Mittwoch, 29. Februar 2012

Einfach mal gut sein lassen...

Dacht ich mir. Als mir gestern selbst der ganze Psychokram dermaßen auf die ... ging.
Lieblings-gute-Laune-Cosmic-Cd eingeworfen und im Takt gestrickt, Zähne geputzt und tänzelnd ins Bett gehüpft.
Sieht doch gleich ganz anders aus.

Ja auch ich schimpfe viel.
Ja auch ich falle oft in tiefe Löcher.
Ja, auch ich kann da manchmal einfach nur noch heulen und jammern und verzweifeln.
Aber es gibt auch eine Zeit der Freude, der Hoffnung, der Leichtigkeit.
Die muss man sich einfach holen. Ein anderer wird's nicht tun!

Viele aus der Klinik/Selbsthilfegruppen schimpften oft, dass sich ihr Freundeskreis mehr oder weniger auflöste.
Jaaaa, wenn ich immer nur das negative seh, braucht das auch keinen zu wundern.
Das mag jetzt provokant klingen, aber ich meine damit die Leute die wirklich immer und überall schimpfen und nur jammern. Hab so ein Beispiel gerade quasi direkt vor der Haustür *seufz* und auch oft in der Gruppe *doppelseufz*.
Da möcht man am liebsten schreien:
Einfach mal die Klappe halten!!!!!!
Oder:
Geh zum Psychiater und laß dich von dem pampern!!!!


Ich hab Freunde, die psy. Probleme kaum kennen. Denen sag ich nur das Gröbste in dieser Hinsicht. Mehr müssen (und wollen oft) die nicht wissen. Mit denen mach ich Ausflüge, lache, blödle rum, mach ganz normale Dinge eben.
Und dann gibt es Freunde, die auch selbst krank sind, mit denen ich mich über diese Sachen austauschen kann UND auch mal übers Wetter, der blöden Verkäuferin, das Haustier usw.

Ich fahre damit sehr gut und mein Freundeskreis hat sich nicht verdünnt, im Gegenteil.
Freunde müssen nicht alles verstehen. Und Freunde müssen auch nicht alles mitmachen. Tu ich ja auch nicht.

Deswegen gibts heut einen Spielenachmittag, ohne Psychodrama.
Das kann ich morgen in der Therapie wieder auspacken, denn dafür ist die ja auch da.

So. :-)

Dienstag, 28. Februar 2012

Draußen zuhause

Was mich wirklich glücklich macht, ist draußen zu sein und mich zu bewegen.
Das ist schon lange in meinem Kopf präsent, doch erst jetzt sickert es langsam tiefer und die Umsetzung ist greifbarer.
Der Satzanfang "irgendwann - irgendwann werd ich..." wird gestrichen. Stattdessen werden machbare Ziele gesteckt: Für dieses Jahr. Endlich den Arsch hochkriegen und einfach mal machen.

Kleine und große Erlebnisse schaffen:
Im See schwimmen, Berge erklimmen, paddeln, Federball spielen, eine Schifffahrt, slacklinen, am Feuer sitzen, im Zelt übernachten, Eislaufen, barfuß gehen, Esel streicheln, durch Wälder spazieren, mit Hunden spielen, den Sonnenuntergang anschauen, im Gras liegen, radeln,
auf dem Bauernhof mithelfen ...

Es gibt soviel.
Geh raus und schaff Dir 'n paar Erlebnisse! (*klick*)
Leichtigkeit und Spontanität leben.
Alles möglichst einfach gehalten.
Das ist für mich Erfüllung!

Ich bin froh, dass ich letztes Jahr angefangen habe, in gute Sportkleidung zu investieren. Ordentliche Wanderschuhe, wind-und wasserabweisende Radlerklamotten (sieht zwar nicht sonderlich sexy aus, aber die Funktion zählt ja. Vor allem die Hose MIT POLSTER im Schritt! Gut aufm Sattel, aber im gehen, laufen fühlt sich das wie eine XXL-Windel an, zum Glück sieht man das kaum!), Sonnenbrille mit guter Qualität, Wandershirt, Wanderhose u.v.m

Das ist für mich meine persönliche Versicherung. Gegen alles mögliche. Da ist mein Geld besser angelegt.
Ich bin froh, dass ich schon viel unterwegs war und viel lustiges, kurioses, tolles, neues, abenteuerliches erleben durfte. (zu dieser Zeit war mir das noch nicht klar, WIE wichtig das für mich ist und es passierte eher nebenbei).
Die Erinnerung daran, ist ein hervorragendes Antidepressivum!

Es dürfen noch mehr tolle Ausflüge kommen! :-)

Ich brauch kein neues Handy, keinen Nagellack oder teure Staubfänger.
Mir ist ein gelebtes Leben wichtiger. Und das zu erkennen, anzunehmen und umzusetzen erfreut mich ebenso. Und auch dazu stehen.
Meine Ziele finden, mich besser kennenzulernen...
auch das ist Glück.

http://alex-rubenbauer.de/minimalismus/869/into-the-wild/

Montag, 27. Februar 2012

Besser

Darüber bin ich gerade gestolpert:


Was Du auch tust
es ist falsch.
Wie Du dich auch entscheidest
es ist falsch entschieden.
Welchen Platz Du auch einnimmst
es ist der falsche Platz
denn Du bist falsch.
Du bist nicht in Ordnung.
Du bist fehl am Platz.
Du bist zuviel.
So vernahm es das kleine Kind
und wusste keine Ausweg
außer dem stillen Rückzug
in sich selbst hinein.

Lieber Nichtstun als etwas tun
denn etwas tun bedeutet
das Falsche tun,
aber Nichtstun ist auch falsch.
Nichts ist richtig.
Als Nichts bist Du richtig.
Solange Du etwas bist
bist Du verkehrt
bist Du nicht in Ordnung
bist Du fehl am Platz
bist Du zuviel.
So vernahm es das kleine Kind
und baute sich seine eigene Welt auf
wo es einen Platz hat
um der Wirklichkeit zu entfliehn
dem Dilemma
Da zu sein

Frieder Gutscher

Und genau das ist der Knackpunkt: Ich könnt ja was falsch machen.
Ich hab mir schon vor ein paar Wochen vorgenommen, genauer hinzuschauen und vor allem zu fühlen, was es mit dieser Sommer-Sonnen-"phobie" auf sich hat.
Nunja, danach hab ich mich erstmal 2 Stunden voll diesem grauen Sumpf hingegeben, bin in meine Phantasiewelt und ins Bett geflüchtet und... anscheinend hat es das gebraucht.
Danach gings mir besser und ich war sogar eine Runde ums Dorf radeln.So und jetzt ist keine Flucht und Zerstreuung mehr angesagt, sondern: essen und so.


I mog ned

Irgendwie ist das alles zur Zeit wieder richtig zäh.
Klar, gibts Momente in denen ich fühle, was ich gerne machen würde.
Und hin und wieder kann ich das auch umsetzen.
Dann freue ich mich schon, genieße und lache auch, aber noch mehr überwiegt der graue Sumpf.
Kein Appetit, keine Ahnung was ich machen könnte, wenn ich davon ne Ahnung hab dann kommt oft genug die Bremse: Ne zu anstrengend.
Das ist leider keine Ausrede. Es ist sehr viel anstrengend, schwer, zäh.
Lustlosigkeit. Freudlosigkeit.

Wie lange schon?
Sehr lang. Zu lang. Es ist das Alltagsgefühl geworden. Gut bekannt. Oft gar nicht mehr als einen krankhaften Zustand erkennbar. Depression.
Oft verdränge ich auch den Graben von Sollzustand (wie ich mir mein Leben wünsche, gestalten könnte) und dem Istzustand (siehe oben).

Ich glaube, wenn mir das immer so präsent wäre, wie heute,
hätte ich schon längst das Bahngleis besucht.
Aber ich hab ja gelernt zu verdrängen, zu verleugnen, weil auch dies schon sehr lange - zu lange, mein Überleben sicherte.

Und ich krieg schon wieder leichte Panikschübe wegen der Aussicht auf den nahen Frühling.
Da scheint dann die Sonne gnadenlos auf meinen Graben.
Da kann ich nicht mehr wegsehen.
Da funktioniert kein Verdrängungsmechanismus mehr.
Schön ausgeleuchtet liegt er dann vor mir.
Abgründe tun sich da auf...

Die Sonne, dass ist die Hölle der Depressiven.
Amen.

Sonntag, 26. Februar 2012

Hundemama in Teilzeit

Naja, eher als Aushilfe :-)

Darf ich vorstellen, meine neue Liebe:


Mit so kleinen Hunden hab ich es ja nicht so, weil ich Riese immer Angst hab, auf sie drauf zu latschen.
Und natürlich das Vorurteil: Terrier! Kläffer!
Diese süße Maus hat noch nie gekläfft. Zumindest hörte ich sie noch nie.
Und sie ist eine ganz sanfte. Und gutmütige. Und verschmuste. Und manchmal einfach herrlich stur. Und...
hach! Ein Goldschatz!

Die werd ich mir nun öfters ausleihen :-)

*wuff* (ICH kann bellen!)

Sonntagsmotto

Gestern hörte ich den Erzählungen meiner Freundin am Telefon zu.
Sie kennt die Themen: Selbstsabotage, Selbstabwertungen, Selbstbeschneidungen.
Und sie sagte zu ihrem neuen Vorhaben: "Das erlaube ich mir jetzt einfach."
Ich spitzte noch mehr meine Ohren, ich war hellwach, ich machte große Augen.
Mir selbst etwas erlauben!

Nach dem Telefonat, sagte ich mir selbst immer wieder

ich erlaube mir ...

noch ohne konkrete Vorstellungen, was ich mir denn erlaube.
Das ist auch erstmal noch gar nicht wichtig.
Mit dem Satz daran schlief ich ein und 8 Std. durch.

Heute Morgen fühlte ich mich sehr entspannt, locker und frei.
Welch wundersames Geschenk, mir selbst die Erlaubnis zu geben!

Ich werde darauf noch länger meine Aufmerksamkeit richten :-)

Samstag, 25. Februar 2012

Ein Päckchen weniger zu tragen



War mir gar nicht klar, dass mich ein Thema das ich mit den Vermietern zu klären hatte, so belastet.
Die erste Erleichterung kam, als ich anrief und mein Problem schilderte. Ich hatte es in die Hand genommen. Wenn ich nix tue, tut sich nix.
Das endgültige OK hab ich noch nicht, aber zu 50% schon.

Ich hab tolle Vermieter. Bis jetzt haben wir alles immer gut und schnell klären können. Sie haben mich unterstützt in einem Nachbarschaftsstreit und einen Schaden übernommen, der eigentlich auf meine Kappe ging.

Also rein sachlich betrachtet: Keine Gefahr.
Aber wer einmal eine Zwangsräumung der eigenen Wohnung mitgemacht hat, braucht das nicht noch einmal (wobei ich davon jetzt himmelweit entfernt bin!).
Einmal reicht.

So und vor lauter Freude und Erleichterung hab ich gleich mal best friend aus dem Bett geklingelt. Dafür bekam er auch Frühstück. Und dann gabs nen Film. Ich mein, VideoABEND kann ja wohl jeder. Aber Videofrühstück? :-)

Heute ist ein guter Tag!
Und die gabs auch noch:



Einzig, dass meine Wolle nun bei der Post liegt und ich sie erst Montag abholen kann, ist etwas blöd. Ich würd doch soooo gern gleich mit dem stricken loslegen.........

Freitag, 24. Februar 2012

Rettung des Tages


Heute die erste Radrunde des Jahres geschafft und den Wind auf Haut und Haaren genossen. Und die Sonne. Die SONNE! Ich! Regenfrau. :-)

Sport ist und bleibt einfach ein wunderbares Heilmittel. Für mich.

Die hab ich besucht. Hielten jedoch Mittagsschlaf und waren gar nicht gesprächig. Die abgeschnittenen Beine bitte ignorieren *räusper*


Der Rest vom Schützenfest, also dem Schnee. Überall gluckerte und blubberte es und teilweise mussten tiefe Seen und Flüße voll Schmelzwasser bewältigt werden :-)


Ich liebe es freie Sicht zu haben. Ziemlich blass im Hintergrund: Die Alpen.
In der Mitte das Nachbardorf. Und da mittendrin die Kirche. Logisch. Echt bayrisch und katholisch halt.
Kurz bei einer Bekannten vorbei geschaut. Die ist aber im Urlaub. Hab ihr Wohlfühlpost dagelassen.


Auf dem Heimweg fast vom Polizeibus gerammt worden. Frechheit. Sie positionierten sich für eine Kontrolle.
Als Rache per Handbewegung die Autofahrer gewarnt.

Jetzt: Gefühl genießen, wenigstens etwas sinnvolles und wohltuendes gemacht zu haben.

Der verinnerlichte Vater

Die komplizierte Dynamik des narzisstischen Mißbrauchs innerhalb der Familie, wird in dem Buch "Emotionale Gewalt - Traumatisierungen in der Kindheit durch nahe Bezugspersonen" sehr anschaulich und verständlich erklärt.
Vor allem die Vater-Tochter-Beziehung wird genau unter die Lupe genommen:

"Die Werte des Vaters sind durch die Identifikation mit dem Aggressor die eigenen geworden und werden daher auch auf die eigene Person angewandt.
(...)
Die Patientinnen setzen gegen die Gefahr, sich im Frustationsfall zu entwerten nun permanent die Idealisierung ein, so wie sie es in ihrer Kindheit taten und tun mussten. Sie dürfen damit nicht aufhören, weil sie sich sonst den negativen Aspekten des narzisstischen Missbrauchs stellen müssten."

Ich konnte und kann immer mehr die Idealisierung sein lassen (durch Therapie und anderen stabilen Beziehungen) und sehe nun das ganze Ausmaß und die Folgen des Missbrauchs.
Das ist schwer. Sehr schwer.

"Der verinnerlichte Vater wacht immer noch darüber, dass die Patientin ihm folgt und keine neuen Beziehungen knüpft, die das narzisstische Beziehungsmodell in Frage stellen."
Nicht nur der verinnerlichte. Auch der reale... und der zeigt der Tochter anhand von Dritten, was passiert, wenn man man nicht tut, was er fordert.(was nicht ideal ist, wird abgewertet/vernichtet/bekämpft...und von der Tochter wird gefordert das narzisstische Größenselbst des Vaters aufrecht zu erhalten) Das macht Angst. Das macht gefügig und extrem gehorsam.
"Meiner Ansicht nach spielt die abgewehrte Angst vor dem Gewaltpotenzial des Vaters hier eine entscheidende Rolle."

Von Judith Hermann:
"Das Gefühl, dass der Täter immer noch in der Nähe ist, auch noch nach der Befreiung, prägt das signifikant veränderte Beziehungssystem des Opfers. Die Beziehung, die dem Opfer während der Gefangenschaft aufgezwungen wurde und auf die es alle Aufmerksamkeit richten muss(te), gehört nun zum Innenleben des Opfers und beansprucht auch nach der Freilassung seine Aufmerksamkeit."

Würde erklären, warum ich derzeit eher depressiv und selbstschädigend drauf bin bzw. mich manchmal überhaupt nicht befreit und wohl in meiner Haut fühle. Die innere Dynamik ist noch ordentlich am arbeiten.

siehe auch hier:
"Für Menschen, die in sexuellen und familiären Beziehungen oder religiösen Sekten gefangen waren, kann das Fortdauern der Beziehung stärkere ambivalente Züge haben: Manchmal fürchtet das Opfer weiterhin den, der es gefangen hielt...doch manchmal fühlt es sich ohne ihn auch leer, verwirrt, nutzlos."

Donnerstag, 23. Februar 2012

Einen Schritt zurück

München. 4 Grad plus, die sich anfühlen wie 10 Grad. Minus.
Der Fahrplan der S-Bahn wurde gehörig durchgeschüttelt. Verspätungen, Zugausfälle.
Hurra.
Ich bin ja eh schon 1 Std. zur Therapie unterwegs. Einfach. Normalerweise.
1 Std. später sitze ich vor der Tür der Therapeutin. Ich bin pünktlich. Sie nicht.
Sie rauscht gehetzt an mir vorbei. Bleibt stehen. Dreht sich entgeistert um und schreit fast:" Wie haben Sie dass denn gesachafft? Pünktlich hier zu sein?"
*schulterzuck* Keine Ahnung.
Aber ihr Gesichtsausdruck war unbezahlbar.
(sie kennt ja meinen Fahrtweg).

Tjo. Nun also ist es offiziell. Und ich spür den Unterschied, ob ich nur für mich sage: "Relax! Eine Stufe langsamer reicht aus." Oder ob ich das offen mache und bespreche.
Ich bin erleichtert. Sehr. Es fühlt sich wieder viel richtiger an. Machbarer.
Nix mehr mit Vorzeigepatientin spielen. Oder so.

Es passiert ja eh genug. In mir. Mit mir. Ich hab derzeit das Gefühl das erste Mal seit vielen vielen Jahren (wenn nicht sogar das erst Mal überhaupt in meinem Leben) mich zu spüren, Gefühle wahrzunehmen, bewußt entscheiden, konstruktiv nachdenken und keine endlosen Grübeleien, mich nach meinem inneren Leuchtturm ausrichten dürfen...

Natürlich kommen wir immer wieder auf das Thema Angst. Das ist nicht umgänglich und soll es ja auch nicht sein. Es ist aber ein fließen und nicht ein hervor zwingen, kontrollieren, aufreißen.
Der Grashalm wächst ja auch nicht schneller, wenn man an ihm zieht.

Und das Thema mit der Festung ist da ein ganz wichtiger Teil. Den schauen wir uns noch genauer an und das ist gut so.
Gestern las ich einige Berichte von Austauschschülern. Einige Eltern kamen auch zu Wort. Ich saß da und dacht mir: Das gibt es auch. Echte Unterstützung eine hilfreiche Förderung, ein eingehen auf Wünsche/Bedürfnisse der Kinder!!!

Für heute ist genug.
Ich bin saumüde, total verspannt und noch mehr durch gefroren.
Mich ruft das Bett.

Vergloghaferl

nein, das ist nicht niederländisch.
Sondern bayrisch. Und ich hab mich sehr gefreut, dieses Wort nach Jahren mal wieder zu hören!
Es bedeutet: verglog = verklagen/petzen, Haferl = Schüsselchen/tasse.
Und ganz klar: Vergloghaferl sind nicht sonderlich beliebt. :-)

Der Lacher des Tages gestern:
Eine Bekannte und ich stöbern in Büchern die kostenlos abzugeben sind.
Ich:" Hej ich hab da was für Dich!"
Neugierige Blicke.
Ich lese laut den Titel vor: Der Tod kommt blond und nackt
Ein paar Männerköpfe neben uns heben sich.
Wir kichern lange und noch mehr als Bekannte sagt: "Gut, dass wir weder das eine noch das andere sind."

Jepp. So ein Glück aber auch :-)

Mittwoch, 22. Februar 2012

Neues Verbot

Dem Verbot *dir darf es nicht gut gehen* bin ich ja seit meiner 1.EMDR-Sitzung auf der Spur.
Ich erkenne immer öfter, wo ich mich selbst sabotiere durch die alten Stimmen. Etwas dagegen zu setzen ist ein anderes Lied. Und schwerer.

Heute geht es mir extrem schlecht und ich war kurz davor den Vormittagstermin nicht wahrzunehmen. War aber trotzdem dort, nur verkürzt.
Strahlend blauer Himmel, die Sonne scheint, der Kaffee wurde ohne Jacke auf dem Balkon getrunken.
Und ich möcht mich am liebsten in die tiefsten Höhlen dieser Erde verkriechen.
Also lag ich eingemümmelt auf der Couch und ließ die Gedanken kommen und gehen.
Und dann kam eine Vermutung: Mir darf es schon gut gehen, ABER nur im Rahmen der Familie!
Ich sehe mit erschreckender Klarheit, dass unsere Familie eine Festung war. Besucher gab es schon, aber andere Bezugspersonen die keine Mitglieder waren, waren verpönt, gefährlich, wurden davon gejagt!
Vor allem eigene Probleme und Sorgen durften nicht nach außen dringen. Das hat man intern zu regeln. Aber bloß nicht zuviel!
Oberflächliche Kontakte ja. Mehr nicht.

Ich weiß noch wie ärgerlich meine Familie reagierte, als ich das erste Mal stationär in eine Klinik ging! Drama! Ich wagte es auszubrechen! Natürlich wurde ich via Telefon ordentlich in Schach gehalten.
Und trotzdem fand ich dort Leute, mit denen ich heute noch Kontakt habe.
Sehr guten sogar.
Jetzt weiß ich, warum sich Vater/Mutter/Schwester nie Namen meiner Freunde merken konnten oder wo die wohnten oder woher ich die kannte. Oder es wurde versucht auch mit denen befreundet zu sein - mit allen Mitteln!
Eisiges schweigen war auch angesagt, wenn ich diese Freunde auch noch besuchte, Spaß hatte, fern der Heimat war UND mich sogar erdreistete mit denen und nicht mit der heiligen Familie Weihnachten/Geburtstag/Sylvester ect. zu feiern.
Selbstverständlich wurde da später die ambulante Therapeutin als komische Tante und blöde Kuh betitelt!
Natürlich durften auch nie die Nachbarskinder bei uns übernachten.
Sich finanziell, emotional, handwerklich..ect. auf die eigenen Füße zu stellen: schier eine Straftat!
Ebenso etwas zu tun, was noch nie jemand in der Familie tat (z.B. meditieren, vegetarisch und ohne Fernseher leben, die Wohnung sauber halten, jonglieren lernen...)
undsoweiter undsofort.

Ahhhhhhhhh!
*plingpling* hier scheppern nur so die Groschen! Meine Depression hat sich quasi fast schon aufgelöst, weil ich strahle und sage (wieder einmal):
Mit mir nicht! Kocht ihr nur weiter euer Süppchen. Ich geh lieber Schnitzel essen und zwar mit Nichtfamilienmitglieder!
Ich trete aus eurem Verein aus (äußerlich schon passiert, innerlich in Arbeit).
Jepp, ich bin gerne das schwarze Schaf.
Ihr musstet mich gar nicht ausstoßen. Ich ging schon vorher.

Weil ich euer mieses Spiel durchschaut habe und nicht mehr mitspielen will!
...
und atme tief ein
...
und lange aus.

Wie befreiend!

(dass dies gerade jetzt so massiv auftritt ist auch klar: Ich hab in letzter Zeit neue Kontakte geknüpft und meinen Radius in einigen Bereichen erweitert. Ebenso schmiede ich ja weitere Pläne, die in die gleiche Richtung gehen!)

7 Wochen ohne

Die Fastenzeit ist da.
Ich hab mir überlegt, ob ich auch mal von etwas fasten will.
Natürlich waren da gleich 3-4 Dinge da.
Zum Glück fiel mir rechtzeitig ein, dass ich es schon wieder mal übertreibe :-)
und EINS doch reicht.

Also gut, ich möchte in den kommenden 7 Wochen keine neuen Süßigkeiten kaufen. Die, die ich jetzt noch habe, müssen eben gut eingeteilt werden und wenn sie weg sind, sind sie eben weg.
1 süßes Teilchen vom Bäcker pro Woche ist gestattet.
Da ich es mir zum Ritual gemacht habe, nach der Therapie und der langen Fahrt, mich erstmal gemütlich daheim hinzusetzen und einen Kaffee mit Gebäck zu genießen, um mich gedanklich zu sortieren.

Das fühlt sich gut (meinem Körper wird das sicherlich sehr gut tun) und machbar an.
Denn eines muss ich auch bedenken: Ich war jahrelang auf dem "Fastentrip" in Form der Selbstkasteiung. Alles musste korrekt sein. Ob mir das gut tat oder nicht. Völlig egal.
Mir eine Decke holen, wenn mich friert? Undenkbar!
Morgens erst eine rauchen und dann frühstücken? (wenn mir danach wäre) Fehlanzeige!
Den Lift nehmen mit schweren Einkaufstaschen? Päh, der is was für alte Leute!
Kleidung kaufen die mir paßt und gut steht? Schmarrn, Kleidung wird völlig überbewertet!
usw.

Passend dazu las ich bei Frau Ding Dong den Artikel:
Gut genug! 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz

Und Ihr? Wird gefastet oder nicht?

Dienstag, 21. Februar 2012

Inneres Gespräch

Gestern hab ich mal ganz zaghaft in mich gelauscht...
Warum es mir so mies geht, wenn ich eine Verabredung absagen muss.
Ich ahnte, dass es mehr sein würde, als nur das Schuldgefühl.(weil ich den anderen enttäusche und/oder dessen Bedürfnisse nicht erfüllen kann).
Es zeigte sich recht schnell, dass eine Angst vor dem verlassen werden da ist.
Ziemlich massiv sogar. Das hätte ich nicht gedacht.
Hab dann damit gearbeitet und mir bewußt gemacht, dass ich ja nicht für immer von diesem Menschen weggehe, sondern nur heute nicht kann.
Es ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.
Danach ging es mir etwas besser.

Dann schaute ich noch, was sich da in mir regt, zum Thema Angstbewältigung in der Therapie.
Auch hier kam sehr schnell und klar ein Satz:
"Was machst Du denn da?" Im erstaunten, erschrockenen Tonfall.
Wie wenn eine Frau ihren Mann kochend in der Küche sieht, der normalerweise nicht mal die Pfanne anrührt und nun schon ein Chaos angerichtet hat :-)
Dies ließ mich etwas bedröppelt drein schauen. Ich bin aber für diesen Satz sehr dankbar. Da es mir noch bewußter werden läßt, dass das noch gar nicht dran ist.

Erstmal ist da viel Mitgefühl und Trost für diesen verletzten Teil (unterschiedlichen Alters) dringend nötig.
Hab ich jemals sowas gehört, wie: "och komm her, das glaube ich dir, dass das weh tut/dass du traurig/enttäuscht (ect.) bist!" ???
Nein. Es kamen immer so dämliche Sprüche, wie:" Biste Oma bist, is das verheilt!"
Aus. Ende der Sache.
Alles immer nur mit dem Verstand klären.
Gefühle waren ja verboten.

Da weiß ich, was ich heute noch mache....

Montag, 20. Februar 2012

Und immer schön den Takt halten

Er musste kommen. Der Tag, an dem ich mit meiner Gitarre schier verrückt werde. Künstlerkrise. Wobei ich mich als Pseudokünstler verstehe: Viel machen und von nix ne Ahnung. Mal ein wenig zeichnen, ein wenig fotografieren und nun auch noch musizieren. Auch wenn das Ergebnis oft mau ist, meine Seele nährt es. Und das ist das wichtigste. Das Ego ist schon satt genug.

Also gut. Da saß ich also: Mühsam den Griff haltend, in einen anderen Griff wechselnd und wieder zurück. Nur der kleine Finger wollte nicht bleiben, wo er bleiben sollte. Mit der rechten Hand nachgeholfen. Das geht natürlich gar nicht. Man kann nicht mitten im Lied da mal unterbrechen und dem kleinen Ausreißer Hilfestellung geben.

Egal.

Weiter im Lied. Ich schau mir auf youtube Videos an. Wie machen das andere? Denn die Akkorde zu greifen ist das eine, das andere das Schlagmuster. Egal welches Lied ich auch höre, überall höre ich genau raus was die spielen.

Nur bei mir nicht. Den Songtext lass ich erstmal weg. Kleine Schritte soll man ja gehen, sonst stolpert man. Achja. Aber die Videoeinsteller lassen den Liedtext nicht weg! Grausam. Was man sich da anhören muss! Mir biegt's die Zehennägel auf. Ich mein, ich kann auch nicht singen, zumindest nicht solo und ich weiß das und muss meine schiefe Töne nicht auch noch meiner Umwelt antun.

Ich finde einen kleinen Gitarrenkurs. Der mir ansprechend erscheint. Ich schaue mir einige Dinge von dem Typ an. Alles gut und schön und recht. Die ersten Takte erklärt er langsam und ruhig und verfällt dann immer schneller in seinen normalen Spielrythmus, der aber ganz anders als sein Anfang ist und den ich – bitteschön- auch gern mitspielen möchte.

No Chance.

Ich klimper ein wenig allein vor mich hin, soll ja die Seele nähren und so, ich schrieb das schon. Ich kann es aber nicht lassen und stöber noch ein wenig weiter und dann sehe und höre ich etwas, was mich platzen und das Instrument für 3 Tage ignorieren läßt.

Da sagt doch glatt so ein selbsternannter Gitarrenlehrer, dass man immer in einer schön entspannten Haltung bleiben soll und...achja...die Atmung natürlich nicht vergessen sollte!!!!!!

Aha.

WIE SOLL DAS GEHEN?????

Ich packe meinen Kram zusammen und rüttle ein wenig an meinen selbstgebauten Regenmachern. Klingt auch schön und ist nicht gar so kompliziert.

Und wenn mein best friend das nächste mal so locker vom Hocker seine Geige auspackt oder sich ans Klavier setzt und die melodiösesten Melodien des Universums hervor zaubert,

dann...

dann kann ich echt für nix mehr garantieren!

Grauer Montag

Seit dem 1. Jan. diesen Jahres schreibe ich mir jeden Abend in den Kalender was schön an diesem Tag war oder was ich neues gemacht/ausprobiert habe.
Gestern war da nix. Lange überlegen wollte ich auch nicht oder aus Zwang jetzt etwas schreiben, nur damit da was steht.
Nein, es darf auch an einem Tag ein Querstrich sein. Da war nix.

Gestern in der Früh ging es mir noch recht gut.
Dann kippte es und ich weiß nicht recht warum.
Gut, es ist derzeit eh alles recht wackelig. Wundern tut es mich nicht.

Alle 2 Wochen ist bei mir eine volle Woche dran. Mit vielen Terminen. Diese Woche ist zum Glück die leere Zeit. Also fast.
In dieser Zeit schaue ich, dass ich mich mit Freunden/Bekannten treffe.
Das geht aber derzeit auch nicht. Ich habe jetzt erstmal alles abgesagt.
Was mich noch trauriger macht.
Es hat aber auch keinen Sinn. Das weiß ich einfach. Wenn ich mich so schutzlos, gereizt, traurig fühle, ist es für mich das Beste den Rückzug anzutreten.
Ich ertrage da keine Menschen. Und schon gar keine, die mir nahe stehen.
Immerhin kann ich dies nun zum Teil akzeptieren.
Früher wäre das der Startschuß für die gnadenlose Selbstabwertung gewesen, nach der es mir erst recht scheiße ging.

Dazu kommt das Thema Fasching. Letzte Woche war ich noch erstaunt, dass sich hier nun eine Gelassenheit zeigt. Früher waren diese Tage immer brenzlig. Schwieriger wie Weihnachten. Vor wenigen Jahren war das Faschingsaustreiben noch direkt vor meiner Haustür. Für mich fast eine Katastrophe. Jetzt wurde es zum Glück an einen anderen Ort verlegt.
Aber das Wissen ist einfach da. So habe ich mir für morgen meinen Haushalt vorgenommen. Hinaus werde ich nicht gehen und das Radio bleibt auch aus.
Und bin froh, wenn endlich Mittwoch ist.

Vielleicht kommt auch noch meine getauschte Wolle, so dass ich weiter stricken kann. Dieses Mal soll es ein ganz persönliches "Schutztuch" werden.

Ich fühle mich, als hätte sich die Erdanziehung verdoppelt.
Alles zieht nach unten. Jede Bewegung ist zäh und schwer.
Ich kann es nicht recht sortieren, es sind nur Fetzen und Ahnungen aus der letzten Therapiestunde und aus den Nachtträumen da.
Alles irgendwie verschwommen.
Auch das ist in Ordnung. Ich muss da jetzt nicht zwanghaft buddeln.

Wenn ich soweit bin, wird es sich schon klarer zeigen...

Sonntag, 19. Februar 2012

Du bist nicht mehr meine Mutter

Eine Reportage über den Kontaktabbruch zu ihren Eltern.

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=9326436

Fand ich sehr gut, weil genau die Problematik getroffen wurde:
Das Gefühl nicht wahrgenommen zu werden. Überhaupt die verschiedenen Wahrnehmungen. Die Freiheit danach. Endlich wieder ein ICH werden zu können.
Dass die Kinder vor dem endgültigen Schlußstrich meist alles versucht haben, sich zu erklären, eine andere Ebene zu finden, irgendwie eine Beziehung aufrecht zu erhalten.
Es hat keinen Sinn, wenn nur ein Teil sich diese Mühen macht.

Für mich muss ich auch sagen: Einsamkeit verspüre ich jetzt weniger, als noch im Kontakt. Denn da musste ich mich selbst verlassen, um dem geforderten Bild einer Tochter zu entsprechen.

Jedes mal die erneuten Verletzungen aushalten müssen, nicht gesehen-nicht gehört zu werden, die Demütigungen, die Beleidigungen...

Die verlassene Mutter die gezeigt wurde, ist derzeit zu diesem Thema stark in den Medien vertreten.
Ich möchte gerne wissen, wie es ihrer Tochter damit geht.
Ist bestimmt nicht einfach.

Dass vergeben nicht heißt, so weiter machen, als wäre nix gewesen.
Es gibt keine unfehlbaren Eltern, wenn diese aber nur ihre guten Seiten sehen wollen und den Rest verleugnen, ist das genauso falsch.

Samstag, 18. Februar 2012

Eins nach dem anderen

Ja es wird mir immer klarer, dass ich zu flott vorgeprescht bin.
Im Moment bin ich an dem Punkt, an dem ich erstmal ehrlich hinschaue: Wo hab ich Angst? Warum? Einfach erstmal wahrnehmen. Und da fallen mir natürlich viele Situationen aus der Vergangenheit ein.
Ich hebe sozusagen den Schleier und schaue was da so liegt. Wenn ich das weiß, dann kann ich es annehmen und dann erst verändern (wenn ich es will oder es nötig ist).

z.B. war ich gerade schwimmen. (endlich mal wieder! Oh tat das gut!) Und das Hallenbad war für mich nie ein gefährlicher Ort. Da hab ich überhaupt keine Probleme mit irgendwas. Während ich so meine Bahnen zog, fiel mir auch ein, warum das so ist.

Als ich gestern akzeptierte, dass ein langsamer Schritt mir besser tut, war ich gleich viel entspannter. Ich habe viel geschlafen, war aber auch viel draußen - mehrmals. Einfach weil mir danach war und ich drauf hörte.

Gleich geht es nochmal hinaus. Mit einer Bekannten und ihren Hunden.
Ich freu mich schon sehr!

Trotz tiefer Löcher, stehe ich auch oft ganz erstaunt da und fühle wie wunderbar diese Selbstbestimmung ist!
Und dass ich die Menschen, die ich vor kurzem aus meinem Leben warf, keineswegs vermisse!

Freitag, 17. Februar 2012

Nachwirkungen

Jetzt ist mir klar, warum es sooft heißt: Bei Traumatherapie kein Täterkontakt!
Also es war mir schon klar, dass das wenig Sinn macht, aber ich musste auch erst sehen, dass mein Vater auch dazu gehört.
Und ich bin froh, dass ich das jetzt seh, zeitgleich mit der Rentenbewilligung.
Weil ich so die Therapie und die verfügbare Zeit viel besser nutzen kann.
Es ploppt alles nur so hoch und es ist anstrengend und auch gut.
Weil Wunden besser heilen, wenn sie sauber sind.

Auf die letzte Nacht hätte ich gerne verzichtet. Andererseits auch hier: Wahrheit tut weh, ist aber wichtig, um mir klar zu machen, um was es geht.
Im ersten Traum zeigte mir meine Familie in aller Deutlichkeit, wie sie mit mir umgegangen ist. Real lief das sehr versteckt und subtil ab.
Danach war ich natürlich wach und musste mich erstmal 2 Stunden ablenken, bevor an Ruhe überhaupt zu denken war.

Der zweite Traum war aber genauso aufwühlend: Ich war in einer Art Sekte und lebte auch auf deren streng bewachtem Gelände. Und wollte da nur weg. Was natürlich keiner wissen durfte, also plante ich heimlich mit einer ehemaligen Schulfreundin die Flucht. Es war sehr riskant und wir ahnten nur, was uns blühen würde, wenn man uns erwischt.
Als es besonders brenzlig war, dachte ich mir im Traum: Wenn das jetzt nicht klappt, weck ich mich selber auf.
Ehrlich. Und das funktioniert. Kann ich nur empfehlen, das luzide Träumen zu üben: Mehrmals am Tag sich selbst ganz bewußt sagen: Jetzt bin ich wach!
So kann man später im Traum merken, dass man ja träumt und Dinge tun, die einem helfen.
Da ich oft Erstickungsträume habe, die sich unter Wasser abspielen, kann ich mir inzwischen selbst sagen: "Es ist ein Traum. ATME!" Da geht das ja :-)

Immerhin bin ich trotz Streß nicht mehr in der Selbstschädigung (was Kaffee, Süßkram ect. angeht) im Gegenteil. Mein Magen rebelliert dermaßen (wundert mich eh, dass er das nicht schon früher tat) dass ich mich auf Schonkost gesetzt habe.
Hilft ja nix.

Donnerstag, 16. Februar 2012

Gnadenlose Selbstüberschätzung

Hab ich letztens nicht noch groß getönt (nicht hier), dass ich an meinem Therapietag keine weiteren Termine ausmache?
Auch wenn es heute Abend was schönes wäre, aber Menschenmassen, geschlossener Raum, spätabends erst heimkommen ist heute definitiv nicht drin.
Schade, sehr schade, aber ich weiß ja nun wie es ist, wenn ich mich "überrede".
Hat 0,0 Sinn! Eher 80% Schaden.

Obwohl ich heute in der Therapie eher um's heiße Eisen schlich, war es sehr, sehr anstrengend. Manchmal kamen wir sehr nah dran, was es sofort wieder schwierig machte und ich zurück ruderte. Das kann ich auch so stehen lassen und muss mich nicht noch weiter abwerten.
Wir waren schon bei dem Thema "soziale Angst" aber eher was hier derzeit gut läuft. Auch das ist in Ordnung.

Und ich habe anfangs etwas angesprochen, was mich irritierte. Ich will nicht das sehr gute Verhältnis durch so Kleinigkeiten Stück für Stück zerstören (früher sagte ich da nix und wieder nix und der Berg oder das Faß wuchs und irgendwann macht's *peng*).

Auch glaube ich, dass meine Therapeutin da nicht so das richtige Bild von meiner Symptomatik hat.(wenn ich ehrlich bin, komm ich mir da erst selber auf die Schliche).
Denn die typische Sozialphobikerin bin ich ja nicht. (oder rede ich mir das nur weiter schön...)

Einerseits war sie erstaunt, was ich in den letzten Tagen machte (das bin ich auch, aber noch viel eher sage ich mir: ja! Endlich! SO kenn ich mich-eben viel entspannter, offener, kontaktfreudiger, gesprächiger usw. - wirklich? oder war das schon immer meine Maske?)
Und ebenso erstaunt war sie hier: Tatort Gruppe, andere zeigen sich mit ihren Ängsten, handeln vielleicht so wie ich es manchmal auch gern tun würde-mich aber nicht traue und nur in sehr kleinen Dosen mit meinen Themen heraus rücke.

Warum?
Das sei doch ein sicherer Ort! SICHERER ORT?!?!? An dem ECHTE Menschen sind? Nein, das ist für mich (gefühlt) nie sicher. Manchmal reicht ein Wort, eine Bemerkung, sogar eine Geste kann Panik auslösen. Manchmal weiß ich selbst nicht genau, was es war, weil es z.B. eine ganz kurze Gesichtsmimik meines Gegenübers war!
Einen sicheren Ort gibt es für mich nur im Inneren, mit der Imagination.
(und den sollte ich wesentlich öfter aufsuchen, fällt mir gerade ein).
Ich hab mich in der Gruppe schon öfters hinaus gewagt und es jedesmal bereut, weil es zuviel war, weil da keine Profis sitzen und ich nicht entsprechend aufgefangen werde, sondern mit dem aufgerissenen Thema heim fahre und weil es dann meist 22h ist, ich eigentlich schlafen will - was dann natürlich nicht klappt.

Ein kleines Beispiel: Ich behaupte von mir, dass mir Telefonate nix ausmachen. Gut, muss jetzt nicht stundenlang sein, aber im Großen und Ganzen ist das ok.
Mein Körper sagt was anderes: Oft rauche ich 3 Zigaretten hintereinander, was ich erst danach merke, oder ich sitz schweißüberströmt da.

Es IST Streß. Es IST eine latente Bedrohung für mich da.
Jetzt wo ich ehrlicher mit mir umgehe und sehe, was wirklich los ist, kann ich mich auch viel besser verstehen. Das es keine Einbildung ist. Das es verständlich ist, bei meiner Geschichte. Ich bekomme ein Mitgefühl für mich selbst-kein Mitleid!
Ich gehe es an. Ich übe. Ich gehe öfters hinaus, in die Welt, zu Menschen.
Ich gebe da mein Bestes.
Und kann mir so nun eher meine menschenfreien Zonen gestatten.
Da fällt mir der Kommentar einer Mitpatientin aus der Tagesklinik ein, (es war so, dass ich dort bis zu 2x am Tag das Gebäude verlassen musste, weil der Streß mit Menschen zu groß war) :
" Es hat minus 10 Grad! Was muss da für ein Druck in dir sein, dass du trotzdem hinaus gehst!"
Heulend ging ich meine Runde...weil sie so Recht hatte und ich mich gesehen fühlte, in meiner Not.


Leute mit Flugangst fliegen auch nicht ständig durch die Welt.

Bei einem waren wir uns heute einig: Dass dieses aufrecht erhalten (Maske: Pff macht mir nix aus, mir gehts gut, Panik unterdrücken usw.) mich ständig in Situationen begeben, die mich eigentlich überfordern plus die vielen Gedanken dazu, extrem viel Kraft brauchen.
Endlich hab ich hier mehr Klarheit.

Ich fühl mich, wie dreimal durch die Mangel gezogen. Platt.

Ich werde das nächste Woche ansprechen, wie es mir damit geht und wie wir weiter machen wollen. Ob es eine gesunde Pause wäre oder ein davon laufen, wenn ich ein Stop einlege, bzw. einen Schritt langsamer.
(Nachtrag: Es IST eine gute Selbstfürsorge das nach meinem Tempo zu machen, "davon laufen" das meinen die alten Stimmen von früher.)

Kurze Nacht, die dritte

*pling* es ist 3:30h und Ihre Nacht ist nun vorbei.
Hätte nun eine Stimme lauten können.

Na gut, dann ist das eben so. Mich weiter im Bett quälen hat ja auch keinen Sinn.
Wahrscheinlich ist innerlich helle Aufregung, weil es heut zur Therapie geht.
Weiter am Thema "soziale Ängste" arbeiten. Hmpf.
Letzte Woche war es zwar 2 Tage danach noch hart, aber dann wurde es besser. Um einiges. Das lässt mich Mut schöpfen und weiter machen.

Hoffe nur, dass ich dann mittags noch ein wenig Schlaf abbekomme, weil ich abends noch mal weg will. Zu einem Diavortrag! Und bete, dass mir keine Horden wild gröhlender, besoffener Weiber begegnen.
Ich hasse Fasching.

Mittwoch, 15. Februar 2012

Klitzekleines Weihnachten

Heute 2 sehr schöne Begegnungen gehabt. Mein Bekanntheitsgrad hier im Dorf wächst. Genau das wovor ich all die Jahre geflüchtet bin. Vor einiger Zeit hab ich mir selbst gesagt:" Bleib mal da, zieh nicht wieder um und schau was passiert. Das Alte kennste ja nun!"
Also blieb ich. Lernte immer mehr Menschen im nahen Umfeld kennen und das war gar nicht so bedrohlich wie angenommen. Im Gegenteil. Es ist echt schön!

Und dann kam heute auch mein bestelltes Paket.
Ich suche schon seit über einem Jahr, nach einer Outdoorhose die man 1-besser 2x abzippen kann. Die Angebote aus den Discountern mit ihren Allerweltsgrößen passen nie. Also sah ich über Monate bei meinem Lieblingsoutdoorshop die Sonderangebote durch.
Jetzt war endlich mal meine Größe dabei. Eine Hose, die man an 2 Längen abtrennen kann. Der Preis lag bei der Hälfte als normal.
Sie - paßt - wie- angegossen!!!!!!
Hach...wie schön!

Außerdem schneit es seit 2 Tagen fast ununterbrochen. So dick, dass ich das Haus in 50m Entfernung nicht mehr sehen kann.
Auch schön!

Ich sag ja: Ein klitzekleines Weihnachten :-)

Ich scheiß auf den Prinzen

Was löst denn dieser bestimmte Typ von Mann in mir aus?
Oder anders: Welche Bedürfnisse melden sich?
Oh, eine ganze Menge!

Und dann passiert folgendes (ob bewußt oder unbewußt ist jetzt mal wurscht):
Ich übergeb ihm die ganze Verantwortung für mein Lebensglück.
Mach mich sozusagen abhängig von ihm.
(er soll die alten Bedürfnisse erfüllen, die mir Vater/Mutter nicht erfüllen konnten. Das ist natürlich ein massives Ungleichgewicht: ich mach mich klein, weil kindlich und er ist groß und über-mächtig).
Da kommt auch das alte Rollenbild mit ins Spiel: Ohne Mann biste Du nix, Du brauchst einen Versorger, Ausbildung? Brauchste nicht - heirate einfach, der Mann sagt und entscheidet...usw.

Warum?
Vielleicht weil er mir subtil vermittelt, dass er das könne! Er, der Held!
Oder, weil ich das einfach glauben will.
Jedenfalls ist das ziemlich unfair, weil ich ihm ja nicht direkt sage, was ich alles von ihm erwarte! Er weiß es also gar nicht, was er da für einen riesen Rucksack bekommt.

Somit ist die Ent-täuschung vorprogrammiert.
Entweder weil ich merke, dass er mir nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit und all die Erfüllung meiner Bedürfnisse geben kann (logisch, er hat ja auch noch ein Leben) oder weil er langsam merkt, was ich alles von ihm erwarte. Das ist ihm natürlich zuviel und er ergreift die Flucht (in Form von: neue Frau suchen, mehr arbeiten, sich weniger melden..usw).Oder aber er wehrt sich Stück für Stück immer mehr, was dann auch in körperlicher Gewalt enden kann.

Solange ich diese Verantwortung anderen aufbürde, falle ich auf solche charismatische, unnahbare Menschen herein.
Mit Liebe hat all das gar nix zu tun!

Richtig bunt wird es, wenn der Mann dasselbe Verhalten hat (auch schon erlebt). Wenn also 2 Menschen so dermaßen bedürftig sind, dass sie zuviel vom anderen erwarten. Das sind dann die berühmten Sterne, die nicht mit aber auch nicht ohne einander auskommen. Die sich 1000 mal trennen und 1001 mal wieder vertragen.

Also: ich will keinen Prinzen mehr, soll er doch mit seinem weißen Pferd andere beeindrucken oder retten. Dornröschen zum Beispiel!
Und: Der selbstverliebte Gockel darf ruhig auf seinem Misthaufen weiterkrähen. Ich stell mich als Henne einfach daneben und kräh mal mit :-)
Oder suche das Weite....

Dienstag, 14. Februar 2012

Tag der Liebe...

...und ich lauf einem Mann übern Weg der absolut meinem alten Beuteschema entspricht.
Gefährlich, ganz gefährlich!
Wir kommen ins Gespräch und wir flirten sogar ein wenig (so gut ich halt derzeit flirten kann).
Mein Verstand sieht all die Dinge, die nicht für ihn sprechen.
Die Überschneidungen zu ehemaligen Partnern sind überdeutlich.
Wenn da das Herz nicht wär.
Ich will nicht wieder wie ein naives, kleines Mädchen in die Fallen tappen.
Zu oft getan und nie ging es gut.

Ich hab auch wieder die Stimmen im Ohr von Freunden, die meinen letzten Freund kennen lernten: Schaumschläger, Süchtiger, Macho...
Genau so war es.
Muss ich das echt nochmal erleben?
Nein, ich hab was besseres verdient.

Also: Flossen still halten, Keuschheitsgürtel abstauben, Herz ab- und Verstand
einschalten!

Wie war das mit der neuen Straße?

Ich gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren … ich bin ohne Hoffnung.

Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sehe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein … aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort wieder heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

Ich gehe eine andere Straße.

(aus dem Buddhismus)

Montag, 13. Februar 2012

Hilfreiches Zum Thema Angst

Ok, hier also meine Liste, was mir in stressigen/panischen Situationen hilft.
Mal hilft das eine, mal das andere.

Die zwei wichtigsten Dinge:

Wenn nichts mehr geht, atmen geht. Tief und lange ausatmen!
(überhaupt Körperwahrnehmung: bin ich grad total verspannt? Haben die Füße guten Kontakt? Brauch ich eine Wand im Rücken? Oder die Nähe einer Tür?)
Angst nicht loswerden wollen (was du bekämpst, wird umso stärker!).
Also akzeptieren, dass sie halt jetzt mal da ist. Wenn das nicht geht: Akzeptieren, dass man das gerade nicht akzeptieren kann. Meist wird mir das dann schon zu blöd, dass ich in eine Mir-egal-Haltung falle und somit entspanne.

- Druck rausnehmen, Anspruchshaltung herunter fahren:
Ich darf stolpern, rot anlaufen, blöde Fragen stellen, nervös sein. Ich muss jetzt kein Superheld sein. Es ist ok, wenn ich kurz an die Luft gehe, schweigsamer werde, mir einen ruhigeren Platz suche. Es ist auch ok, wenn ich hin und wieder noch vermeiden muss, bevor ich mich noch mehr stresse.
Auch Flucht ist erlaubt. Sobald ich mir das erlaube, muss ich es meist gar nicht tun! Sonst baut sich ja wieder Druck auf: Ich muss da jetzt 2 Std. bleiben!

Viele Menschen fühlen sich bei alltäglichen Sachen unwohl.
Dann bewußt umschauen (von der extremen Selbstbeobachtung "hilfe, ich schwitze!" weg kommen) sich ausmalen, welche Probleme die anderen Menschen haben könnten: Der traut sich nicht seine Homosexualität auszuleben, die hat Geldschulden, die muss sich operieren lassen und hat Angst davor, der hat gestern sein Date versemmelt..usw. ruhig auch drastisch sein. So verliert die eigene Angst schon mal an Größe.

Wenn keine Menschen da sind, trotzdem den Fokus auf die Umwelt halten: Innerlich beschreiben, was man sieht, hört, ist es kalt, wie sieht der Himmel aus, wie riecht es, Beschaffenheit des Bodens...
Beim Zahnarzt und in der Bahn zähle ich gern von 100 rückwärts oder stricke (innerlich), ganz genau vorstellen: wie sind die Nadeln, wo muss ich die hinführen, wie den Faden holen...

-Wovor habe ich Angst?(Realitätsüberprüfung) Wie geht es anderen Menschen damit? Ist das wirklich eine Bedrohung? Beispiel letztes Jahr: Geburtstagsparty. Ich schob Tage vorher die Panik, bis mir im Bad beim Haare föhnen einfiel, dass sich die meisten Menschen auf so ein Ereignis freuen: lachen, feiern, leckeres Essen, unterhaltsame Gespräche, da fiel ein Schalter in mir um...und es war ein ganz ganz toller Abend!!

- Mir die Angst als ein Wesen außerhalb von mir vorstellen und das passende Gegenüber was es bräuchte (Gelassenheit, Mut, oder Humor paßt da ganz gut: Hej Humor,stell dir vor, heute will die Angst unbedingt mit, darf sie ja auch, aber ich könnte ein wenig Unterstützung von dir gebrauchen! Humor: Logo, mach ich, das wird ein toller Tag/Ausflug..)

- Wenn es sehr dramatisch wird, hat das meist mit früher zu tun. Also innerlich mit dem ängstlichen Anteil reden/beruhigen. (Das geht am besten, wenn man mal kurz aufs WC verschwindet.) Bewußt hinein horchen, was ist gerade so bedrohlich? Stimme, Gestik meines Gegenübers? Enge Räume? Wahrnehmen was jetzt helfen würde-vielleicht läßt es sich sogar ganz umsetzen oder nur zu einem Teil. Wenn gar nicht, sich vorstellen, wie der ängstliche Teil das tun kann und den später auch bewußt wieder "abholen".

- bei sich bleiben, auf sich schauen, auf innere Stimme/Intuition hören (überlatscht der andere gerade meine Grenze? Will der etwas wissen, was ich nicht sagen will? Schieb ich die inneren Warnlampen weg? Wann will ich nach hause, will ich das Thema wechseln, brauch ich eine Pause, ist mir der andere zu nah, habe ich Hunger, Durst...)
Bei mir braucht das noch deutlich Übung, weil ich zu schnell in den Verkäufermodus falle: Lächeln und ja sagen.
Und die Bedürfnisse des anderen erfüllen will. Gelernt ist eben gelernt.
Aber man kann auch umlernen!

Genauso wie man antrainierte Angst wieder abtrainieren kann.

Ein anderes Leben

Wenn ich mich nicht nur bei einer Veranstaltung frage, wie es ohne Angst aussehen würde, sondern wie mein komplettes Leben ohne dieser übertriebenen/massiven Angst aussähe...
Dann...ist da...viel.
Viel an Möglichkeiten, an echter Lebensfreude, an Lebensqualität!

Meine Therapeutin fragte dies mal so: was wäre, wenn....
Sie wollte aber darauf hinaus, ob mir die Angst vielleicht auch was bringt: An Schutz, an Sicherheit, an Komfort...
Das ist ein wenig provozierend, deswegen war es auch nur ganz kurz Thema.
Aber das es auch sein könnte, dass ich vor dieser leeren Stelle, die früher die Angst besetzte, Unwohlsein bekomme.
Diese leere Stelle will wieder gefüllt werden, mit Neuem.
Das braucht auch Mut.

Aber darüber kann ich mir immer noch später Gedanken machen.

Es wäre auf alle Fälle ein schöneres Leben. Entspannter. Freier.
Sich das auszumalen gibt mir Kraft und Energie daran weiter zu arbeiten und auch mal schlechtere Tage zu überstehen.
Ich möchte nicht, dass auf meinem Grabstein steht:
Sie hätte mehr leben könne, doch sie hatte zuviel Angst.

Vorhin habe ich mir aufgeschrieben, was mir früher half, in und vor Situationen mit viel Angst.
Das war viel! Also gut, das Wissen habe ich.
Jetzt geht es darum, das sooft wie möglich anzuwenden.
So dass es irgendwann von alleine flutscht.

Ich glaub, die Angstgruppe heute Abend, darf sich einiges anhören :-)

Sonntag, 12. Februar 2012

Sonntagsgestaltung

Das ist für einen Sozialphobiker wohl sowas, wie wenn ein Spinnenphobiker sich eine Vogelspinne auf die Hand setzten läßt:
Zu einer Veranstaltung gehen, bei der man niemanden kennt und bei der man sich auch einbringen soll. Also nicht nur schweigend, sitzend dem Geschehen auf der Bühne zuschauen.

Stunden vorher hab ich noch mit mir verhandelt. Beziehungsweise Gründe gesucht, warum ich heute da nicht hingehe.
Besonders glücklich machte mich das nicht.

Dann kam die Fragen aller Fragen: "Würde ich hingehen, wenn ich keine Angst hätte?"
JA UND WIE!!!!

Aha. Soso. Na denn: Hingehen. Es muss ja nicht total entspannt ablaufen und auch nicht so, wie das von mir aus früheren Zeiten, kenne. Und auch nicht mit überhöhter Anspruchshaltung an mich selbst. (da liegt nämlich der Knackpunkt, dass ich mir selbst zuviel Druck mache!).

Kurz bevor ich also todesmutig das Haus verlassen wollte, rief beste Freundin an. Shit. Das ist bestimmt ein Zeichen, dass ich daheim bleiben soll. Ja, ne is klar...Ausreden erfinden, ich sagte es schon mal.

Tja was soll ich sagen?
Es war eine ganz tolle, fast entspannte, interessante Zeit!
Bei Ängsten kann man noch soviel herum labern, erforschen und analysieren, irgendwann muss es losgehen. In die Angst hinein. (wohl dosiert!)

Es hat sich gelohnt! *ganzbreitgrins*

Passende Zeilen

Inneres Kind

Ich muss mich schützend selbst bemuttern,
um meinen inner’n Frieden kümmern,
mich vom zwingenden Diktat befrei’n
und mir selbst ein weiser Führer sein,

mich mit meinem Selbst anfreunden,
wie ein eigen Kind behandeln,
ihm viel Treue zugestehen
und das Schöne in ihm sehen,

mein Herz auf Händen tragen
und pflegend nach ihm fragen.
Mich stets an’s Seelchen richten
gehört zu meinen Pflichten.

hier gefunden:

http://www.eurikacharity.de/dikter.php?id=317&dikt=centibas_likums


und noch was:

Sei nicht zu schüchtern und zaghaft in deinen Handlungen.
Das ganze Leben ist ein Experiment. Je mehr Experimente du anstellst, desto besser. Und was ist, wenn es etwas rauh zugeht und du dir dabei die Kleider schmutzig machst oder zerreißt?
Was, wenn du stolperst und gelegentlich in den Dreck fällst?
Raffe dich wieder hoch; hab nie Angst davor, zu stürzen.

- Ralph Waldo Emerson

Diese zwei Dinge sind derzeit meine Hauptaufgaben. Mein Hauptberuf sozusagen :-)
Heute Abend starte ich so ein Experiment. Mit Angst.

Schönen Sonntag!

Samstag, 11. Februar 2012

Die verschlüsselte Sprache

Ich kam heute drauf, dass ich bezüglich meiner Angst, gar nicht so umschweifend graben muss.
Der Traum heute Nacht gab mir den Hinweis:
Ich träume ja immer mal wieder von einem ehemaligen Schulfreund und je nachdem wie er sich zu mir verhält, ob zu- oder abgewandt, kann ich sehen, wie ich derzeit mit mir selbst umgehe.
Denn dieser Kamerad steht als Stellvertreter für einen inneren Teil von mir.
Heute Nacht hat er mich kaum angesehen.
Und genau das habe ich die letzten 2 Tage mit mir gemacht: Mich nicht sehen und fühlen wollend. Stattdessen hab ich mich mit allerlei dicht gemacht.

Diese sozialen Ängste die ich da so mit mir herum schleppe, sind die uralten Ängste von früher. Entstanden durch allerlei Hänseleien, Angriffe, Peinlichkeiten ...und was es noch so an Grausamkeiten gibt.
Dieser Teil von früher meldet sich da. Ein sehr junger, kindlicher Teil. Oder auch mehrere in verschiedenen Altersstufen, was ich auch eher glaube, weil die Angst gar so massiv ist.

Und da schade ich mir selbst, wenn ich wieder zu mir sage:
"Jetzt mach da mal nicht so ein Geschiß drum."
Nein, das muss ich ganz anders anfangen.

Mit Verständnis, Mitgefühl und Schutz!
Da geht der Weg entlang und ich muss sagen, diese Klarheit fühlt sich gerade wunderbar an! :-)

Vom Rappel gepackt

So nachdem ich zwei ungesunde Tage hatte (von allem zuviel: Kaffee, Zigaretten, Süßkram, Computer...) musste ich heute raus. Dringend, ganz dringend.
Langer Spaziergang mit Kamera.
Immer wieder erstaunlich, wenn sich in mir was neu sortiert oder viel aufgewühlt wurde, dann sprudelt meine Kreativität enorm.
Wenn ich richtig im Loch hänge natürlich nicht.

Ich würd Euch ja gern ein paar Fotos zeigen, aber ich hatte meine uralt Minolta dabei. Analog, noch so richtig mit Filmspule und so :-)
Mit den dünnen Lederhandschuhen ging das auch ganz gut, nur der Objektivwechsel war leicht abenteuerlich.
Und als ich langsam Schluß machen wollte, streikte die Kamera: Vollkommen eingefroren. Ups.

Jetzt bin ich wieder ruhig und ausgeglichen und zufrieden und freu mich auf heute nachmittag: Lesen auf der Couch.

Und irgendwann weiß ich auch, ob die Fotos was geworden sind :-)

Freitag, 10. Februar 2012

Einmal Schleuderwaschgang!

Uuups, da hab ich gestern wohl ein wenig zuviel Alkohol erwischt.
Nicht gut, aber kommt vor.


Wobei da die Angst vor totalem Kontrollverlust auch gleich wieder da ist.
Ich will nicht irgendwann abstürzen und nur noch mit Jogginghose und gut sichtbar, dass ich krank und langzeitarbeitslos bin, draußen herum eiern.

Das ist doch das Gute dran, meinte gestern die Therapeutin: "Dass man mir es eben nicht ansieht, wie oft ich innere Not erleide. Und man mich somit als fit und kompetent einschätzt. Das kann ja auch eine Art Schutz sein, weil ich nicht wie ein offenes Buch lesbar bin."

Auch wieder wahr. Es ist immer wieder zu furchtbar, wenn ich Leute sehe, denen sich ihr Kummer und Leid gut sichtbar am Körper abzeichnet.
Dazu braucht es keine großen Kenntnisse in Körpersprache.


In mir wirbeln viele Gedanken wie im Whirlpool durcheinander. Ich hab mich damit schon arrangiert und erwarte nun von mir nicht, dass der ganz normale Alltag weiter geht. Den es quasi eh kaum gibt.
Mir war klar, dass nun das Thema Angst in der Therapie kein Spaziergang wird und jetzt ist der Raum einfach dafür da, eben weil ich nicht funktionieren muss!

Gestern hörte ich auch von meiner Therapeutin, dass sie glaubt, dass es auch etwas anderes (als Angst vorm essen) hätte werden können. z.B. sagen wir mal, Angst vor Bakterien oder geschlossenen Räumen oder Regenschirmen.
Auch das glaube ich nicht. Denn ich überlege schon lange, wofür Essen noch so steht: sich etwas einverleiben, genährt werden (nicht nur körperlich auch seelisch), ich eine gnadenlose Unterversorgung zuhause erlebte-auch in dieser Hinsicht (Vernachlässigung auf allen Schienen).

All die Umschreibungen: das ist mir auf den Magen geschlagen, das muss erstmal verdaut werden, da könnt ich kotzen, das hab ich nicht vertragen, die fehlende Süße des Lebens mit Süßigkeiten kompensieren, etwas verschlingen...
Nahrung ist lebenswichtig, das braucht der Körper, sonst stirbt er.
Was Essstörungen symbolisch ausdrücken, Selbstbestimmung (ich bestimme wieviel und was ich esse), die Leere in sich vermeintlich mit Essen füllen..usw.

Mir fiel ein, dass ich mal ganz klare und sehr aussagekräftige Träume hatte, in denen einige Familienmitglieder und Restaurants/Lokale eine wichtige Rolle spielten.
Und die ging ich mit einer damaligen Freundin durch, weil sie immer bezaubernde Gedanken dazu hatte.
Zum Glück hab ich diese Mails nie gelöscht (gut, dass ich nicht gar so streng mit dem Minimalismus bin! :-)) und eben nochmal durchgelesen.
Hammer! Da steckt mehr dahinter, dessen bin ich mir sicher.

Und somit werde ich diese Texte von damals ausdrucken und zur nächsten Therapiestunde mitnehmen.

Da woll'n ma doch mal sehen....

Donnerstag, 9. Februar 2012

Angst vor der Angst

Ich stehe am Bahnhof, noch 10 Minuten bis die Bahn kommt.
Doch es kommt keine Bahn, sondern eine Durchsage, dass der nächste Zug ausfällt!
Gut, dass es nicht kalt ist. Hahaha.
Irgendwie hätt ich auch mit dem Bus weiter fahren können. Aber für solch Planungen hatte mein Hirn gerade keine Kapazitäten frei.
Ich stehe also weiter da und während mir die Tränen in die Augen schießen (und das nicht wegen der Kälte), denke ich an den wahren Spruch:
Es lässt sich im Taxi besser heulen, als in der Straßenbahn.
Ja, verdammte Scheiße.

Ich hab heute in der Therapie endlich ein Thema anfangen können, das mir schon lange auf der Seele liegt.
Vor einem Jahr, in der Tagesklinik, drängte mich der dortige Klinikchef dies jetzt anzugehen und damals sagte ich ganz klar Nein dazu. Und das war richtig, stimmig und gut so.
Es ist nämlich mit unglaublich viel Scham behaftet und das kann ich nur direkt mit einer Person machen, der ich vertraue.

Es gibt Sachen, vor denen ich Angst hatte, die ich inzwischen wieder machen kann.
Es gibt Sachen, vor denen hab ich immer noch Angst, mache sie aber trotzdem.

Und dann gibt es Sachen, die vermeide ich meistens aus Angst.
Manchmal klappen sie, manchmal nicht.

Da kam der Punkt an dem ich heute mit der Therapeutin irgendwie aneinander vorbei geredet hab. Keiner verstand den anderen.
Ich bin der Meinung, dass wenn es scheinbar klappt, ich aber zuviel Ausreden/Ausweichmanöver dabei benutze, die ich nicht mehr haben will.
(und darin sind Angstpatienten Meister, sie verbrauchen viel Kraft, um das was nicht geht zu verschleiern oder ganz zu vermeiden, ähnlich wie Süchtige)
Sie meint, dass ich es mir doch so gestalte, damit das geht. Was sie gut findet, weil ich mir so ja neue/andere Wege ermögliche.
Und das stimmt nicht. Das spüre ich, das es kein übliches: "Wie könnte es noch gehen?" ist
Daraufhin meinte die Therapeutin, das hier nun wieder meine sehr strenge Seite zum Vorschein kommt. Die war schon oft Thema. Das kennen wir schon.
Da hatte sie wieder recht. Ich verlange von mir, dass das wovor ich Angst habe, wieder genauso funktionieren soll, wie früher. Ganz normal, ohne nachdenken, ohne Nischen, ohne ein Geschiß drum zu machen!

Einfach so, mit anderen Menschen zusammen essen können.

Das ist doch das normalste von der Welt!
Das machen täglich Millionen Menschen!
Eine andere Seite in mir kann das manchmal mit Humor sehen: Andere haben Angst vor Wasser, Geld, roten Gegenständen, Plastik...ach es gibt da die kuriosesten Ängste!

Ich darf den inneren Erlauber wieder hervor locken, damit ich mir erlaube, auch bei diesem Thema gnädiger mit mir zu sein.(dann komm ich nämlich viel leichter und schneller zu meinem Ziel, diese Erfahrung hat mein Verstand gespeichert, nur die Gefühlsanteile hinken noch etwas) Ach....

Meine Therapeutin ist da guter Hoffnung, dass ich auch das, wie schon vieles andere, wieder machen kann.
Wenigstens eine von uns.
Ich seh das schwieriger, weil sich die Angst nun richtig eingraben konnte. Weil ich es nicht häppchenweise (im wahrsten Sinne des Wortes!) immer weiter geübt habe, wie die anderen Situationen mit Angst.

Wir werden es angehen. In kleinen Schritten: Wann fing es an, was waren die Umstände, was macht's schwieriger, was leichter...usw.

Ich bin echt gespannt.