Montag, 30. Januar 2012

Freiheit?!

Bei meinem heutigen Morgenspaziergang war mal wieder das alte Thema da:
Eigene Identität finden.
Gut, vielleicht bin ich da mit über 30 etwas spät dran. Aber lieber spät als gar nicht.

Ich kam bei einigen Handwerksbetrieben vorbei, ich konnte in die Werkstatt sehen und dachte mir mit vollem Grusel: "Da jetzt 8 oder 9 Stunden drin sein, wär für mich die Hölle."
Ich kann mir immer mehr eingestehen, dass ich auf so eine lange Fremdbestimmung und Unterordnung inzwischen höchst allergisch reagiere.
Wahrscheinlich schon immer, nur dass ich das weg schob, weil ich irgendwie funktionieren und mich einreihen musste. Auf Kosten meiner Gesundheit.

Meine Therapeutin appelliert immer an mein Mitbestimmungsrecht.
Das mag schon sein, nur wo kann man heute noch wirklich mitbestimmen?
Und vielleicht ist ihr noch nicht wirklich klar, dass der alte Schrecken sehr tief sitzt. Dass, sich früher wehren, nein sagen und "mitbestimmen" verboten war, lächerlich gemacht wurde und mit Ausgrenzung ect. sanktioniert wurde.
Für ein kleines Kind ziemlich bedrohlich.

Dass mir so lange der Wille der anderen aufgezwungen wurde, dass ich heute sofort abhaue, wenn ich nur den Hauch spüre, dass so etwas wieder passiert!
Und das nicht aus Faulheit oder um den bequemeren Weg zu gehen, sondern um mich zu schützen! Um den kleinsten Teil meiner wackeligen Integrität nicht wieder zu gefährden!
Dass ich jetzt erstmal langsam lerne und heraus finde, was ich überhaupt fühle und was ich will! Das ist ja völliges Neuland für mich! Sozusagen ein unvorbereiteter Auslandseinsatz.

Für andere mag ein vorstrukturierter Arbeitsalltag Halt und Orientierung sein, für mich sind es Fesseln, die mich massiv einschränken!

Ich brauche im Moment wirklich die absolute Selbstbestimmung und fühle das erste mal, wie gut das tut! Ich habe wieder Raum zum atmen, ich darf mich aufrichten und festen Boden unter den Füßen spüren.
Mein Wille wurde stark verbogen und deformiert. Gebrochen wurde er nicht. Da bin ich doch um meinen Dickschädel (der sooft beschimpft wurde) sehr dankbar.
Und mir fiel ein, wie wohl ich mich im Freiwilligendienst gefühlt habe. Wieviel ich da arbeiten konnte, wie ich mit anpackte, wie ich mich eingebunden fühlte und etwas sinnvolles machte. Der Dank, den man mir entgegenbrachte nährte meine Seele. Er war viel wertvoller, als wenn ich dafür bezahlt worden wäre.
(Klar, nur vom Dank kann man auch nicht leben.)

Ich mag Menschen, die sich gegen Unterdrückung und Manipulation wehren, die strahlen so eine freudige Kraft aus, vor allem die Musiker/Künstler unter ihnen.

Aber jetzt erstmal nen Kaffee und ne heiße Dusche. Ganz schön kalt geworden.

Gestern gefunden und für wahr empfunden:

Ängste Depressionen und Verzweiflung lösen sich auf wenn man seine Mitte gefunden hat sprich bei sich selber angekommen ist.

(Dr. Matthias Lang)

Kommentare:

  1. Das klingt jetzt etwas, als ob mein Chef im Büro mit einer Peitsche hinter mir steht.

    Regeln muss jeder Mensch immer und überall beachten, dass das Leben läuft.

    Und wenn Du einigermaßen intelligent bist, kann man in vielen, vielen Berufen sehr selbstständig arbeiten. Bei mir ist es so.

    Aber ich weiss ja, was Du meinst.

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    1. Das glaub ich nicht, dass Du weißt was ich meine.
      Denn ich sagte gar nix von Regeln! Diese halte ich ein, zu sehr manchmal. Ich bin pünktlich und gewissenhaft.
      Ich hatte auch schon Stellen in denen ich sehr frei und unabhängig agieren konnte und nutzte das nie aus, im Gegenteil in so einer Form bringe ich meine besten Leistungen, weil ich ja an mich selbst schon sehr hohe Ansprüche habe. Und wenn dann einer sagt: Du musst immer, jeden Tag um 8 auf der Matte stehn, wehre ich mich, weil ich das (wahrscheinlich) sowieso getan hätte (morgens auf der Matte stehn, wahrscheinlich schon um 7, weil Frühaufsteher, Du weißt..)).
      Diese immense Kontrolle und Entmündigung, DAS stört mich.
      dieses behandelt werden, als wär ich noch 5.Da raste ich aus.
      Disziplin braucht mir keiner beibringen.
      Und wenn Dein Chef Dir da genügend Vertrauen entgegen bringt, dann is das toll und da glaube ich auch, dass Du Dich wohl fühlst und gerne arbeitest (bei-mit ihm).

      So. :-)

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  2. mhm erstmal mit dem Spruch wie wahr er ist und öfters fühle ich es und manchmal entgleist es für kurz noch aber ich bin schnell auch wieder in meiner Mitte drin....
    Ich muss sagen dass ich probiert hatte immer wieder mit dieser Struktur in der Arbeistwelt aber auch ich laufe da ziemlich neben der Spur eingeengt, eingekerkert, verzweifelt und ich schaffe heute noch nicht diese Arbeitsleben hin zu bekommen. Deswegen bin ich froh dass ich die Witwerente habe.. Ich kann paar Monate oder paar Wochen nur alles geben und dann kommt der Käfigeffekt und dieser Zwanghafte jeden Tag das selbe, Ängste steigen empor und muss mich zwingen dazu ... so verstehe ich dich meine Vergangnheit steht mir da total dazwischen es ähnelt mit der Zeit auch so.. immer du musst, du musst funktionieren, du musst das tun, du musst... ich kann nur wenn ich Freiheit spüre innerlich komme ich auf Hochtouren!
    Das ist meine Erfahrung mit mir selber..
    Ich müsste selbststsändig sein z. B. mit Bilder einen Laden dor alles selbst bestimme .. aber dafür habe ich das nötige Kleingeld nicht!
    Lieben Gruss Elke

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    1. Ja Elke, so ist es auch bei mir.
      Und hinzu kommt noch, dass ich so vielfältig interessiert bin, dass ich mich kaum für eines entscheiden kann (sieht man auch an den unterschiedlichen Stellen die ich bis jetzt hatte).
      Und dann noch die schnelle Reizüberflutung.
      Nunja, machen wir das Beste draus, bleibt eh nix anderes übrig :-)

      @Schmedderling: Danke? Wofür?

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    2. Für die Meinung geigen. Finde ich gut.

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    3. Wollt das nur klarstellen :-)
      Schönen Tag Dir!

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