Dienstag, 29. November 2011

Die Sprache des Körpers

Ich beziehe nicht jede Krankheit oder Unannehmlichkeit des Körpers auf die Seele. Ich hab nicht immer die Schnauze voll, wie mir das der Schnupfen vielleicht sagen will. Ich will auch nicht jedem was husten, wenn es mal im Hals kratzt. Ich bin Raucherin, da kommt das schon mal vor.

Manche Dinge stimmen aber eben doch. Mein Rücken spricht da eine ganz klare Sprache. Ich hab im oberen Drittel einen ordentlichen Knick der Wirbelsäule. Das sieht man und dafür schäme ich mich auch ein wenig.
Wann dieser Knick entstand kann ich auch ganz klar benennen: Im September 1992. Es gibt Fotos die zeigen mich im Frühjahr/Sommer '92 und genau ein Jahr später. Die Krümmung ist gut sichtbar.

Damals passierte etwas das mich wahrlich zusammen stauchte, mein Wille wurde unterdrückt, ich musste mich klein machen, es gab keinen Rückhalt, keine Unterstützung, die mich wieder aufrichten konnte, ich musste alles alleine tragen und lud mir auch noch Dinge auf, für die ich gar nicht verantwortlich war.
Eine klare Sprache des Körpers.

Ich musste viele Orthopäden aufsuchen und mindestens genauso viele Krankengymnasten, die schmerzhafte Dinge mit mir anstellten und Mutter drohte mir, wenn ich die Übungen nicht fleißig zuhause machen würde, verpasst man mir ein Stahlkorsett.
Was der absolute Horror gewesen wäre, hatte ich doch erst vor kurzem eine monströse Zahnspange bekommen. Und mitten in der Pubertät, da braucht man solch entstellende Dinge doch nicht!
Aber Feingefühl war Mutter's Stärke ja noch nie.

All die Übungen brachten: nix!

Über 15 Jahre später habe ich die Kraft der Berührung erleben dürfen.
Ein Therapeut legte mir seine Hand erst auf die Lendenwirbel (dort hatte sich kompensierend natürlich ein ordentliches Hohlkreuz entwickelt) und später zwischen die Schulterblätter. In dieser Stunde sagte ich meiner (nicht anwesenden) Schwester, dass ich mein Leben habe, selber entscheiden kann und es mir egal ist, was sie davon hält. Erst noch zögerlich, in gebeugter Haltung, dann durch die Unterstützung des Therapeuten kraftvoll, aufgerichtet und mit ordentlicher Kraft dahinter.

Das tat gut! Ich konnte tagelang aufrecht gehen und mich mutig mit meiner vollen Größe von 1,83m zeigen :-)
Ich möchte weiter daran arbeiten.

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