Donnerstag, 9. Februar 2012

Angst vor der Angst

Ich stehe am Bahnhof, noch 10 Minuten bis die Bahn kommt.
Doch es kommt keine Bahn, sondern eine Durchsage, dass der nächste Zug ausfällt!
Gut, dass es nicht kalt ist. Hahaha.
Irgendwie hätt ich auch mit dem Bus weiter fahren können. Aber für solch Planungen hatte mein Hirn gerade keine Kapazitäten frei.
Ich stehe also weiter da und während mir die Tränen in die Augen schießen (und das nicht wegen der Kälte), denke ich an den wahren Spruch:
Es lässt sich im Taxi besser heulen, als in der Straßenbahn.
Ja, verdammte Scheiße.

Ich hab heute in der Therapie endlich ein Thema anfangen können, das mir schon lange auf der Seele liegt.
Vor einem Jahr, in der Tagesklinik, drängte mich der dortige Klinikchef dies jetzt anzugehen und damals sagte ich ganz klar Nein dazu. Und das war richtig, stimmig und gut so.
Es ist nämlich mit unglaublich viel Scham behaftet und das kann ich nur direkt mit einer Person machen, der ich vertraue.

Es gibt Sachen, vor denen ich Angst hatte, die ich inzwischen wieder machen kann.
Es gibt Sachen, vor denen hab ich immer noch Angst, mache sie aber trotzdem.

Und dann gibt es Sachen, die vermeide ich meistens aus Angst.
Manchmal klappen sie, manchmal nicht.

Da kam der Punkt an dem ich heute mit der Therapeutin irgendwie aneinander vorbei geredet hab. Keiner verstand den anderen.
Ich bin der Meinung, dass wenn es scheinbar klappt, ich aber zuviel Ausreden/Ausweichmanöver dabei benutze, die ich nicht mehr haben will.
(und darin sind Angstpatienten Meister, sie verbrauchen viel Kraft, um das was nicht geht zu verschleiern oder ganz zu vermeiden, ähnlich wie Süchtige)
Sie meint, dass ich es mir doch so gestalte, damit das geht. Was sie gut findet, weil ich mir so ja neue/andere Wege ermögliche.
Und das stimmt nicht. Das spüre ich, das es kein übliches: "Wie könnte es noch gehen?" ist
Daraufhin meinte die Therapeutin, das hier nun wieder meine sehr strenge Seite zum Vorschein kommt. Die war schon oft Thema. Das kennen wir schon.
Da hatte sie wieder recht. Ich verlange von mir, dass das wovor ich Angst habe, wieder genauso funktionieren soll, wie früher. Ganz normal, ohne nachdenken, ohne Nischen, ohne ein Geschiß drum zu machen!

Einfach so, mit anderen Menschen zusammen essen können.

Das ist doch das normalste von der Welt!
Das machen täglich Millionen Menschen!
Eine andere Seite in mir kann das manchmal mit Humor sehen: Andere haben Angst vor Wasser, Geld, roten Gegenständen, Plastik...ach es gibt da die kuriosesten Ängste!

Ich darf den inneren Erlauber wieder hervor locken, damit ich mir erlaube, auch bei diesem Thema gnädiger mit mir zu sein.(dann komm ich nämlich viel leichter und schneller zu meinem Ziel, diese Erfahrung hat mein Verstand gespeichert, nur die Gefühlsanteile hinken noch etwas) Ach....

Meine Therapeutin ist da guter Hoffnung, dass ich auch das, wie schon vieles andere, wieder machen kann.
Wenigstens eine von uns.
Ich seh das schwieriger, weil sich die Angst nun richtig eingraben konnte. Weil ich es nicht häppchenweise (im wahrsten Sinne des Wortes!) immer weiter geübt habe, wie die anderen Situationen mit Angst.

Wir werden es angehen. In kleinen Schritten: Wann fing es an, was waren die Umstände, was macht's schwieriger, was leichter...usw.

Ich bin echt gespannt.

Kommentare:

  1. was mir dazu ein fiel am Schluss das nächste Abenteuer und es wird was bringen jetzt....
    lieben Gruss Elke

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  2. Ach Regenfrau, die Angst vor der Angst ist mir leider auch noch täglich mehr oder weniger präsent. Bei mir ist es die blöde Agoraphobie... Eins hab ich auf meinem Weg mit der Angst gelernt - solange bis ich in der Lage bin, die Ursache zu sehen und zu verarbeiten, erlaube ich mir Werkzeuge - und dazu gehört eben auch das von Deiner Therapeutin erwähnte "sich Mittel zurecht legen um dahin zu kommen, wo man hin will". Du magst das als Ausrede sehen, aber vielleicht könntest Du es auch wirklich als Werkzeug betrachten und trotzdem parallel an den Ursachen arbeiten, damit es dann irgendwann auch wieder "ohne Geschiß" geht?

    Ich drücke Dir ganz feste die Daumen!

    Lg
    "Blogigo-Maja" ;-)

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  3. Ja Elke, irgendwie würd ich gern auf dieses Abenteuer verzichten und mir eins aussuchen bei dem der Spaßfaktor höher ist.. :-/

    Danke liebe Maija, das klingt gut, sehr gut und könnte funktionieren, da mit mir selbst etwas milder zu sein! Hilft mir :-)

    Beste Grüße

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