da ganz gut: Hej Humor,stell dir vor, heute will die Angst unbedingt mit, darf sie ja auch, aber ich könnte ein wenig Unterstützung von dir gebrauchen! Humor: Logo, mach ich, das wird ein toller Tag/Ausflug..)

- Wenn es sehr dramatisch wird, hat das meist mit früher zu tun. Also innerlich mit dem ängstlichen Anteil reden/beruhigen. (Das geht am besten, wenn man mal kurz aufs WC verschwindet.) Bewußt hinein horchen, was ist gerade so bedrohlich? Stimme, Gestik meines Gegenübers? Enge Räume? Wahrnehmen was jetzt helfen würde-vielleicht läßt es sich sogar ganz umsetzen oder nur zu einem Teil. Wenn gar nicht, sich vorstellen, wie der ängstliche Teil das tun kann und den später auch bewußt wieder "abholen".

- bei sich bleiben, auf sich schauen, auf innere Stimme/Intuition hören (überlatscht der andere gerade meine Grenze? Will der etwas wissen, was ich nicht sagen will? Schieb ich die inneren Warnlampen weg? Wann will ich nach hause, will ich das Thema wechseln, brauch ich eine Pause, ist mir der andere zu nah, habe ich Hunger, Durst...)
Bei mir braucht das noch deutlich Übung, weil ich zu schnell in den Verkäufermodus falle: Lächeln und ja sagen.
Und die Bedürfnisse des anderen erfüllen will. Gelernt ist eben gelernt.
Aber man kann auch umlernen!

Genauso wie man antrainierte Angst wieder abtrainieren kann.

Kommentare:

  1. Ich weiß zwar nicht, worum es ging, aber ich glaube, Du hast Sonntag etwas Gutes geschafft.

    Meine Angst hält sich im normalen Rahmen, aber mir hilft immer:

    - male Dir (also mir) im Vorwege die 10 schrecklichsten Dinge aus, die (Dir) passieren könnten und überlege Dir konkrete Gegenmaßnahmen. Okay, bei mir ist es meist eher im beruflichen Zusammenhang und es geht daher um Befürchtungen wie, mir würde keiner zuhören, meine Argumente sind schlecht, ich stoße auf eine Mauer von Ablehnung, ich bin gut genug vorbereitet, mein Thema nervt, alle kommen zu spät oder haben eine Einladung nicht erhalten, die Technik (wie Beamer o.ä.) versagen ... aber wenn man für all das Reaktionen parat hat, fällt es einem leichter, diese Risiken in Kauf zu nehmen. Im Übrigen wiederholen sich ja auch die Horrorszenarien, so dass man das bald nicht mehr in diesem Sinne vorbereiten muss. Die meisten Dinge passieren eh nicht. Und falls doch: so what!

    - denke daran, dass die Eigenwahrnehmung viel gnadenloser ist als die Fremdwahrnehmung. Wenn du das Gefühl hast, einen schlechten Vortrag mit 1000 Ähms und 100 Ähs gehalten zu haben, dass deine Birne leuchtete, du stottertest usw., hat das Auditorium das oft gar nicht wahrgenommen. Das ist eine Erkenntnis aus einen Rhetorikseminar. Man selber denkt, man hat versagt, aber die Zuschauer stehen auf und klatschen Beifall.

    Ich glaube, dass vielmehr ankommt, wie engagiert man für eine Sache ist, als die Unsicherheiten, die man in sich trägt.

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    1. Danke! :-)
      Naja die 10 schrecklichsten Dinge fallen mir sogar im Schlaf von ganz allein ein :-/ und das lähmt mich so dermaßen, dass mir nix mehr zu den Gegenstrategien einfällt :)

      Aber das mit der Eigenwahrnehmung das stimmt (vergeß ich nur zu oft) ich werds mir nun besser merken! :-)
      Mir sind die Rückmeldungen aus der Klinik noch im Ohr, wo ich immer dachte: die können nicht mich meinen, die verwechseln mich ...

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  2. Siehste! Dann führ´ sie Dir öfter vor Augen! Schreib sie Dir auf .. oder, was ich auch gut finde, weil man ja oft doch die wichtigen Dinge vergisst.

    Schreib Dir ne Postkarte und gib sie jemanden, der sie irgendwann in ein paar Wochen an Dich abschicken soll. Dann haste es wieder parat!

    Das machen wir beim Fasten oft so.

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    1. Sehr gute Idee! Vielen Dank! Ich hab das schon öfter gemacht und hab seit Wochen hier 3 Postkarten rumliegen mit denen ich das wieder machen wollte, mir fiel aber nix, gar nix ein zum drauf schreiben :-)))
      Jetzt hab ich was ^^
      Super!

      Beim Fasten? Stehen da Durchhalteparolen? :)

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  3. Lach .. nee, aber da besinnt man sich ja auch auf diverse Dinge, die sonst zu kurz kommen und einem fällt ein, dass man mehr lesen, mehr schlafen, mehr an die frische Luft will. ...dass man eigentlich ganz okay ist und dass man mal Hobbies hatte und sowas. :-)

    Mann? Beuteschema? Wo? Nicht mal im Baumarkt habe ich eben einen gefunden! ;-)

    LG und lass es Dir gut gehen!

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