Mittwoch, 7. Dezember 2011

Und meine Nerven?

Mein Nervensystem fühlt sich derzeit auch an, als wäre es 3x durch den Fleischwolf gedreht worden.
Bis jetzt kam ich mit Ämtern immer gut klar, oder Telefonanbietern oder Vermietern oder irgendwelchen Behörden (Arbeitsamt ist ja auch schon lange Gast in meinem Leben.)
Heute dachte ich wirklich, ich flipp aus. Von Pontius zu Pilatus und zurück wurde ich geschickt.
Dabei wollte ich doch nur eine Beratung, ob ich den Rentenantrag irgendwie umgehen kann, ob es noch andere Möglichkeiten gibt.
Ich wollte kämpfen, für mich einsetzen, für das was ich jetzt brauche und mir gut tut: Eine Förderung, die mich zurück ins Arbeitsleben bringt.


Aber ich ahne, dass es nicht an den Warteschleifen lag und an dem herum geschoben werden, sondern:
Dass ich den Rentenantrag stellen muss! Da ich sonst ganz schlicht kein Geld habe.
Es verlief wohl so (was ich nun rekonstruiert habe) dass die Einschätzung der Amtsärztin (die mich 15 Minuten sah und untersuchte) auf dem Tisch einer Entscheidungsträgerin landete, die mich nie sah und nur durch diverse Schreiben und Unterlagen (also nach Aktenlage!) entschied, ich sei erstmal erwerbsgemindert. (den Begriff erwerbsunfähig gibt es nicht mehr und das ist gut so, klingt ja so als wär man für gar nix mehr gut, eben so unfähig).
Also nicht fähig 3 Stunden jeden Tag zu arbeiten.


Dann ging die komplette Akte zur Rentenversicherung und dort wurde es wiederum gesichtet und dasselbe entschieden: Nicht arbeitsfähig und auch nicht stabil genug für eine berufliche Reha. Denn eigentlich heißt es: Reha vor Rente. Logisch, die Rentenversicherung will ja auch unnötige Kosten vermeiden.

Heißt auf deutsch: Wenn ich jetzt den Antrag stelle, wird der bewilligt, ohne dass nochmal ein Gutachten oder sonstiges läuft. Man konnte mir sogar schon sagen, wie lange sie genehmigt wird: Bis 31.12.2012.

Ich bin platt. Aber sowas von. Zum einen ist es hart zu erfahren wie krank man wirklich ist (ich meine ja, dass ich es immer weniger bin oder will ich das nicht sehen ? mach ich mir was vor? ist es wirklich sooo schlimm?) Lohnt sich das alles noch? Der Sog zur Resignation ist im Moment unglaublich stark.
Und zynisch könnt ich auch grad werden,

zum anderen: Andere kämpfen so hart für ihre Rente, die wirklich kaum mehr laufen oder länger stehen können und mir wird sie "einfach so" hinterher geschmissen?
"Einfach so" natürlich nicht, womit ich wieder bei "es ist wohl wirklich schlimm bei mir" wäre.

Ich werde erst am Freitag ins Rathaus gehen und den Antrag holen bzw. kann man den gleich dort mit Hilfe ausfüllen.
Heute hab ich echt keinen Nerv mehr.

Kommentare:

  1. So ging es mir damlas auch - und ich war platt - ich wollte die Rente ja nicht.

    Mein Thera meinte damals, ich solle die 2 Jahre nutzen um dann etwas arbeiten zu können, was ich möchte, mich umschauen, Praktika machen usw.

    Zwar sah auch er, dass ich eigentlich nicht kann, war aber der Meinung, dass es nix bringt wenn er mir das sagt, sondern dass ich das austesten muss - aber mit offenen Augen, hinschauen wo die Grenzen sind, es analysieren usw.

    Evt hätte sich ja was finden können, was auch gut passt.

    War nicht so - allerdings war ich damals sehr sehr sehr viel schlechter beisammen und froh, wenn ich überhaupt über den Tag kam und mit Medis zugeknallt.

    Heute mach ich das über die Tischlerei - ich kann was machen, auch mal einspringen für den WEihnachtsmarkt und doch auch absagen wenn ich es grad nicht schaffe, ich kann selbst entscheiden wie lange oder wie oft - das tut mir gut und mittlerweile schaff ich es auch abzusagen, wenn es zuviel wird (nach 3 Jahren gg).

    Was ich sagen will - ich denk an dich - nutze es als Chance da hin zu kommen wo du hinkommst - ohne dich erstmal um die finanzielle Grundlage kümmern zu müssen, schauen zu können was geht und was nicht, was du möchtest und was nicht - dann kannst du irgendwann auch deutlich besser argumentieren was Umschulung usw angeht.

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  2. Danke Ilana!
    Dasselbe sagte mir heute meine Thera auch :-)
    Und der Sog war gar nich sooo groß wie ich dachte, nur im ersten Moment und dann auch eher ein: Gut, ich kann das nächste Jahr planen, bis jetzt war es ja alles so unsicher, was will das Arbeitsamt usw...
    Alles noch sehr aufgewühlt in mir, auch logisch.
    LG!

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