Sonntag, 11. Dezember 2011

Gefühle fühlen

Heute morgen ging es um das Gefühl Einsamkeit.
Ich spürte sofort, dass es sehr schwer und sehr groß war und ich es nicht haben wollte. (wer ist schon gern einsam?),
also sah ich mir erstmal den Widerstand an, schrieb dazu was mir einfiel, fühlte, atmete.
Es kamen noch viel mehr Gefühle dazu: Trotz (die anderen sollen sich um mich kümmern!!!) und Resignation (ach is doch es alles für die Katz, is mir zu kompliziert mit den Menschen) und Schuldgefühle gegenüber meinen Eltern, dass ich sie nicht glücklich machen konnte, dass ich nicht verhindern konnte, dass sie sich trennten.


Schmerz kam auch, dass ich schon so früh allein gelassen - verlassen wurde.
Ich schrieb auch einen Brief, nein mehrere, an meine Mutter, Vater und Schwester, die ich natürlich nicht abschicke!
Es ging darum, dass ich ihre Päckchen mit trug und versuchte ihre Einsamkeit zu lindern, dass das zu viel für ein Kind ist...ohne Verurteilung, ohne Wut, einfach wie ich es sehe und dass ich ihnen ihre Päckchen nun zurück gebe, dass sie alt genug sind sich um ihr Leben (und auch ihre Einsamkeit) zu kümmern.

Das war jetzt nur die Kurzform. Es ist wirklich erstaunlich, wenn ich mir ansehe, was so los in mir ist. (natürlich ist das Thema nicht ganz gelöst, dafür ist es zu groß, aber der Anfang ist gemacht!)
Früher verhedderte ich mich dann in den Gefühlen und blieb drin stecken.

Jetzt kann ich das erstmal von außen beobachten: was ist eigentlich alles da?
Dies dann wahrnehmen. Das wirkliche fühlen klappt noch nicht so ganz, das macht aber nichts.

Wenn mir jemand sagte: Es ist doch nur ein Gefühl! Wurde ich fuchsteufelswild. Nur ein Gefühl, hat der ne Ahnung wie mich das rumschleudert! Jetzt weiß ich was gemeint ist. Sich nicht mit dem Gefühl zu identifizieren. Nur ein Gefühl, nicht die Realität! Ich bin mehr, als meine Gefühle. Sie sind nur Teile meiner selbst.

Mir ging es, wie gestern schon, danach wieder sehr gut. Ich fühlte mich freier und entspannter und machte, ebenso wie gestern, wieder einen sehr langen Spaziergang.
Echte Selbstfürsorge ist Gold wert :-)

(Eigentlich wollte ich auch erst am Montag wieder in den Briefkasten gucken, wegen Ämterkram usw. fühlte mich aber stabil genug um doch heute mal reinzusehen. Und tatsächlich, das was eigentlich am Freitag telefonisch geklärt werden sollte, kam nun schriftlich. Ich hatte Angst davor, weil ich nicht wußte, ob es doch noch Ärger gibt.
Gibt es nicht. Alles in Ordnung. Mir purzeln die (Domino)steine nur so vom Herzen :-)

Einen schönen 3.Advent Euch allen!!!!!

Kommentare:

  1. Du kannst Dich wirklich toll selbst reflektieren. Das hast Du sicher in der Therapie gelernt.

    Selbstfürsorge ist das Schlüsselwort des Lebens.

    Deine Tini

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  2. Hi Tini, Therapie war sicherlich ein großer Baustein auf meinem Weg, aber auch viele kleinere wie Menschen und Bücher oder einfach das Leben selbst, dass mich immer wieder auf bestimmte Dinge stößt. Jetzt weiß ich was das heißt: ich soll es mir mal genauer ansehen :-)
    Liebe Grüße :-)

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  3. Sehr emotional geschrieben....ich kann es nachempfinden, obwohl ich nie diese Probleme hatte. Man fühlt beim Lesen.

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  4. Danke auch Dir für die Rückmeldung :-)
    Liebe Grüße!

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