Samstag, 17. Dezember 2011

IRRE!

Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.

Ja genau, das Buch von M.Lütz.

Nunja es ist wirklich sehr salopp und manchmal zu verallgemeinernd geschrieben. (was ich eher ungünstig finde, da er im Vorwort schreibt, dass dies Buch ideal für Menschen sei, die sich noch wenig in der Materie auskennen. Um dann ganz plumpe, vereinfachte, unvollständige Therapien und Krankheiten vorzustellen! Vorurteil ick hör dir trapsen.)

Aber das weiß der Doktore auch und sagt es auch. Ebenso verweist er, wer mehr einsteigen will, auf die zur genüge vorhandene Fachliteratur. Die dicken Wälzer.

Passend auch dazu, finde ich 'Arno Gruen - Der Wahnsinn der Normalität'. Wer es etwas fundierter, wissenschaftlicher, dafür aber auch trockener haben möchte.

Er macht ganz klar, dass nicht alles was ein wenig der Norm abweicht, gleich krank sein muss. Dies propagieren jedoch zunehmend die Medien, vor allem die Selbsthilfebücher (ja ich gestehe, ich tappte da auch oft hinein). Das fand ich das wirklich Gute an dem ganzen Buch. Vor allem weil ich mit Besorgnis immer mehr beobachte, wie diese krankhafte Schablone zu schnell den Kindern aufgedrückt wird!

Ein Zitat aus dem Buch: Normal ist leichter Schwachsinn. Auch recht. :-)

Ebenso prangert er den Kult um die Gesundheitsreligion an. Dass es immer mehr Menschen gäbe die nach dem Motto leben: Vorbeugend leben – gesund sterben. Man muss nur lang genug suchen, dann findet man bei jedem Menschen etwas krankhaftes.


Interessant fand ich die Geschichte über die Anfänge der Psychatrie.

Nach meinem Geschmack predigt er ein wenig zu oft über die wundersamen Psychopharmaka. Ebenso fand ich seine Verallgemeinerung eher schädlich, z.B. die „Borderliner“ die ja eh so schwierig sind, jedes Pflegeteam spalten und sich selber ritzen. Dieses Bild geistert doch schon genug herum.

Und wofür sind Diagnosen gut? Um die passende Therapie zu finden. Und natürlich für die Krankenkassen. Also wozu sollte es nützlich sein, einen verstorbenen Künstler einen Wahn, eine Manie, eine Sucht unter zu jubeln? Außerdem ist es unhöflich anderen ungefragt in eine psychiatrische Schublade zu verstecken. Lütz eigene Worte! Und dann erwischt man ihn doch, wie er genau dasselbe tut.


Eine Übung aus M. Lütz Buch gefiel mir noch sehr gut:

Es ist ja so, dass die Patienten die in Therapie gehen, meist sehr gut über die Dinge bescheid wissen, die nicht gut laufen. Und sich hauptsächlich damit beschäftigen.

Man kann aber auch den Blickwinkel ändern und Licht auf die Dinge scheinen lassen, die derzeit gut laufen. Also: Was kann so bleiben, wie es derzeit ist? Und was kann man selbst tun, damit dies erhalten bleibt? (und dies natürlich auch wirklich umsetzen und tun!) Beschäftigt man sich nur wenige Minuten mit diesen Fragen, geht es einem schnell spürbar besser (mir ging es zumindest so). Probieren kann man es ja mal.


In diesem Sinne: Sind wir nicht alle ein wenig Blunah?

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