Samstag, 28. Januar 2012

Gammeltag

Wenn es einem lange dreckig ging und man ständig am Abgrund balancierte, freut man sich auch an den kleinen Dingen, man wird sehr bescheiden.
Ich freu mich, dass ich auch heute nicht wie ein wild gewordenes Duracellmännchen durch die Gegend rase, ausschlafen konnte, nach dem Frühstück auf der Couch noch im Schlafanzug noch ein wenig weiterdösen, den Geschirrberg stehen lassen können...
Richtig konzentrieren kann ich mich noch wenig, also lesen geht grad nur sehr kurz. Aber Dinge bei denen ich mich konzentrieren muss und was mit meinem Körper dazu mache, geht. z.B. stricken (mir einen Wunsch erfüllen, weil ich schon lange einen dünnen grau-schwarzen Schal will, eher zur Deko als zum wärmen), Gitarre spielen, es macht immer mehr Spaß (logisch, wenn man immer weiter lernt und die Griffe immer leichter zu greifen sind).

Trotzdem ist das alte Thema auch immer wieder mal da. Und da fühlte ich mich in der letzten Therastunde nicht so wirklich verstanden. Dazu kommt, dass ich schon seit ca.3 Stunden ein anderen Thema anfangen will und das immer wieder "schiebe". Ich weiß nicht ob aus Angst/Scham oder weil das andere Thema derzeit wichtiger für mich ist. Die Therapeutin weiß das auch, klar letztendlich bestimme ich, was ich ansprechen will, hab aber das Gefühl, dass die Therapeutin meint, dass ich mich vor dem neuen Thema drücke.
Mal sehen.

Dann las ich noch eine Hausarbeit über Väter und Töchter. Sehr gut gefiel mir der Satz:" Töchter wollen keinen perfekten Vater, aber Liebe, Respekt und Anerkennung." Genau!

Und ich fragte mich, wie ich die letzten 2 Wochen noch 40 oder 20 Arbeitsstunden schaffen hätte sollen?
Ich bin immer noch erstaunt, dass mir die Ärzte und Therapeuten glaubten und sahen, was Sache ist. Mehr noch, dass sie mich bremsten, weil ich immer noch weiter und noch mehr machen wollte. Und dass sie mich aufklärten, über mich, über meine Symptome, über mein Verhalten.

All meine Symptome und Reaktionen wurden das erste mal ernst genommen. Sie wurden erkannt. Anerkannt. Auch wenn es einen traurigen Hintergrund hat: Anerkennung ist Anerkennung. Und das, finde ich, ist ein heilsamer und wichtiger Baustein in der Therapie!


Und bin immer mehr dankbar für die Rentenzeit.

Kommentare:

  1. Anerkennung und Anerkannt wie gut das sich anfühlt!
    Schön dass du es für dich jetzt anerkennst.. ein sehr grosser Schritt hast du gemacht!

    Ich wünsche dir einen schönen Gammeltag den man braucht und darf sein...
    Lieben Gruss Elke

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    1. Danke Dir! Ja viele kleine Schritte passieren im Moment.
      Stück für Stück zum Glück. Oder so :-)
      Liebe Grüße

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