Freitag, 24. Februar 2012

Der verinnerlichte Vater

Die komplizierte Dynamik des narzisstischen Mißbrauchs innerhalb der Familie, wird in dem Buch "Emotionale Gewalt - Traumatisierungen in der Kindheit durch nahe Bezugspersonen" sehr anschaulich und verständlich erklärt.
Vor allem die Vater-Tochter-Beziehung wird genau unter die Lupe genommen:

"Die Werte des Vaters sind durch die Identifikation mit dem Aggressor die eigenen geworden und werden daher auch auf die eigene Person angewandt.
(...)
Die Patientinnen setzen gegen die Gefahr, sich im Frustationsfall zu entwerten nun permanent die Idealisierung ein, so wie sie es in ihrer Kindheit taten und tun mussten. Sie dürfen damit nicht aufhören, weil sie sich sonst den negativen Aspekten des narzisstischen Missbrauchs stellen müssten."

Ich konnte und kann immer mehr die Idealisierung sein lassen (durch Therapie und anderen stabilen Beziehungen) und sehe nun das ganze Ausmaß und die Folgen des Missbrauchs.
Das ist schwer. Sehr schwer.

"Der verinnerlichte Vater wacht immer noch darüber, dass die Patientin ihm folgt und keine neuen Beziehungen knüpft, die das narzisstische Beziehungsmodell in Frage stellen."
Nicht nur der verinnerlichte. Auch der reale... und der zeigt der Tochter anhand von Dritten, was passiert, wenn man man nicht tut, was er fordert.(was nicht ideal ist, wird abgewertet/vernichtet/bekämpft...und von der Tochter wird gefordert das narzisstische Größenselbst des Vaters aufrecht zu erhalten) Das macht Angst. Das macht gefügig und extrem gehorsam.
"Meiner Ansicht nach spielt die abgewehrte Angst vor dem Gewaltpotenzial des Vaters hier eine entscheidende Rolle."

Von Judith Hermann:
"Das Gefühl, dass der Täter immer noch in der Nähe ist, auch noch nach der Befreiung, prägt das signifikant veränderte Beziehungssystem des Opfers. Die Beziehung, die dem Opfer während der Gefangenschaft aufgezwungen wurde und auf die es alle Aufmerksamkeit richten muss(te), gehört nun zum Innenleben des Opfers und beansprucht auch nach der Freilassung seine Aufmerksamkeit."

Würde erklären, warum ich derzeit eher depressiv und selbstschädigend drauf bin bzw. mich manchmal überhaupt nicht befreit und wohl in meiner Haut fühle. Die innere Dynamik ist noch ordentlich am arbeiten.

siehe auch hier:
"Für Menschen, die in sexuellen und familiären Beziehungen oder religiösen Sekten gefangen waren, kann das Fortdauern der Beziehung stärkere ambivalente Züge haben: Manchmal fürchtet das Opfer weiterhin den, der es gefangen hielt...doch manchmal fühlt es sich ohne ihn auch leer, verwirrt, nutzlos."

Kommentare:

  1. Das Video ist erschreckend, schrecklich, packend....

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    1. Jepp ich sah es auch nur einmal. Das reicht. Aber das Lied! DAS gefällt mir so sehr :-)

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    2. Das ist Butoh-Tanz. Ausdruckstanz, der sich mit den Abgründen beschäftigt. Ist auch Teil meiner Gruppenarbeit, aber nur mit wenigen (Mutigen) möglich. Ich tanze meine Abgründe selbst sehr gern, auch ohne Publikum. Es ist Befreiung.

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    3. Hmm, mich verwirrt das eher. Das glaub ich, dass man dazu etwas mutiger sein muss.

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