Dienstag, 24. Januar 2012

Die Wolfsfrau

Gestern suchte ich in meinem Seelenordner (Unterlagen aus Selbsthilfegruppen, Kliniken zum Thema Selbstliebe, Selbstachtung, Skills usw.) etwas passendes, etwas hilfreiches, etwas zum aufpäppeln.
Nichts wollte in mir klingen und aufseufzen "ahja das tat jetzt gut!".
Ich stöberte weiter und weiter und fand etwas!
Das Buch: "Die Wolfsfrau- Die Kraft der weiblichen Urinstinkte von Clarissa Pinkola-Estes."
Es begleitet mich schon seit einigen Jahren. Sehr hilfreich ist, dass es so aufgebaut ist, dass man einfach mitten drin zu lesen anfangen kann. Und das tat ich. Vertrauend, dass ich das richtige für mich, in der jetzigen Situation schon finden werde.
Das war dann auch der Fall:

Die Anzeichen einer gestörten Beziehung zur eigenen Wildnatur:
Sich ausgelaugt fühlen,deprimiert, verwirrt, lustlos, zu schwach, zu uninspiriert, man fürchtet sich allein etwas zu unternehmen, Angst vor Neuen, Angst die Stimme zu erheben, man zweifelt, jammert, hat eine ständige Wut im Bauch...

Es geht um Hambra del Alma - den Gesang der ausgehungerten Seele!

Und was haben freilebende Wölfe und ungekünstelte Frauen gemeinsam? Die Akkuratheit ihres instinktiven Feingefühls, eine Vorliebe für alles spielerische, sie schnüffeln gerne neugierig herum, sind wißbegierig, spitzfindig, zäh, ausdauernd und seelenvoll, sind standhaft, anpassungsfähig...
Und beide Gattungen wurden und werden verleumdet, unterjocht bis zur Ausrottung. Die Jahrhunderte währende Säuberungsaktion der moralpredigenden Weltverbesserer galten selbstverständlich nicht allein dem Wildwuchs in der Außenwelt, sondern mehr noch den ungezähmten Wildregionen der menschlichen und speziell der weiblichen Psyche.

Es geht um die eigenen Instinkte und Intuition, sie wiederfinden, sie miteinbeziehen, sie sind großartige, hilfreiche Schätze! Doch in unserer Welt zählt nur noch der Verstand, der sechste Sinn wird lächelnd als Humbug abgetan. Und so beschneiden wir uns selbst an unserer Lebendigkeit!

Gestern half mir speziell das Sechste Kapitel: "Zum richtigen Rudel finden - Zugehörigkeit als Segen"
Viele starke Frauen hatten in ihrer Kindheit das Gefühl, aus Versehen in der falschen Familie gelandet zu sein. Das Unverständnis, das Augenrollen, das seufzen, das eisige Schweigen der Eltern, weil man so anders war, so unkonform, so spinnerte Ideen und Ansichten hatte...
(als anschauliches Beispiel wird die Geschichte vom häßlichen Entlein erzählt, danach auch die Bedeutung der inneren Mutter)

Ein "unzulängliches" Kind wird einer Serie von psychologischen Schönheitsoperationen unterzogen und subtilen oder auch gewaltsamen Korrekturen unterworfen. Aber mehr noch als das: Das Kind wird angehalten, die Intelligenz seiner eigenen Seele zu verleugnen.
Sie Seele des Kindes mag sehen und erkennen wollen, aber was soll es mit den Augen seiner Seele anfangen, wenn seine Eltern von ihm verlangen, dass ihre Gewalttaten geflissentlich übersehen werden?
Die Forderung nach Konformität kann einen so unerträglichen Druck ausüben, dass Kinder sich in sich selbst verkapseln, die Flucht in ein inneres Exil wählen oder das äußere Exil bei den typischen Randfiguren der Gesellschaft suchen - all dies wohlgemerkt immer im Zuge ihrer verzweifelten Suche nach einer Zuflucht, einem Schlupfloch in dem sie in Frieden gelassen werden und in ihrer einzigartigen Originalität unterstützt werden.
(...)

Die immer wieder auftauchenden Entscheidung, ob man die Forderungen der Außenwelt erfüllen oder den Forderungen der Seele Genüge tun soll, wuchert rein gefühlsmäßig jedesmal zu einer Entscheidung zwischen Leben und Sterben aus. (Diese Zerrissenheit, die ich nur zu gut erkenne, wurde mir nun erstmal dank der Rente genommen!!!)

"Exil als Segen"
Wer jemals versucht hat, sich in eine Form zu zwängen, in die er oder sie beim besten Willen nicht hinein paßte, kann von Glück sagen, wenn der Versuch kläglich gescheitert ist. Gut, man mag sich einsam und wie ein Versager vorkommen, aber wenigsten hat man die eigene Seele vor weiteren Mißhandlungen von seitens des falschen Rudels bewahrt. (oh, kommt mir verdammt bekannt vor!)
Es ist besser eine Zeitlang einsam und verloren hierhin und dorthin zu wandern, um das Gesuchte zu finden, als in einer Zwangsjacke zu stecken, in der man kaum noch Luft kriegt.
Es ist niemals falsch, sich auf die Suche nach dem zu machen, was die Seele braucht. Niemals!
(...)
Jedesmal, wenn das sprühende Leben spontan aus dem Kind, das du einst warst, herausbrechen wollte, tauchte jemand auf, der dich sofort in Grund und Boden gestampft hat, jemand der deine Sichtweise, deine spezielle Ausdrucksform verurteilt hat. Deine Familie hat dich mit Tausenden von widersprüchlichen Verhaltensregeln verwirrt und dich dann für deine Verwirrtheit bestraft. (jepp, und später tut man dies sich selbst an!)
Das Mysterium des Andersseins ist keine Geistes-oder Seelenkrankheit. Jawohl, der Mensch leidet unter den Symptomen des Andersseins, aber er ist nicht krank, keineswegs! Der Andersartige wird nur nicht richtig verstanden, das ist sein Leid. (Ein Jubelschrei in mir!!).

Mit dem Thema Wechselbalg (der Schwan in der Entenfamilie) ist nicht der reale Vertausch z.B. in der Klinik gemeint, sondern das man generell in der falschen Familie gelandet ist.

Der Wechselbalg ist nicht in erster Linie seiner Familie und deren Prinzipien treu, sondern seinem inneren wilden Selbst (klar, dass da der Knatsch vorprogrammiert ist, vor allem wenn Eltern mit allen Mitteln versuchen, das Kind so hinzubiegen wie sie es brauchen!).
Und da kann sich die traumatisierte Seele so weit zurück ziehen, dass sie nur noch mit meisterhaften Kunstgriffen herbei gelockt werden kann, was manchmal Jahre braucht.

Wenn ihr euer Leben als mißverstandener Wechselbalg begonnen habt und euch trotz aller Widriger Umstände bis hierhin durchgeschlagen habt, könnt ihr wirklich von Rechts wegen stolz auf euch sein, denn das ist eine Leistung zweifellos. In den englischsprachigen Ländern nennt man solche Leute Survivors-Überlebende.
Ich vergleiche solche Frauen oft mit einer Pflanze, die es rätselhafterweise fertig gebracht haben, ohne Wasser und Sonne einen kleinen Sproß durch eine Ritze im Pflasterstein zu bohren und zu leben!

Diese Buch macht Mut und Hoffnung. Muntert auf, sich um seine Seelenbedürfnisse zu kümmern. Sich auf die Suche nach dem wahren Selbst zu begeben. Das kann durch vielerlei geschehen durch Tanz, durch Malerei, durch Rituale. Es geht um den archaischen Kern der Frauen, der zu gern hinter Massen von Make-up versteckt wird. Es geht um Kraft und um Freiheit, um ein neues Selbstverständnis der Weiblichkeit, auch um Sucht, um innere Anteile, um viele überlieferte Geschichten und Märchen, um die Wärme des Feuers und die Notwendigkeit sich seinen Freiraum zu suchen und sich um seine ureigene Entfaltung zu kümmern! Es geht um Körpersprache und um Körperfreude, um die männliche Seite in jeder Frau, um die innere Heilung und Selbsterhaltung!

Ich kann dieses Buch sehr empfehlen!

Heute werde ich es mir in meiner Höhle gemütlich machen, weiter lesen, stöbern, schreiben, vielleicht meine Seelenklänge mithilfe der Gitarre weiter erwecken und weiter nach der wilden Frau in mir suchen - soweit entfernt ist sie gar nicht! :-)

Die Geschichte La LIorona aus Mexico wird auch erzählt und passenderweise singt auch Sylvia Kirchherr dazu ein Lied.
Und diese Frau strahlt eine Freiheit, Stärke und innerer Übereinstimmung aus, dass es für mich immer wieder eine wahre Freude ist, sie zu sehen und zu hören! Weil sie ihren Weg geht!



Kommentare:

  1. Interessantes Posting. Das Buch habe ich auch - schon seit der Zeit, als ich noch bei meinem Eltern lebte. Aber ich habe es nie zuende gelesen. Es war wohl doch zu schwer damals.

    Leider habe ich auch jetzt keine Zeit, Dein langes Posting zu lesen, aber das hole ich heute Abend nach. Mal sehen, was Du darüber noch zu sagen hast ;-)

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    1. @ Rostkopp Ich hab dabei auch an Dich gedacht und gehofft, Dich damit ein wenig zu "erreichen". Stimmt, es ist kein Buch, das man von vorne bis hinten einfach so durch liest. Eher wie ein Lexikon, kreuz und quer :-)
      Hoffe Dein Termin lief gut für Dich!

      @ Lebenskünstler Das sprühen vor Lebensfreude kenn ich auf alle Fälle ^^ Ihre CD gibt mir immer wieder viel Kraft und Leichtigkeit.

      @ Emma, ich bin auch gern in Buchhandlungen, ja wer weiß vielleicht kommt die Zeit bald, in der das Buch das richtige für Dich ist.

      Liebe Grüße

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  2. Klasse Clip! Ich vermute mal, diese Frau Symbolisiert auch ein Stück von dir selbst.
    Die Wolfsfrau hat mich jahrelang begleitet und ist immer Inspiration meiner Arbeit gewesen.

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  3. Vor bald zwei Jahren stand ich in einer Buchhandlung, ja ich kaufe die Bücher noch auf die altmodische Art und Weise, als eine Frau zu mir sagte, das dies ein Buch sei, welches jede Frau besitzen sollte, nur weil ich vor dem Regal stand, in welchem es lag. Nun gut, ich kaufte es damals nicht, war aber für diese Begegnung dennoch sehr dankbar, denn das hätte ich beim online Kauf nicht gehabt und es geriet auch nicht in Vergessenheit, dennoch warte ich auf den Zeitpunkt der mir sagt, es wäre der rechte, denn dann ist es auch so... Danke für diese Empfehlung, denn dieses Buch scheint schon sehr vielen Frauen geholfen zu haben.
    LG zu dir, bis bald.

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  4. Hallo Regenfrau,
    für Männer gibt es ein vergleichbares Buch, es heißt "Eisenhans, ein Buch über Männer" von Robert Bly und basiert auf dem Gebrüder-Grimm-Märchen Eisenhans. Dort muss der Junge den Wilden Mann befreien und der Schlüssel zum, zu seinem wilden Mann liegt unter dem Kopfkissen der Mutter; dort muss er ihn stibitzen (die Mutter gibt ihn nicht freiwillig her!). Wenn er den wilden Mann nicht befreit, bleibt er ewig ein Muttersöhnchen. Ich vermute, das gilt für mehr Männer, als der Welt lieb sein kann. Es ist ein faszinierendes Buch, faszinierend aufschlussreich für jeden Mann, und auch für jede Frau, die wissen möchte, wie Männer ticken.
    Und nun lese ich von dem Buch "Wolfsfrau"; das scheint mir für das Parallel-Universum geschrieben; klar, dass ich mir das kaufe, danke für den Tipp ...
    Und Übrigens: Das kenne ich auch, ich habe zweimal - ich sehe es mich noch heute tun - im Stammbuch meiner Familie nachgeschaut, ob ich wirklich das Kind meiner Eltern bin.
    Wem es ähnlich ging, der weiß, was es bedeutet; und meine Eltern waren ach so tief religiös ... bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel, dass nicht wenige Menschen deshalb religiös sind, um mit der Liebe Gottes, von der sie dauernd sprechen, zu kaschieren, dass sie selbst keine Liebe haben ... zu sich ... zu ihren Kindern ...
    Übrigens: Das Lied ist wirklich klasse.
    Liebe Grüße,
    Johannes

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    1. Sehr interessant, danke Johannes. An die Männer dachte ich auch kurz :-)
      Ich hab meine Eltern auch gelöchert, ob ich nicht DOCH adoptiert sei, denn wenn das so sei, würde ich lieber ins Heim gehen.
      Schade, dass da keiner aufgewacht ist.
      Und das mit der Religion: OHJAAA! da is was dran...
      Gute Zeit Dir!

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  6. Liebe Regenfrau... Auf der Suche nach Material zur Wolfsfrau für ein Frauentreffen fanden wir zufällig -) Deinen Beitrag. So wie es der Zufall haben will, passen Deine Worte perfekt zum heutigen Abend... Danke für Deine Worte! Sonnige Grüße aus Scharnstein! Eva-Maria & Eva (Insel - Mädchen- & Frauenzentrum, www.verein-insel.at)

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  7. Hallo Eva-Maria,
    inwiefern habt ihr es brauchen können?
    Liebe Grüße nach Österreich!

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