Freitag, 10. Februar 2012

Einmal Schleuderwaschgang!

Uuups, da hab ich gestern wohl ein wenig zuviel Alkohol erwischt.
Nicht gut, aber kommt vor.


Wobei da die Angst vor totalem Kontrollverlust auch gleich wieder da ist.
Ich will nicht irgendwann abstürzen und nur noch mit Jogginghose und gut sichtbar, dass ich krank und langzeitarbeitslos bin, draußen herum eiern.

Das ist doch das Gute dran, meinte gestern die Therapeutin: "Dass man mir es eben nicht ansieht, wie oft ich innere Not erleide. Und man mich somit als fit und kompetent einschätzt. Das kann ja auch eine Art Schutz sein, weil ich nicht wie ein offenes Buch lesbar bin."

Auch wieder wahr. Es ist immer wieder zu furchtbar, wenn ich Leute sehe, denen sich ihr Kummer und Leid gut sichtbar am Körper abzeichnet.
Dazu braucht es keine großen Kenntnisse in Körpersprache.


In mir wirbeln viele Gedanken wie im Whirlpool durcheinander. Ich hab mich damit schon arrangiert und erwarte nun von mir nicht, dass der ganz normale Alltag weiter geht. Den es quasi eh kaum gibt.
Mir war klar, dass nun das Thema Angst in der Therapie kein Spaziergang wird und jetzt ist der Raum einfach dafür da, eben weil ich nicht funktionieren muss!

Gestern hörte ich auch von meiner Therapeutin, dass sie glaubt, dass es auch etwas anderes (als Angst vorm essen) hätte werden können. z.B. sagen wir mal, Angst vor Bakterien oder geschlossenen Räumen oder Regenschirmen.
Auch das glaube ich nicht. Denn ich überlege schon lange, wofür Essen noch so steht: sich etwas einverleiben, genährt werden (nicht nur körperlich auch seelisch), ich eine gnadenlose Unterversorgung zuhause erlebte-auch in dieser Hinsicht (Vernachlässigung auf allen Schienen).

All die Umschreibungen: das ist mir auf den Magen geschlagen, das muss erstmal verdaut werden, da könnt ich kotzen, das hab ich nicht vertragen, die fehlende Süße des Lebens mit Süßigkeiten kompensieren, etwas verschlingen...
Nahrung ist lebenswichtig, das braucht der Körper, sonst stirbt er.
Was Essstörungen symbolisch ausdrücken, Selbstbestimmung (ich bestimme wieviel und was ich esse), die Leere in sich vermeintlich mit Essen füllen..usw.

Mir fiel ein, dass ich mal ganz klare und sehr aussagekräftige Träume hatte, in denen einige Familienmitglieder und Restaurants/Lokale eine wichtige Rolle spielten.
Und die ging ich mit einer damaligen Freundin durch, weil sie immer bezaubernde Gedanken dazu hatte.
Zum Glück hab ich diese Mails nie gelöscht (gut, dass ich nicht gar so streng mit dem Minimalismus bin! :-)) und eben nochmal durchgelesen.
Hammer! Da steckt mehr dahinter, dessen bin ich mir sicher.

Und somit werde ich diese Texte von damals ausdrucken und zur nächsten Therapiestunde mitnehmen.

Da woll'n ma doch mal sehen....

Kommentare:

  1. mhm wie ich das kenne alles .. aber du druch stöberst udn denkst nach ..das ist ein gutes Zeichen!
    Lieben Gruss Elke

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  2. Ich glaube, dass Ess-Störungen auch mit der Redewendung "den Mund verbieten" zusammenhängen. Im Grunde geschieht das schon, wenn die Mutter schon in der Schwangerschaft sich ihrem Kind nicht zuwendet. Das ist wie ein Mundverbot. Niemand spricht gern ins Leere.

    Wenn niemand zuhört, ist das, wie wenn man den Mund zu benutzen verbietet, den Mund verbietet. Schließlich verbietet man ihn sich selbst. – Ist ja auch kein Mensch da.

    Zu was dann noch essen ... ?

    Liebe Grüße,
    Johannes

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    1. Danke! Auch sehr interessant! Wenn man den Mund nicht aufmachen darf, kann da auch kein Essen durch! Zusammen reißen, zusammen gepresste Lippen...jaa....
      Wo kann man Fango für die Seele bestellen? :-)

      @ Elke ja kann sein, ich weiß nicht, ich muss auch rechtzeitig wieder Abstand finden, aber gerade nicht möglich. Auch ok, hat alles irgendwie seinen Sinn.

      Schönen Abend Euch beiden!

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    2. Hm, bestellen das wird schwierig :-))
      Bleibt nichts, als die Kältekammern in uns aufzuspüren und aufzutauen ...

      Eigentlich beginnt es damit, das Sehnen nach Wärme zuzulassen ... keine Sehnsucht, keine Sucht, einfach ein Sehnen ... dann entdeckt man den ein oder anderen warmen Menschen, entdeckt auch, dass es leider nur wenig warme Menschen gibt, finde ich; aber die, die einem Fango sein können, liebt man auf eine bestimmte Weise ... auch die warmen Orte in der eigenen Wohnung, in der Natur, an einem Bach, unter einem Baum ... gut, dass es so kalt ist, dann wird der Frühling wirklich Fango :-))

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    3. Ja das stimmt schon ;)
      Vielleicht kommt das aber auch vom suchen und nicht von Sucht?

      Wärmende Grüße

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  3. Suchen ist okay, sagt ja schließlich schon die Bibel: Wer sucht, der findet ...
    Aber Sucht, das kommt von "siech" - sagt der Duden, und das ist ein krankhaftes Suchen, da dominiert Zwanghaftigkeit.
    Deshalb meide ich selbst das Wort "Sehnsucht" und schreibe lieber von "sehnen". Für mich hat das Wort auch einfach einen schönen Wortklang. Es dehnt sich ganz weit aus und erinnert mich an ein Gefühl, das ich manchmal habe, wenn ich am Bodensee sitze, fast auf gleicher Höhe mit der Wasseroberfläche. Dann dehnt sich die Seele gaaanz weit aus über diese Wasseroberfläche hin, so mein Gefühl. – Und das ist ein Super-Gefühl ... wie sehnen ...

    Ich drück die Daumen für die Minolta-Bilder :-)
    Liebe Grüße,
    Johannes

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