Dienstag, 3. Januar 2012

Antwort

Die Reaktion meiner Mutter war so, wie früher, wenn ich versuchte mit ihr zu reden. Reden über uns, über sie, über mich, über die Situation. Persönliches. Es kam immer Geheule. Geheule klingt abwertend, und ja in dem Moment fühle ich das auch so. Weil ich ihr Leid, ihre Tränen nicht mehr ertragen kann.

Zu oft getan. Zu oft gesehn. Zu oft gehört.

Sofort nachdem sie meinen Brief erhalten hatte, rief sie an und sprach auf meinen Anrufbeantworter. Kurz darauf kam ein Brief von ihr.

Sie geht in die Verteidigung („alle Eltern machen Fehler“) und in eine Art Schuldzuweisung („du warst auch immer krank!“ -warum nur???).

Und mit dem Wunsch auf ein Wiedersehen. Ich fühle mich sofort unter Druck gesetzt. Es ist gleich wieder dieses mich-haben-wollen, ein klammern. Da krieg ich Krätze!!!

Wir befinden uns auf zwei völlig verschiedenen Wegen. Und ich werde nicht mehr versuchen ihren Weg zu verstehen, noch sie auf meinen zu ziehen. Das hat keinen Sinn. So funktioniert das nicht.

Zu oft probiert.

Ich habe mir was anderes gewünscht. Ein näher kommen. Ein wirkliches verstehen.

Der Versuch war es wert.

Ich sehe, dass sie Fehler machte. Nicht unerhebliche.

Ich sehe auch ihre Geschichte. Keine schöne.

Ich sehe ihre Bemühungen. Beachtenswert.

Für mich ist trotzdem eine Art Frieden eingekehrt, wenn ich an sie denke.

Ich sehe eine Frau mit Schwächen und Stärken. Ich tue mich schwer, sie als meine Mutter zu sehen. Das muss ich auch nicht.

Jetzt muss ich ihr nur noch klar machen, dass ich keinen engeren Kontakt will. Ohne sie zu verletzen.



(während ich dies schrieb, fiel mir das Lied „Gopala“ ein und ich hörte es oft. Als ich las, dass es „für gute, liebevolle Energie zwischen Kindern und Eltern, für eine Sichtweise, die öffnet für die universelle und spirituelle Perspektive, anstelle von Ungeduld und Kritik“ steht, zog es mir schier die Schuhe aus und die Tränen flossen)

Wer auch hören will:




Kommentare:

  1. liebe regenfrau, das thema kommt mir bekannt vor.. ich arbeit schon seit 14 jahren daran ;)

    ich glaube auch, dass die eigene haltung das entscheidene ist: an dem was war, lässt sich nichts mehr ändern. an der trauer arbeite ich noch und etwas komplett zu vergeben halte ich für überbewertet.. doch wie heilsam ist es für mich, seit ich die die bitterkeit und die opferhaltung losgeworden bin! mein leben ist dadurch in fluss gekommen.

    ich bin nicht mehr das kind das ich damals war. und ich bin schöpferin in meinem leben. mantras sind auch ein weg der kommunikation: manches kann man weder in briefen noch mit reden lösen. doch es geht auch anders.

    daran glaube ich und ich erlebe es immer wieder. auf welchen wegen auch immer! liebe grüsse, anne

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  2. Danke Dir!
    Ja stimmt, die Bitterkeit und der Groll ist weg und das fühlt sich schon mal leicht an :-)
    Es geht voran!

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